Markus Schulz

„Meine Tochter kennt mich.“, sagt Michael Schulz nicht ohne Stolz. Als Berater mit einer Teilzeitanstellung kann er Beruf und Familie optimal vereinbaren.

 Michael Schulz ist Vater aus Leidenschaft. Schon bevor die kleine Annabell auf die Welt kam, war für ihn klar: „Ich werde kein Wochenendpapa sein.“ Nicht ganz so einfach. Schulz arbeitet für das global tätige Beratungsunternehmen Accenture. Das bedeutet: Er ist oft unterwegs. Der junge Vater liebt seinen Job, aber in Vollzeit arbeiten und gleichzeitig für die Familie da sein – unmöglich.

Deshalb hat Michael Schulz, kurz nachdem klar war, dass er Vater werden würde, das Gespräch mit seinen Vorgesetzten gesucht. „Ich war sehr überrascht, wie einfach das bei Accenture alles ging. In meinem Freundeskreis hatte ich ganz andere Geschichten gehört. Viele sind regelrecht gegen Mauern gelaufen, als sie in ihren Unternehmen nachfragten, ob sie Stunden reduzieren könnten, um mehr für die Familie da zu sein“, erzählt er. Hilfreich für das Gelingen des Vorhabens war, und davon ist Schulz überzeugt, dass er sich in der Vorbereitung auf sein Gespräch mit seinem Vorgesetzten, schon konkrete Gedanken über die Möglichkeiten gemacht hatte, wie er Beruf und Familie vereinbaren könnte. „Ich habe mich dazu mit unserer Personalabteilung zusammengesetzt und diverse Möglichkeiten durchgespielt. Zur Diskussion standen einige schon bewährte Modelle. Darunter auch Arbeitszeitkonten. Ich hätte Überstunden sammeln können, die ich dann als Freizeit wieder „aufgebraucht“ hätte. Mir war das aber zu unsicher. Also habe ich mir überlegt, wie ich meine Projekte in Teilzeit stemmen und gleichzeitig meiner Familie gerecht werden könnte.“ Accenture bietet neben den Teil- und Arbeitszeitmodellen ein Netzwerk für die Eltern, die sich für einige Zeit ganz den Kindern widmen möchten. Es fördert den Kontakt zum Unternehmen, was den Wiedereinstieg erleichtert.

Heute ist Michael Schulz von Dienstag bis Donnerstag für sein Projekt in Deutschland unterwegs und Freitag bis Montag Vater, Ehe- und Hausmann in Hamburg. Dann ist auch mal er es, der die Kleine von der Tagesmutter abholt, die täglichen Besorgungen regelt und sich um den Haushalt kümmert. Seine Frau Marlen, die 21 Stunden pro Woche als SAP-Entwicklerin tätig ist, kann an diesen Tagen länger arbeiten oder einfach mal ihren Hobbys nachgehen. „Indem ich mich um das Alltägliche kümmere, entlaste ich meine Frau und komme in den Genuss zu sehen, wie sich die Kleine jeden Tag weiterentwickelt. Und wenn ich doch mal einen Tag länger im Projekt bin, merke ich, welche Sprünge Annabell in der Entwicklung macht und was ich verpasst habe.“ An den Tagen, die er nicht Zuhause ist, telefoniert der Vater mit seiner Tochter, denn „obwohl Annabell noch ganz jung ist, weiß sie ganz genau, mit wem sie telefoniert. Dadurch, dass wir viel Zeit miteinander verbringen, haben wir eine enge Beziehung, und das merkt man dann in solchen Momenten.“

Für den finanziellen Ausgleich haben die beiden Hamburger unter dem Label my3dots die iPhone-App „mommy to be" herausgebracht. Die App bietet werdenden Mamas und Papas Informationen, Möglichkeiten zur Dokumentation der Schwangerschaft und ein Forum. „Die Einnahmen daraus kompensieren die Einkommenseinbuße durch die Teilzeit“, sagt Michael Schulz, „wodurch ich mich noch leichter auf meine Familie konzentrieren kann“. Ist Annabell mal krank, nimmt sich entweder Michael Schulz frei oder seine Frau. Hilfreich ist es dann, wenn alle mitspielen – auch die Kollegen. Gut also, dass auch deren Reaktionen durchweg positiv waren, denn sie sind es, die im Zweifelsfall Arbeit übernehmen müssen. „Bei allen überwog die Freude. Und ich bin mir sicher, dass viele meiner Kollegen, von denen die meisten noch keine Familie haben, meinem Beispiel folgen werden“, so der Berater. „Ich habe meinen Schritt nie bereut und meine Teilzeitregelung jetzt erst einmal um ein weiteres Jahr verlängert.“

Bildnachweis: privat