Wir haben einige Tipps gesammelt, wie man zukünftig die Sandwich Generation besser unterstützen kann.

Viele Unternehmen bieten bereits zahlreiche Maßnahmen für die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. In aller Regel konzentrieren sich diese Maßnahmen aber auf entweder die Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Kinderbetreuung oder auf die Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Betreuung pflegebedürftiger Familienmitglieder. Nur wenige Unternehmen haben bereits die Sandwich Generation im Auge. Die Generation, die die Erwerbstätigkeit mit der Kinderbetreuung und der Pflege vereinbaren muss. Diese Generation braucht noch mehr Unterstützung und noch mehr Verständnis von Seiten des Arbeitgebenden. 

Herausforderungen erkennen

Um die Sandwich Generation unterstützen zu können, müssen Arbeitgebende zunächst einmal verstehen, welche die spezifischen Bedürfnisse dieser Angestellten sind. Einblicke in die Herausforderungen kann eine Umfrage oder eine Fokusgruppe geben. Aufbauend auf den Ergebnissen, lassen sich dann passgenaue Maßnahmen erarbeiten. 

Aber auch die Schulung von Führungskräften kann dabei helfen, die Bedürfnisse der Angestellten zu erkennen. Zum einen können die Führungskräfte sensibilisiert werden, um beispielsweise in Mitarbeitendengesprächen das Thema gezielt anzusprechen. Führungskräfte können aber auch Werkzeugkästen an die Hand gegeben werden, die ihnen helfen, die Bedürfnisse ihrer Mitarbeitenden zu erkennen. 

Flexibilisierung der Arbeit

Das Arbeiten im Homeoffice zu ermöglichen, ist schon mal ein erster Schritt. Immerhin fallen dann die Arbeitswege weg. Aber Arbeiten im Homeoffice hat nur bedingt etwas mit der Flexibilisierung der Arbeit zu tun. Viele Arbeitgebende haben von ihren Angestellten regelmäßige Beweise für die „Anwesenheit“ verlangt. Sei es der morgendliche Call, um sicherzustellen, dass alle am Computer sitzen und/oder der Videocheck am Nachmittag, um sicherzugehen, dass auch tatsächlich noch alle da sind und sich nicht vorzeitig abgemeldet haben. 

Echte Flexibilisierung der Arbeit sieht anders aus. Sie bedeutet, dass Abgestellte sich ihre Arbeitszeiten so organisieren können, dass diese mit der Kinderbetreuung und der Pflege vereinbart werden können. Da können die individuellen Arbeitszeiten auch mal außerhalb der regulären Arbeitszeiten, etwa spät abends, früh morgens oder am Wochenende, liegen. 

Wichtig: Da in aller Regel nicht allen Mitarbeitenden diese absolute Flexibilität gewährt werden kann, ist es wichtig die Regelung transparent zu kommunizieren und schriftlich zu fixieren. 

Job-Sharing 

Eine andere Möglichkeit, wie der Sandwich Generation im Job geholfen werden kann, ist das Ermöglichen von Job-Sharing. In diesem Fall teilen sich zwei Mitarbeitende einen Job. Zahlreiche Unternehmen haben dieses Modell in den vergangenen Jahren auf sämtlichen Hierarchieebenen bereits ermöglicht – zum Wohl der betreffenden Mitarbeitenden, aber auch zum Wohl des eigenen Unternehmens. Denn Job-Sharing bedeutet nicht nur, dass die beiden Mitarbeitenden sich im Fall einer Krankheit gegenseitig vertreten können. Es bedeutet auch, dass eine Stelle mit der doppelten Kompetenz ausgestattet wird. (Siehe dazu auch: Tandemploy)

In manchen Fällen kann die Flexibilisierung der Arbeit aber noch nicht genug sein. In diesen Fällen kann mit den Arbeitnehmenden über Brückenteilzeit gesprochen werden oder die Inanspruchnahme des Pflegezeitgesetzes forciert werden.

Brückenteilzeit

Die Pflege von Angehörigen ist teuer. Es kann also durchaus sein, dass der oder die betreffende Mitarbeitende nicht auf ihr Gehalt aus einer Vollzeitstelle verzichten kann und will. Zumindest nicht auf Dauer. In diesem Fall kann eine Brückenteilzeit hilfreich sein. Also eine Teilzeit, die zeitlich begrenzt ist. 

Pflege- und Familienpflegezeitgesetz

Auch das Pflege- und Familienpflegezeitgesetz bieten den Arbeitnehmenden die Möglichkeit, sich für bis zu sechs Monate vollständig oder teilweise vom Job befreien zu lassen. Allerdings muss bei der teilweisen Freistellung der Job immer noch mindestens 15 Wochenendstunden ausgefüllt werden. Für die längerfristigen Einkommensverluste bietet der Bund Betroffenen zinslose Darlehen oder stellt im Falle einer Arbeitsverhinderung Unterstützungsgeld. 

4-Tage Woche

Inwieweit eine 4-Tage Woche der Sandwich Generation bei der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben hilft, kommt auf die individuelle Situation der Betroffenen an. Dass es aber einen allgemeinen Bedarf für flexiblere Arbeitszeitmodelle gibt, zeigt eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Ihr zufolge arbeiten 50 Prozent der Männer und 41 Prozent der Frauen mehr als sie wollen und gehen davon aus, die gleiche Arbeit in weniger Zeit schaffen zu können. 

Schon während der Pandemie haben erste Länder, wie Spanien, eine 4-Tage-Woche getestet. Anfang 2021 hatte die spanische Regierung ein Pilotprojekt aufgesetzt. Über einen Zeitraum von drei Jahren sollen die Mitarbeitenden der beteiligten Unternehmen nur noch 32 Stunden pro Woche arbeiten und dennoch das volle Gehalt beziehen. Die Regierung hat dafür 50 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. In Belgien wurde die Vier-Tage-Woche sogar schon offiziell eingeführt. Seit Februar diesen Jahres sollen Vollzeit Arbeitnehmende pro Tag mehr Stunden arbeiten dürfen, um so die erforderlichen Stunden in vier Tagen leisten zu können. Aber auch in Deutschland gibt es schon erste Firmen, die eine solche Regelung eingeführt haben. So reduzierte beispielsweise die Firma Braineffect, ein Berliner Start-up, während der Sommermonate 2021 die Arbeitszeit, da viele Angestellte nach dem Lockdown erschöpft waren und wieder Kräfte sammeln mussten. Das Ergebnis: Weniger Krankentage, geringere Fluktuation, gleichbleibende Produktivität, sowie eine höhere Zufriedenheit der Mitarbeitenden. Allerdings arbeitet man bei Braineffect nur im Sommer an vier Tagen pro Woche. Im Winter gilt: Business as usual – fünf Tage arbeiten und am Wochenende frei. 

Lerngruppen für Schüler:innen

Eine Möglichkeit, die Sandwich Generation bei der Betreuung ihrer Kinder zu unterstützen – nicht nur in Zeiten der Pandemie – ist es, virtuelle aber auch vor-Ort Lerngruppen einzurichten. Die Schülerinnen und Schüler werden in kleinen Gruppen von einer Tutorin/einem Tutor oder im Wechsel von einem der Elternteile begleitet und unterstützt. 

Gemeinsam statt einsam

Manch eine Maßnahme kann sich für ein Unternehmen alleine nicht lohnen. Es macht daher immer Sinn, sich mit anderen Unternehmen aus der näheren Umgebung zusammen zu schließen. Unter anderem auch für das oben genanntes Beispiel einer Lerngruppe für Kinder.

Ein solcher Zusammenschluss mehrerer Unternehmen kann aber auch hilfreich sein, um gemeinsam eine Minikita zu gründen, gemeinsam Vorträge und Workshops für beispielsweise pflegende Angehörige anzubieten oder ein Netzwerk für Eltern und/oder pflegende Angehörige zu bilden. Dann muss nicht jedes Unternehmen das Rad neu erfinden und Synergien können sinnvoll genutzt werden. 

Unterstützung durch Rentner:innen oder Elternzeitler:innen

Haben Sie schon mal daran gedacht, verrentete Mitarbeitende oder Mitarbeitende in Elternzeit zeitweise wieder in das Unternehmen zu holen? Oftmals erschlagen Sie mit einer solchen Maßnahme „mit einer Klappe mehrere Fliegen“. Die verrenteten ehemaligen Mitarbeitenden, aber auch die Elternzeitler:innen kennen das Unternehmen und müssen nicht neu eingearbeitet werden. Viele freuen sich, auch in der Rente noch gebraucht zu werden, bzw. während der Elternzeit den Kontakt zum Unternehmen nicht zu verlieren. Gleichzeitig nehmen Sie den Druck bei den Mitarbeitenden raus, die sich gerade zwischen Beruf, Kinderbetreuung und Pflege aufreiben. 

 

Bildnachweis: pexels/alena_dramel