Ulrike Alt – Luxusweiberl

Wie kann man möglichst viele unterschiedliche Leidenschaften ausleben? „Ganz einfach!“, meint Ulrike Alt. „Indem man Mutter wird, jede Minute nutzt und offen für Neues ist.“

Ulrike ist Mutter einer fast zweijährigen Tochter, Projektmanagerin bei einem IT-Dienstleiter für Banken, ausgebildete Zauberin und momentan in Elternzeit. Bis zu Leonies Geburt im Dezember 2010 hat Ulrike immer in Vollzeit gearbeitet. Auch jetzt, während der Elternzeit, achtet sie darauf, dass der Kontakt zur Arbeit nicht abreißt. Regelmäßig geht sie mit ihren Kolleginnen und Kollegen essen und besucht ihre Vorgesetzten: „Es ist mir sowohl menschlich als auch beruflich sehr wichtig, diesen Kontakt zu halten. Ich habe mich schon immer mit meinen Vorgesetzten gut verstanden. Sie sollen wissen, dass ich, obwohl ich Mutter geworden bin, nicht aus der Arbeitswelt verschwinde“, erzählt die Projektmanagerin. „Und die Botschaft kommt an.“

Eigentlich wollte die junge Mutter nur für ein Jahr beruflich aussetzen. Als das Jahr dann vorüber war, stellte sie fest, dass sie eigentlich gern noch länger bei ihrer Tochter bleiben wollte. Als sie dann auch noch keinen Betreuungsplatz fand, beschloss sie: „Ich verlängere meine Elternzeit auf 36 Monate.“ Gesagt, getan – und ihr Chef spielte mit. „Natürlich wäre es ihm recht, wenn ich so bald wie möglich wieder einsteige. Er sagt immer wieder, dass er mich braucht. Dass er sich darauf freut, wenn ich wieder da bin“, erzählt Ulrike. Ausgemacht ist jetzt aber, dass sie erst im kommenden Sommer oder Herbst, sobald die Kleine im Kindergarten eingewöhnt ist, mit 20 Stunden pro Woche einsteigt und dann interne Projekte betreut. „Externe Projekte bedürfen einer 24-Stunden-Betreuung. Die werde ich erst mal nicht leisten können.“

Während der Elternzeit in die Selbstständigkeit

Bereut hat Ulrike die Aufstockung der Elternzeit keine Minute, denn sie hat die Zeit genutzt, um „Neues zu schaffen und das zu tun, was ich schon immer mal machen wollte“. Sie widmet sich ganz ihrer kreativen Seite und vertreibt im Internet unter der Marke „Luxusweiberl“ selbstkreierten Perlenschmuck mit Namenszug. „Für mich und meine Situation ideal. Ich wollte schon immer Schmuck machen. Vor Leonies Geburt hatte ich aber nie Zeit dazu. Jetzt kann ich mir meine Zeit, mit gewissen Einschränkungen, frei einteilen. Immer wenn die Kleine schläft, fädele ich.“ Und während eine Perle nach der anderen auf die Schnur rutscht, macht sich Ulrike Gedanken über die Zukunft von „Luxusweiberl“. Denn stehen bleiben soll die Marke nicht. Wachstum muss sein. Bereits jetzt kauft die frisch gebackene Geschäftsfrau modische Accessoires dazu, um ihren Kundinnen mehr bieten zu können.

Aber das ist noch nicht alles. Ulrike ist auch leidenschaftliche Zauberin. Vor Leonies Geburt hat sie neben ihrer Berufstätigkeit vier Semester an der Zauberschule in Pullach studiert. „Ich brauchte die Zauberei als kreativen Ausgleich zu meinem sehr strukturierten und analytischen Job“, erzählt die Teilzeit-Magierin, die seither regelmäßig Groß und Klein mit ihren Zaubertricks begeistert. Die Großen beim Magic-Dinner und die Kleinen auf Kindergeburtstagen. „Früher hatte ich drei bis vier Auftritte pro Monat. Seit Leonie auf der Welt ist, ist das weniger geworden. Aber auch jetzt zaubere ich noch mindestens zwei Mal monatlich.“

Eine Mutter muss zaubern könnenUlrike Alt

Liebend gerne würde Ulrike manchmal auch Zuhause zaubern können. Nämlich dann, wenn Leonie krank ist oder die Tagesmutter, die zwei Mal pro Woche aufpasst, absagt. „Sobald das eine oder das andere passiert, herrscht Chaos.“ Als Hausfrau, Mutter, Geschäftsfrau und Zauberin hat Ulrike tagtäglich einen langen, detaillierten To-Do-Plan. Wenn das Chaos zu groß wird, hilft ihr Mann Stephan aus, sobald er von der Arbeit zurück gekehrt ist. „Stephan übernimmt dann Leonie, und ich setze mich an den Rechner oder fädele meine Bestellungen auf. Das sind dann aber auch die Tage, an denen ich nicht gegen zwölf Uhr nachts ins Bett gehe, sondern schon mal bis drei Uhr morgens sitze. Da denke ich dann manchmal, ich bin ab jetzt Hausfrau und schmeiß’ den Job in die Tonne. Meistens hält dieses Gefühl aber nicht lange an. Dann weiß ich wieder ganz genau, warum ich das alles mache. Weil ich es nicht anders will! Und ich kann nur jedem raten: Genießt die Kinder so lange wie möglich und nutzt diese Zeit ganz bewusst auch für Euch. Das macht zufrieden und gibt Kraft.“

Ulrike Alt (38), Projektmanagerin in Elternzeit, verheiratet mit Stephan (43), Mutter von Leonie (2)

Bildnachweis: Anette Göttlicher von "göttlicher fotografieren"