Paul Bläsi

Er ist Softwareentwickler, sie Pastoralreferentin. Gemeinsam haben sie vier Kinder. Paul Bläsi hat uns verraten, wie sie es schaffen, Beruf und Familie zu vereinbaren.

Paul Bläsi (42), Softwareentwickler, verheiratet mit Adelheid Bläsi (46), Pastoralreferentin. Kinder: Viktoria (9), Leonhard (8), Korbinian (4) und Emilia (2)

Montag bis Mittwoch Arbeit, Donnerstag bis Sonntag Familie

„Ich kannte meine Frau schon lange, bevor wir zusammen kamen. Und ich glaube, es war während einer ihrer Predigten, dass ich mich in sie verliebte“, erzählt Paul Bläsi. „Man sieht Adelheid die Liebe zu ihrem Beruf an. Ich sehe das gern, und es wäre schade, darauf zu verzichten.“ Für Paul war es daher selbstverständlich, dass er und Adelheid sich sowohl das Geldverdienen als auch die Kindererziehung von Beginn an teilen würden. Als Viktoria und ein Jahr später Leonhard geboren wurden, gab es die Partnermonate noch nicht, also nahm Paul Bläsi Urlaub. Nach den Geburten von Korbinian und Emilia beantragte er jeweils zwei Monate Elternzeit. „Ich wollte die Kinder ab dem ersten Tag miterleben.“ Nach Viktorias Geburt handelte er mit seinem Chef eine vier-Tage-Woche mit insgesamt 40 Stunden aus. Nach Korbinians Geburt wurde dann weiter reduziert. „Mein Arbeitgeber und ich haben ein „Gentlemen‘s Agreement“: Ich reise montags früh nach München und stehe ihm dann bis Mittwoch 22 Uhr, also bis ich wieder zu Hause in Ulm ankomme, zur Verfügung. Das heißt, dass ich auch mal nach Feierabend für ihn da sein kann, denn ich übernachte in München. Auf der anderen Seite heißt das aber auch, dass ich von Donnerstag bis Sonntag ganz meiner Familie gehöre“, erklärt Paul Bläsi.

Familie BläsiDas Aufteilen der Erwerbstätigkeit und der Familie bedeutet für den Familienvater sowohl Herausforderung als auch Ausgleich. „Ich finde Hausarbeit gar keine so üble Aufgabe. Man sieht gleich, was gemacht ist. Ganz anders als bei der Entwicklung einer Software. Da kann es schon mal länger dauern, bis man ein Ergebnis sieht“, stellt Paul Bläsi fest. „Außerdem haben Adelheid und ich viel mehr Verständnis füreinander. Wenn beide allzu unterschiedliche Arbeitsalltage haben, kann der eine die Sorgen und Nöte des anderen schwer nachvollziehen. Ich weiß jetzt, was es bedeutet, sich den ganzen Tag um den Nachwuchs zu kümmern. Adelheid weiß aber auch, wie es ist, wenn man sich jeden Tag in der Welt außerhalb der vertrauten vier Wände behaupten muss. Das schweißt zusammen.“

Lächelnd ergänzt er: „Diese Art der Arbeitsteilung hat aber auch seine Nachteile. Wenn meine Kollegen Zeit mit ihren Kindern verbringen, empfinden deren Kinder ihren Papa als ein Highlight. Meine tun das nicht. Für die ist unsere Situation normal. Wobei ich mit den Kindern schon anders umgehe als meine Frau. Ich balge mich zum Beispiel gern mit ihnen auf dem Boden. Das ist nicht so Adelheids Ding. Und immer läuft es bei uns auch nicht rund.“ Denn obwohl das Ehepaar Bläsi den Vereinbarkeitsalltag nahezu perfekt durchgeplant hat, sind auch sie nicht vor den kleinen Katastrophen des Alltags gefeit. Als vor Kurzem die kleine Emilia ins Krankenhaus musste, war der Softwareentwickler gerade in Hannover. Zu weit weg, um schnell nach Hause zu fahren. Auf die Großmütter zurückgreifen können die vierfachen Eltern auch nicht, denn beide Mütter wohnen mehr als 100 Kilometer entfernt. „Dann ist es schon gut, wenn man ein verlässliches Netzwerk aus Nachbarn und Freunden hat“, bestätigt Paul Bläsi. Aber deshalb in ein klassisches Familienmodell verfallen? „Niemals! Wenn ich von anderen höre „Ich würde ja gerne, aber...“, denke ich oft: „Dann mach es doch!“ Ich für meinen Teil finde mein Leben toll.“

Leider droht das Konstrukt der Arbeitsteilung zu kippen. Pauls Arbeitgeber möchte seine Mitarbeiter zentral in Hannover zusammenführen. Ein Umzug kommt für die Familie aber nicht in Frage. Der Softwareentwickler ist daher seit knapp einem Jahr auf der Suche nach einer neuen Herausforderung in Teilzeit. „Nicht ganz einfach, aber die Zeit spielt für mich“, davon ist er überzeugt. „Softwareentwickler gehören zu den Fachkräften, die stark nachgefragt sind. Aber Softwareentwickler in Teilzeit wohl noch nicht. Sobald ich meinen Wunsch nach Teilzeit erwähne, bekomme ich Absagen oder höre gar nichts mehr.“ Noch ist das aber alles kein Problem, denn noch kann der vierfache Vater an drei Tagen von München aus arbeiten. Eines ist ihm in den vielen Gesprächen mit Personalern bewusst geworden: „Wir brauchen eher Verlässlichkeit als Flexibilität in unseren Arbeitszeiten. Sowohl für mich als auch für meinen Arbeitgeber ist es wichtig zu wissen, wann ich zu 100 Prozent für ihn zur Verfügung stehen kann. Das ständige hin und her ist weder für mich noch für meinen Arbeitgeber von Vorteil. Ich glaube, die „Schmerzen“ entstehen da, wo der ständige Wechsel ist.“

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