Sandra Schindler

Sandra Schindler ist zweifache Mutter und Kinderbuchautorin. Im September 2016 veröffentlichte sie ihr erstes Buch, „Der kleine Milchvampir“.

Warum es ausgerechnet ihre Kinder sind, die sie zur Arbeit animieren, wie sie Berufliches und Privates unter einen Hut bringt und wann für sie der richtige Zeitpunkt zum Abstillen ist, verrät sie uns im Interview.

Sie arbeiten von zu Hause aus. Wann arbeiten Sie am liebsten?

Heute habe ich um drei Uhr mit der Arbeit begonnen. Ich liebe es, in den frühen Morgenstunden am Schreibtisch zu sitzen, denn da besteht weniger die Gefahr, sich durch Mails oder Anrufe ablenken zu lassen. Um kurz vor 8 wecke ich dann den Rest der Familie und der Alltag beginnt. Sind die Kinder im Kindergarten, geht es weiter. Wenn sie dann zurückkommen, hat mein PC Feierabend. Ein solch früher Tagesstart hat allerdings den Nachteil, dass ich abends ziemlich schnell müde bin. Aber auch das kann man positiv sehen: Die Kinder freuen sich, wenn ich mit ihnen gemeinsam zu Bett gehe.

Waren Sie schon immer Frühaufsteherin?

Zu Studienzeiten eher das Gegenteil. Der Wandel kam schleichend, als ich Mutter wurde: Ich war ohnehin oft zwischen 2 und 3 Uhr wach, weil ich mein Kind stillte. Immer öfter konnte ich danach nicht mehr einschlafen. Also bin ich aufgestanden und habe gearbeitet. Auch wenn viele mich dafür mitleidig ansehen: Mir macht es nichts aus. Im Gegenteil: Ich liebe meinen etwas verschobenen Rhythmus.

Stichwort Stillen: Sie haben ein Buch geschrieben, das Langzeitstillmamas das Abstillen erleichtern soll. Wie kam es dazu?

Bei meiner ersten Tochter klappte das Abstillen problemlos, sozusagen in beiderseitigem Einvernehmen. Meine zweite Tochter hingegen stillte ich etwa zwei Jahre und stellte dann irgendwann fest, dass ich nicht mehr konnte. Ich wollte aufhören damit, startete zahlreiche halbherzige Abstillversuche, aber es war trotzdem kein Ende in Sicht. Also suchte ich nach einem Kinderbuch, um meinem kleinen Milchvampir die Botschaft zu vermitteln, dass ich nicht mehr wollte. Aber es gab keins.

Nach Rücksprache mit meiner Hebamme, Stillberaterinnen und Langzeitstillmamas stellte ich fest: Ich war nicht allein mit meinem Problem. Also schrieb ich ein Buch, in der Hoffnung, anderen Müttern helfen zu können.

Es war also Ihre Tochter, die Sie zum Schreiben gebracht hat?

Genau. Und das Schöne ist: Sie und ihre Schwester inspirieren mich immer wieder zu neuen Geschichten. Somit verschwimmen die Grenzen zwischen Beruflichem und Privatem oft, denn wenn ein Problem mit den Kindern auftaucht, dann versuche ich, es mit Hilfe eines Buchs zu lösen. Wobei es nicht mal immer mein eigenes Problem sein muss. Manchmal ist es auch ein bestimmtes Thema, zu dem ich immer wieder um Rat gefragt werde, sodass ich sehe: Da gibt es Aufklärungsbedarf.

Sie schreiben also pädagogische Bücher?

Ich habe die letzten Jahre als Lektorin gearbeitet und weiß, was allein die Nennung des Wortes in vielen Kollegen auslöst: eine regelrechte Aversion. Ich mag auch keine Kinderbücher, die mit dem pädagogischen Holzhammer daherkommen, aber ich liebe Problemlösungsbücher wie „Das kleine Windelmonster“ von Dagmar Geisler. In dem Stil schreibe ich auch: Ich gehe davon aus, dass die Eltern mein Buch aus einem bestimmten Grund kaufen – und nicht nur zu Unterhaltungszwecken. Dennoch möchte ich den Kindern auch eine Geschichte erzählen, die sie gerne wieder hören wollen.

Ich habe jetzt mit dezent pädagogischen Büchern angefangen – das nächste Buch, das voraussichtlich noch in diesem Jahr erscheinen wird, behandelt das Thema „kindliche Ängste“. Aber es sind auch etliche Bücher in Planung, die ich tatsächlich nur zu Unterhaltungs- oder Informationszwecken schreiben werde.

Wieso denn zu Informationszwecken?

Ich stelle immer wieder fest, dass es Dinge gibt, über die ich einiges weiß, andere aber nicht. Oder es gibt Themen, über die ich gerne mehr wissen würde – und wenn ich mich ausgiebig informiert habe, kommt sofort der Drang, etwas darüber zu schreiben, weil ich mir denke: Das interessiert bestimmt auch andere.

Wie sieht ein freier Tag bei Ihnen aus?

Es gibt eigentlich keine freien Tage. Auch am Wochenende arbeite ich morgens, wenn der Rest der Familie noch schläft. Meine Arbeit ist mein liebstes Hobby, von daher mache ich das gern. Selbst wenn ich nicht am Schreibtisch sitze, kann es durchaus sein, dass ich arbeite, auch wenn es nicht so aussieht: Wenn ich mit den Kindern oder mit dem Hund in der Natur unterwegs bin, geschieht etwas, was meine Aufmerksamkeit fesselt: Etliche Raben fliegen über uns hinweg, jeder mit einem halben Brötchen im Schnabel. Oder: Ein Schmetterling steuert den Kopf von einem meiner Kinder an. Und schon entsteht in meinem Kopf eine Geschichte. Sobald ich wieder zu Hause bin und Zeit habe, schreibe ich sie auf. Schon allein das Beobachten von Menschen, Tieren oder Situationen ist Arbeit, ebenso das Lesen: Jedes Buch, das ich lese, beeinflusst mein eigenes Schreiben, egal ob Sachbuch oder Belletristik.

Welcher Autor hat Sie am meisten beeinflusst?

Enid Blyton, ganz klar. Ich habe ihre Kinderkrimis schon immer geliebt. Und ich glaube, dass ich früher oder später eine ähnliche Richtung einschlagen werde.

Noch mal zurück zu Ihrem Abstillbuch: Wollen Sie Mütter zum Abstillen animieren?

Auf keinen Fall. Ich bin ja selbst Langzeitstillmama gewesen. Und als solche weiß ich, wie es sich anfühlt, dem Druck durch die Gesellschaft ausgesetzt zu sein. „Willst du das Kind denn noch stillen, bis es achtzehn ist?“ Solche Fragen hört unsereins leider häufig. Und auch wenn man versucht, sich nicht davon beeinflussen zu lassen: Irgendetwas bleibt doch im Unterbewusstsein hängen und untergräbt das Selbstbewusstsein.

Ich möchte mit meinem Buch Langzeitstillmamas den Mut und die Kraft geben, an ihrer Überzeugung festzuhalten und sich nicht von der Gesellschaft beeinflussen zu lassen, denn Stillen ist immer gut für das Kind. Solange sich Mutter und Kind damit wohlfühlen und es sich für beide Seiten gut und richtig anfühlt, gibt es keinen Grund, damit aufzuhören.

Falls es aber tatsächlich die Mutter ist, die nicht mehr stillen will, dann hoffe ich, dass mein Buch ihr dabei hilft, ein sanftes Ende der Stillzeit einzuleiten.

Gibt es etwas, was Sie unserer Leserschaft mit auf den Weg geben möchten?

Es gibt einiges, was ich in den letzten Jahren gelernt habe:
1. Verkauft euch nicht unter eurem Wert. Selbst wenn ihr eine Zusammenarbeit ablehnt, die in dem Moment eure einzige Möglichkeit zu sein scheint, mit eurem Projekt weiterzukommen, steht zu euren Überzeugungen. Es wird jemand kommen, der euch schätzt und bereit ist, euch dafür entsprechend zu vergüten.
2. Hört auf euer Bauchgefühl. Es hat Recht. Immer.
3. Lebt euren Traum. Gerade beruflich. Man verbringt so viel Zeit mit der Arbeit – da sollte man das tun, was einem Spaß macht, und nicht das, wozu man sich verpflichtet fühlt.

Manchmal muss man etwas riskieren, um seinen Traum zu verwirklichen. Aber ich bin der Meinung, dass dieses Risiko sich immer lohnt, wenn man wirklich mit ganzem Herzen hinter seinem Vorhaben steht.

„Der kleine Milchvampir“ ist überall im Handel erhältlich. Hier gehts zu Trailer und Buchvorschau. Mehr über Sandra Schindler erfahren Sie auf www.sandra-schindler-schreibt.de sowie auf der Facebook-Fanseite der Autorin.