Arbeitszeitmodelle

Neben der Kinderbetreuung sind flexible Arbeitszeiten die wichtigste Voraussetzung für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Das haben auch die Unternehmen erkannt. 

Arbeitszeitmodelle im Überblick

Aus Sicht berufstätiger Mütter und Väter sind flexible Arbeitszeiten neben der Kinderbetreuung die wichtigste Voraussetzung, um Beruf und Familie erfolgreich zu vereinbaren. Das haben auch die Unternehmen erkannt. Zudem regelt das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) seit 2001 den Rechtsanspruch der Arbeitnehmer, die ihre Arbeitszeit reduzieren wollen. So kommt es, dass große Unternehmen nicht selten über 150 oder gar mehr Teilzeitmodelle verfügen. Diese große Zahl kommt vor allem dadurch zustande, dass jede divergierende Mitarbeiter-Vereinbarung bezüglich Umfang und Lage der Arbeitszeit in ein eigenes Modell gegossen wird. Lesen Sie hier, welche grundlegend verschiedenen Ansätze es gibt, Arbeit flexibel zu gestalten.

Klassische Teilzeit

Bei der klassischen Teilzeit wird die wöchentliche Regelarbeitszeit reduziert und nach einem festen Plan auf die Wochentage verteilt. Ein beliebtes Modell bei zum Beispiel 20 Wochenstunden ist die gleiche Verteilung der Stunden auf die vollen fünf Arbeitstage, sodass jeweils vormittags gearbeitet wird. Immer beliebter wird zudem die Verteilung auf zwei oder drei ganze Tage, sodass zum Beispiel dienstags, mittwochs und donnerstags Vollzeit gearbeitet wird und die anderen Tage frei sind. Welches Modell am besten passt, hängt vor allem vom Job und seinen Anforderungen ab und muss selbstverständlich mit dem Arbeitgeber abgesprochen und von ihm genehmigt werden. Ein Kriterium ist auch die Erreichbarkeit für Kunden und Kollegen. Durch E-Mail, Smartphone oder unternehmensinterne Plattformen für das Collaborative Zusammenarbeiten sind, kombiniert mit einem Home Office Arbeitsplatz, die technischen Voraussetzungen gegeben, um auch den Arbeitsort zu flexibilisieren und im Teilzeitjob außerhalb der regulären Arbeitszeit den Kontakt zu Kollegen und Kunden zu halten.

Vollzeitnahe Teilzeit

Unter vollzeitnaher Teilzeit versteht man eine Reduzierung der regulären Arbeitszeit auf 70 bis 90 Prozent. Das Modell macht in jüngster Zeit sehr von sich reden, was unter anderem mit den Bemühungen von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig zusammenhängt, für Mütter und Väter mit kleinen Kindern eine 32-Stundenwoche mit Lohnausgleich einzuführen. Mit ihrem Vorstoß ist sie im Januar dieses Jahres zwar bei der Bundesregierung auf heftigen Widerstand gestoßen, dennoch propagiert sie weiterhin die vollzeitnahe „Familienarbeitszeit“ als Modell für berufstätige Eltern. Ungeachtet dessen können berufstätige Mütter und Väter mit ihrem Arbeitgeber eine vollzeitnahe Teilzeit vereinbaren – mit entsprechenden Einbußen beim Gehalt. Die Verteilung der Arbeitszeit auf Wochentage und Tageszeit kann wie bei der klassischen Teilzeit vorgenommen werden und muss entsprechend bewilligt werden. Im Gegensatz zur klassischen Teilzeit bietet die vollzeitnahe Teilzeit berufstätigen Eltern ein höheres Gehalt und eine solidere Existenzsicherung. Zudem eignet sich das Modell besser für verantwortungsvolle Positionen, die auch das Führen von Mitarbeitern beinhalten. Für Unternehmen ist das Modell attraktiv, um möglichst viel von der Produktivität vor allem qualifizierter Mütter zu profitieren. Letztendlich gilt jedoch auch hier: Es gibt keine Ideallösung für alle Beschäftigten und Jobbeschreibungen und letztendlich sind alle Modelle genehmigungspflichtig.

Jobsharing

Ein Job, zwei Köpfe – so könnte man Jobsharing flott umschreiben. Im Wesentlichen sieht das Modell so aus, dass sich zwei Arbeitnehmer eigenverantwortlich eine Stelle teilen. Auf diese Weise können zwei Beschäftigte gemeinsam verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen, die eine volle Erreichbarkeit notwendig machen. Vorteil für das Unternehmen ist, dass bei zwei Arbeitnehmern auf einem Posten auch im Krankheitsfall immer ein Ansprechpartner da ist. Zudem können sie auf die Erfahrung und das Wissen von zwei qualifizierten Kräften zurückgreifen. Außerdem gibt es vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten. Jobsharing heißt nicht nur, dass sich zwei gleich qualifizierte Mitarbeiter einen Job hälftig teilen. Jobsharing kann auch heißen, dass ein Jobsharing-Couple die Hauptverantwortung trägt und administrative Aufgaben an den anderen Jobsharing-Couple delegiert. Wichtiges Kriterium beim Jobsharing ist lediglich, dass die Jobsharing-Couple sich eigenverantwortlich eine Stelle teilen und untereinander so absprechen, dass das Jobprofil voll erfüllt wird. Allerdings ist Jobsharing in Deutschland noch wenig verbreitet.

Teilzeit-Team

Beim Teilzeit-Team gibt der Arbeitgeber vor, wann wie viele Mitarbeiter mit welchen Qualifikationen anwesend sein müssen. Das Team legt daraufhin gemeinsam und selbstständig die Arbeitszeit der einzelnen Mitarbeiter fest. Weit verbreitet ist die Teilzeit-Team im Handel und in Service-Bereichen.

Arbeitszeitkonten

Eine sehr wirksame Lösung zur Flexibilisierung der Arbeitszeit sind Arbeitszeitkonten. In diesem Modell können Mitarbeiter Arbeitszeit ansparen, um sie zu einem späteren Zeitpunkt in Freizeit einzulösen. Dabei wird in der Regel zwischen Kurzarbeitszeitkonten und Langarbeitszeitkonten unterschieden. Kurzarbeitszeitkonten werden alle Arbeitszeitkonten genannt, deren Bezugs- bzw. Ausgleichzeitraum maximal zwölf Monate beträgt. In vielen Unternehmen werden diese Arbeitszeitkonten auch Gleitzeit, Ampelkonto oder Jahresarbeitszeitkonto genannt. Mit einem Langzeitarbeitszeitkonto können Arbeitsstunden, die über die reguläre Arbeitszeit hinaus geleistet werden, auf einem getrennten Arbeitszeitkonto gutschreiben und zu einem späteren Zeitpunkt in Freizeit ausgeglichen werden. Im Gegensatz zur Freistellung erhält der Beschäftigte weiter das volle Gehalt. Genutzt werden Langzeitarbeitszeitkonten zum Beispiel für Sabbaticals, für eine Auszeit für die Versorgung pflegebedürftiger Angehöriger oder auch, um nach der Elternzeit grundsätzlich in die Vollzeitstelle zurückzukehren, für eine Übergangszeit jedoch zunächst in Teilzeit zu arbeiten.

Vertrauensarbeitszeit und Ergebnisorientiertes Arbeiten

Das wesentliche Merkmal dieser beiden Modelle ist der Perspektivenwechsel von der Arbeitszeit zur Steuerung des Arbeitseinsatzes der Mitarbeiter weg, hin zu dem zu leistenden Ergebnis. Statt Vereinbarungen über Umfang und Lage der Arbeitszeit zu treffen, verständigen sich Unternehmen und Mitarbeiter über die zu erfüllenden Aufgaben und zu erreichenden Ziele. Weit verbreitet ist dieses Modell in außertariflichen Bereichen. In Kombination mit Home Office sowie den technischen Möglichkeiten von E-Mail, Smart Phone, Laptops und Plattformen für collaboratives Zusammenarbeiten ermöglicht es zudem, auch den Arbeitsort flexibel und in Absprache mit Kollegen und Führungskräften aus dem Unternehmen nach Hause oder anderswohin zu verlegen.

Grundsätzlich gilt für alle flexiblen Arbeitszeitmodelle, dass sie vom Unternehmen genehmigt werden müssen und daher auch abgelehnt werden können. Orientierung darüber, welche Modelle ein Arbeitgeber grundsätzlich anbietet, geben Betriebsverordnungen oder – will man sich neu bei einem Unternehmen bewerben – spezialisierte Plattformen für familienbewusste Arbeitgeber wie die „TOP Arbeitgeber“-Plattform auf www.lob-magazin.de.

Bildnachweis: Erfolgsfaktor Familie