Auf der Karriereleiter nach oben

Daniela Frieß (42)* ist Finanzchefin eines Mittelständlers und will im Job weiterkommen. Aber nur selten werden Positionen im gehobenen Management öffentlich ausgeschrieben.

HR-Profis gezielt einsetzen

In aller Regel beauftragen Unternehmen für die Besetzung eine Personalberatung oder einen Headhunter. Was also tun, wenn man selbst aktiv werden will?

Rechtzeitig Kontakte zu HR-Profis knüpfen

Sylvia Tarves ist Personalberaterin mit Sitz in Hamburg. Sie hat sich auf die Vermittlung von Frauen spezialisiert und rät: „Knüpfen Sie so früh wie möglich erste Kontakte zu Personalberatern. Je länger man sich kennt, desto größer ist das Vertrauensverhältnis und desto besser kennt der Personalberater beziehungsweise die Personalberaterin die Kompetenzen der Kandidaten.“ Auch sollten die Bewerberinnen ihre Vita nicht wahllos und massenhaft an Personalberater verschicken. „Am Besten ist es, sich einen Personalberater zu suchen, der gute Unternehmenskontakte hat“, weiß sie. Hat man den richtigen gefunden, erfragt man am besten telefonisch, ob ein Anschreiben sowie ein Kurzlebenslauf zunächst ausreichend sind oder ob von Anfang an eine vollständige digitale Mappe inklusive Zeugnisse erwartet wird.

Das erste Gespräch entscheidet

Werden Sie zu einem ersten unverbindlichen Gespräch eingeladen, dann ist, wie so oft, dieses das entscheidende. Tarves weiß: „Es gibt Standardfragen, auf die man sich vorbereiten kann.“ Was Personalberater und Headhunter immer wissen möchten:

  • Wie sieht Ihr derzeitiges Tätigkeitsfeld aus?
  • Wo befindet sich Ihr Arbeitsfeld in der Unternehmensorganisation?
  • Haben Sie Personalverantwortung?
  • Welche Entscheidungskompetenzen haben Sie?
  • Welche Perspektive sollte Ihnen Ihr zukünftige Arbeitgeber bieten können?
  • Was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal?
  • Welche Gehaltsvorstellungen haben Sie?
  • Sind Sie bereit, umzuziehen?

Sollte das Unternehmen, das eine Stelle ausgeschrieben hat, bekannt sein, rät sie: „Informieren Sie sich ausführlich über das Unternehmen, die Branche, das Produkt, den Bereich. Eventuell auch über das Land und die dortigen Sitten und Gebräuche. Bereiten Sie Fragen vor, die zeigen, dass Sie neugierig sind und Interesse an der Stelle haben. Für alle Gespräche gilt: Lernen Sie nichts auswendig. Bleiben Sie authentisch.“ Wenn Sie diese Fragen nicht 100% beantworten können sind Sie bei einem Karriereberater gut aufgehoben. Dieser ist darauf spezialisiert genau mit Ihnen die richtigen Antworten zu finden.

Headhunter, Personalberater und Karriereberater

Wichtig für die Gesprächsvorbereitung ist auch zu wissen, mit was für einem HR-Profi man es zu tun hat. Die Bezeichnungen Headhunter und Personalberater werden in vielen Fällen synonym verwendet. Dabei gibt es einen kleinen, aber sehr feinen Unterschied. Während der Headhunter sich ans Telefon setzt und nach der idealen Besetzung sucht, also direct search betreibt, verfügt der Personalberater über eine Datenbank mit geeigneten Kandidaten beziehungsweise sucht diese mittels Anzeigen. Zumindest in der Theorie. Die Praxis sieht mittlerweile aber anders aus. Der Fachkräftemangel hat dazu geführt, dass die Begriffe ineinander übergehen. Heute kommen auch Personalberater nicht mehr umhin, sich der Direktansprache zu bedienen. Insbesondere Führungsfrauen stellen an Personalberater jedoch oftmals Ansprüche, denen er oder sie nicht gerecht werden können. „Managerinnen wollen oft Tipps für die eigene Karrierestrategie, die Bewerbung, oder möchten, dass eigene Interessen wie etwa die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei der Vermittlung berücksichtigt werden“, weiß Tarves. Wer solche Fragen für sich klären möchte, ist bei einem Karriereberater besser aufgehoben. „Personalberater handeln im Interesse ihrer Auftragnehmer. Ihr Honorar beziehen sie von den Unternehmen und nicht von den Bewerbern“, sagt Annemette ter Horst, Karriereberaterin aus Hamburg. Ganz anders sieht es bei den Karriereberatern aus. Hier steht der Mensch mit seinen Fähigkeiten im Mittelpunkt. Gemeinsam analysieren der Karriereberater und die wechselwillige Führungskraft die Fähigkeiten und erarbeiten was die jeweilige Person einem Unternehmen als Mehrwert bieten kann. „Gute Karriereberater arbeiten aber eng mit Personalberatern zusammen, um für ihre Kunden den passenden Job zu finden“, sagt Annemette ter Horst. Hierbei ist nicht das zukünftige Unternehmen der Auftraggeber sondern Sie als Person. Zwar sei die Zusammenarbeit mit einem Karriereberater nicht preiswert, „aber meistens amortisieren sich die Kosten bereits mit dem zweiten oder dritten Monatsgehalt.“

Den passenden Karriereberater finden

Einen ersten Termin mit einer Karriereberaterin hatte Daniela Frieß schon. „Ich weiß, was ich will und welche Position mir als nächster Karriereschritt vorschwebt“, sagt sie. Mit der Beraterin hat sie daher in einem ersten Schritt ihr Profil auf den Karriereplattformen Xing und LinkedIn überarbeitet. Sie hofft so, von Headhuntern und Personalberatern gefunden zu werden. Parallel hat sie sich aber auch auf die Suche nach einem Personalberater oder Headhunter gemacht, der ihr bei der Suche nach einer neuen Herausforderung behilflich ist. „Der Umgang mit mir als Kandidatin war aus meiner Sicht in den meisten Fällen leider sehr unprofessionell“, sagt sie. Mal wurden ihre Daten offensichtlich nicht in einer Datenbank erfasst, mal wurden Fragen gestellt, die sie bereits ausführlich in ihren Unterlagen beantwortet hatte oder die einfach nicht mehr zeitgemäß waren. Wie zum Beispiel: „Aus welchen Familienverhältnissen stammen Sie? Welchen Beruf hatte Ihr Vater? Welchen Ihre Mutter?“ Auch fehlte ihr ein konkretes Feedback, warum sie für eine bestimmte Position nicht in Frage kam. Nur in einem von vier Fällen wurde Kontakt gehalten.

Führungsfrauen mit Kind willkommen?

Positiv aufgefallen ist Daniela, dass ihre Mutterschaft kein Thema zu sein scheint. „Ich habe den Eindruck, je höher ich auf der Karriereleiter nach oben steige, desto weniger ist die Tatsache, dass ich Mutter bin ein Thema“, fasst die Mutter eines Erstklässlers ihre Erfahrungen zusammen. Die Karriereberaterin Annemette ter Horst hingegen stellt immer wieder fest, dass der Arbeitsmarkt negativ auf Führungsfrauen mit Kind(ern) reagiert. „Selbst wenn diese Frauen die Alleinernährerinnen sind, werden ihnen noch immer Männer vorgezogen. Selbst dann, wenn sie keine Forderungen nach Vereinbarkeit stellen. Positiv bewertet sie allerdings, dass auch immer mehr männliche Führungskräfte Forderungen nach Vereinbarkeit, Homeoffice und flexiblen Arbeitszeiten stellen. Trotz der bisherigen Erfahrungen sucht Daniela noch nach dem perfekten Personalberater. „Erst wenn ich feststelle, dass das was ich möchte, nicht das ist, was zu mir passt, werde ich mich noch mal an eine Karriereberaterin wenden“, weiß sie.

* Name von der Redaktion geändert

Worauf Sie bei der Wahl ihres Personalberaters achten sollten.

tarvesTipps von Sylvia Tarves:

  • Sie sollten dem Personalberater/der Personalberaterin vertrauen.
  • Er oder sie sollte für Sie wertvolle Unternehmenskontakte haben.
  • Optimal ist es, wenn er/sie schon langjährige Beziehungen in die Unternehmen hat, in die er/sie vermittelt.
  • Leitet er/sie dann an diese Unternehmen Ihr Profil weiter, sollte er/sie das Kurzprofil vorab mit Ihnen abstimmen.
  • Ein guter Personalberater vermittelt Sie nur auf Positionen die zu Ihrer Qualifikation und Ihren Wünschen passen und wo Sie sich noch entwickeln können.
  • Erhalten Sie total abwegige Jobangebote, sollten Sie Abstand von dem Berater nehmen.
  • Obwohl es kein Gütesiegel für Personalberater gibt, steht die Mitgliedschaft in einem Branchenverband wie dem Bundesverband Personalvermittlung (BPV) für Seriosität.
  • Ein absolutes No-Go: Wenn Sie dafür bezahlen sollen, in die Datenbank aufgenommen zu werden.

Worauf Sie bei der Suche nach einer Karriereberatung achten sollten.

annemette terhorstTipps von Annemette ter Horst:

  • Auch bei einem Karriereberater gilt: Sie müssen sich gegenseitig sympathisch finden.
  • Ob er oder sie auf Ihre Branche spezialisiert ist, ist unwesentlich. Viel wichtiger ist die Prozessbegleitung, der Weg bis zum neuen Job. Ist der Karriereberater darauf spezialisiert mit Ihnen heraus zu arbeiten wo Ihre Stärken liegen und wie Sie dieser auf dem Arbeitsmarkt zur Geltung bringen können.
  • Optimal ist es, wenn er/sie schön langjährige Erfahrung mit der erfolgreiche Positionierung auf dem Arbeitsmarkt hat.
  • Werden Sie zu einem Kennenlern-Gespräch eingeladen?
  • Stellt er/sie sinnvolle Rückfragen zu den von Ihren gesetzten Zielen?
  • Sind die Kosten klar?
  • Arbeitet der Karriereberater mit Personalberatern zusammen?
  • Welche Gütesiegel kann der Karriereberater vorweisen? Ist es einen Coach? Hat er/sie Zertifizierungen wie die nach AZAV für Transferleitungen. Dann ist der Prozess geprüft.

Bildnachweis: fotolia - Robert Kneschke

Weitere Artikel zum Thema

TOP Arbeitgeber

Continental

TARGOBANK AG & Co. KGaA

Otto GmbH & Co KG

Umicore

Fraport AG

Schwäbisch Hall

A.T. Kearney

AREVA

me&i

ECE Projektmanagement GmbH & Co.KG

DZ Bank

Mundipharma

Klinikum Esslingen

BASF

Airbus

TÜV Süd

BBBank

R+V Versicherung

Gerry Weber

IKEA

Stadtverwaltung Hanau

Mainova

Hewlett-Packard Enterprise

Boehringer Ingelheim

Eckes Granini

Ford-Werke GmbH

Kleusberg

LadenZeile.de

Merck KGaA

Weleda

Wüstenrot & Württembergische

 
 
 
 

Berater/innen

Alexandra Aldinger

Genialico - Lernerfolg ist so einfach „Lernen und Schule sowie Erziehung“ erzeugt in vielen Familien enormen Druck. Oftmals dreht sich alles nur...

Alice Guyot

Gesund wachsen – Chancen erkennen – Den passenden Weg finden „Ich liebe Veränderungen. Deshalb freue ich mich, Sie persönlich, Ihre...

Aniko Willems

Das Leben in eigener Regie Wir können die Regie in unserem Leben übernehmen und unser Wohl aktiv gestalten. Denn wir sind mehr als wir...

Annemette ter Horst

Haben Sie Ihren Plan B in der Tasche? „Mein Ziel ist es, Menschen, die sich beruflich verändern wollen oder müssen, in diesem Prozess...

Barbara Waldner

Nichts ist so beständig wie der Wandel Was Change Management mit Chance zu tun hat. Ein jeder Wandel geht einher mit einem...

Carola Baumgarten

Eltern stärken Oft fühlen sich Eltern bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie überlastet und ausgepowert. Ihnen wächst alles über den...

Christine Maurer

Wiedereinsteigende sind eine verkannte Reserve Ein erfolgreicher Wiedereinstieg ist eine Notwendigkeit für Unternehmen und gleichzeitig Freiraum...

Corinna Knauff

 „Ich arbeite daran, glücklich zu sein. Das ist der schönste aller Berufe.“ Orlando di Lasso Achtsamkeit ist vor allem als wirksame...

Dagmar Terbeznik

Das Glas ist halbvoll, nicht halbleer! Das Leben bringt große Herausforderungen mit sich. Egal ob es die Vereinbarkeit von Beruf und...

Diana Heinrichs

Lindera - Gemeinsam besser pflegen. Für Senioren und Angehörige mehr erreichen Die Lebensqualität in der Pflege hängt entscheidet vom...

Dr. Ilona Bürgel

Wir leben und arbeiten so gut oder schlecht wie wir uns fühlen Immer höher, schneller, weiter und dabei immer attraktiver, fitter,...

Dr. Sandra Flämig

Wohnung, Essen, Kleidung, Urlaub etc. müssen bezahlt werden. Erwerbsbiographien werden jedoch immer brüchiger. Zeiten der Arbeitslosigkeit oder...

Dr. Stephanie Robben-Beyer

Eltern sind die besseren Führungskräfte Im Umgang mit ihren Kindern stellen Eltern ihre Führungsqualitäten jeden Tag unter Beweis. Diese...

Elke Flettner

Mit Beständigkeit und mentaler Unterstützung ans Ziel Wir kennen das alle. Wir setzen uns Ziele und auf dem Weg dorthin stoßen wir immer...

Eva-Maria Popp

Vereinbarkeit von Familie/Pflege und Beruf braucht eine gelebte und erprobte Kultur Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein...

Felicitas Richter

Mit Konzentration auf den Augenblick zu mehr Gelassenheit! Verschiedenste Anforderungen in unserem Leben gleichzeitig und mit hohem...

Isabel Schürmann

Wir überzeugen durch unsere Persönlichkeit! Viele Menschen hinterlassen Spuren, aber nur wenige hinterlassen einen prägenden Eindruck.

Isolde Mischke-Flach

Frauen benötigen keine anderen Finanzprodukte als Männer Sie wollen nur anders beraten werden. Sie wollen ausführliche Informationen. Vor...

Kathrin Seifarth

Das Leben ist zu kurz für alte Latschen. Vor etwas mehr als 10 Jahren war ich selbst als Mutter zweier damals kleiner Kinder in meinen...

Sabrina Klix

Andersmachen kann erfolgreich machen Es wird Zeit, dass Unternehmen ihre grundlegenden Strukturen überdenken und neue Unternehmenskulturen schaffen, die...

Sascha Schmidt

Wieder Paar sein! Erfüllte Zweisamkeit trotz Arbeit und Kind. Die Gefahr, sich zwischen den Herausforderungen als Eltern und in der...

Silke Luinstra

Familienbewusste Personalpolitik ist kein „nice-to-have“, … sondern betriebswirtschaftliche Notwendigkeit. Familienbewusste Unternehmen weisen...

Susanne Dröll-Bülter

Wenn Du liebst was Du tust, wirst Du nie wieder in Deinem Leben arbeiten Wir können die Regie in unserem Leben übernehmen und unser Wohl...

Sylvia Tarves

Frauen und Unternehmen die Möglichkeit zu geben, sich zu finden. „Mein Ziel ist es, Frauen und Unternehmen die Möglichkeit zu geben, sich zu finden....

Ulrike Behl

Au-pairs als Weg aus der Vereinbarkeitsfalle Das Konzept Au-pair trägt bei zu sozialer Gerechtigkeit, Generationenhilfe und...

 

Blogger/innen

Backgaudi

Ursprünglich wollen Nicola und Diana ein Backbuch veröffentlichen. Daraus geworden ist der Backgaudi Blog. Für alle Working Mums,...

Die Angelones

Rita Angelone ist mit dem “Familien­oberhaupt” verheiratet und hat zwei Buben – “der Große” und “der Kleine”. ...

Die Hauptstadtmuttis

Claudia & Isa wohnen mit ihren Familien in Berlin. Als "Hauptstadtmuttis" zeigen sie, dass die Mütter der Hauptstadt trotz Kind Frau...

Die Netpapas

Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr. Das erfuhren auch Mario und Frank und wollen mit ihrem Blog Väter...

Frau Mutter

Frau Mutter bezeichnet sich als mütterliche Satirikerin und eine satirische Mutter und ist davon überzeugt, dass man der Lebensaufgabe der...

Jochen König

Jochen König wohnt alleine mit seiner mittlerweile fünf Jahre alten Tochter in Berlin. Seit ihrer Geburt lebt Fritzi überwiegend bei ihm. Das...

Lari Lara - Eine Mama macht Spagat

Isa (38) lebt mit ihrer Familie in Hamburg. Die beiden Mädchen (5/2010 + 6/2014) machen ihr das Leben bunter und sie ist immer auf der...

Mama arbeitet

Christine Finke = Mama arbeitet. Sie ist alleinerziehende Mutter von drei Kindern. 

Mami und Gör

Bettina hat das Gefühl: Kinder und deren Eltern können gewaltig nerven. Und genau darüber schreibt sie auf ihrem Blog "Mami und...

MUM02

Peggy Wandel hat drei große Leidenschaften: Das Schreiben war ihre erste. Dann kam das Reisen hinzu und zu Guter Letzt ihre Kinder.

SixinJapan

Lucinde Hutzenlaub zog 2009 mit ihrem Mann Holger und den vier Kindern Paulina (18), Maria (15), Lilli (13) und William (7) aus...

starkundalleinerziehend

Dr. Alexandra Widmer ist davon überzeugt: "Stark und Alleinerziehend – das ist möglich!" Die Bloggerin und Fachärztin für Neurologie und...

Väter und Karriere

Hans-Georg gehört zu den Bloggern der ersten Stunde. Bereits seit über 10 Jahren bloggt er in seinem Väterblog "Väter und Karriere" mit...

Verena Schulemann

Verena Schulemann ist Journalistin und seit 2009 Mama eines Sohnes. Sie wohnt in Berlin-Mitte, einem kinderfreundlichen Bezirk, in dem...