Florian Henle

Florian Henle wurde wenige Monate nach der Gründung von Polarstern Familienvater. Das hat ihn, aber auch das Unternehmen geprägt.

Polarstern wurde im Sommer 2011 gegründet, wenige Monate vor der Geburt deines ersten Sohnes. Hat das die Gründung von Polarstern beeinflusst?

Als meine Frau schwanger wurde, war ich gerade beruflich im Umbruch. Ich wollte etwas Neues machen. Etwas, dass über das Geldverdienen hinausgeht. Etwas mit Sinn. Als ich wusste, dass ich in den nächsten Monaten Vater werde, hat das auf jeden Fall meine Motivation gestärkt, mich beruflich für unsere Zukunft zu engagieren. Aus meiner beruflichen und familiären Historie heraus lag die Energiebranche nahe. Es war quasi irgendwie in die Wiege gelegt worden, dass ich mit meinen zwei Partnern ein sozial ausgerichtetes Unternehmen im Energiemarkt gründe. In der Ausgestaltung von Polarstern prägt mich das Verantwortungsgefühl als junger Vater bis heute.

Worin zeigt sich das?

Unser Wirtschaften ist am Gemeinwohl orientiert. In einer sogenannten Gemeinwohlbilanz haben wir erst kürzlich für alle transparent dargelegt, was das im Einzelnen heißt. Es ist übrigens die erste Gemeinwohlbilanz eines Energieversorgers. Im Kern wollen wir bei Polarstern mit Energie die Welt verändern. Diese Vision ist für uns leitend in allem was wir tun, also welche Produkte wir anbieten, aber auch was und wen wir unterstützen und wie wir arbeiten. So beliefern wir zum Beispiel Haushalte und Unternehmen ausschließlich mit 100 Prozent erneuerbarer Energie – bei Strom und bei Gas. Halbe Sachen machen wir nicht. Genauso unterstützen wir die weltweite Energiewende durch Projekte zum Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland und in Entwicklungsländern wie aktuell Kambodscha. Denn das Klima kennt keine Landesgrenzen – Klimaveränderungen betreffen uns und vor allem künftig unsere Kinder, egal wo sie leben werden.

Ein neues Unternehmen bedeutet doch wahrscheinlich mehr als ein 40-Stunden-Woche, oder?

Natürlich ist eine Unternehmensgründung kein Spaziergang, sondern neben dem Spaß, selbst etwas aufzubauen, auch harte Arbeit. Aber wenn man es gerne macht, dann ist das für einen weniger hart, als es die reine Stundenanzahl vielleicht vermuten lässt. Aber wir haben uns nie für das Unternehmen aufgeopfert – das muss man in meinen Augen auch nicht. Es ist sogar wichtig, von vornherein das Unternehmen so aufzubauen, wie man es künftig führen und leben möchte. Und da hat für mich und meine beiden Mitgründer die Work-Life-Balance eine wichtige Rolle gespielt.

Wie beurteilst du aktuell deine persönliche Work-Life-Balance?

Ich bin da eigentlich sehr zufrieden. Klar gibt es Wochen, die stressig sind und in denen ich mehr Zeit mit meiner Familie verbringen möchte als ich es kann, aber diese Wochen sind zum Glück selten. In der Regel bringe ich die Kinder morgens in Kindergarten und Krippe und bin zum Abendessen wieder daheim. Wenn es doch noch etwas zu tun gibt, dann mache ich das, wenn sie schlafen. Außerdem verbringe ich einen Nachmittag in der Woche mit den Kindern, während meine Frau arbeitet.

Würdest du anderen raten, als junge Eltern ein Unternehmen zu gründen?

Das ist schwer so pauschal zu sagen. Es hängt stark von einem persönlich und der Art des Unternehmens ab. Aber ich habe erlebt, dass einen Kinder nicht davon abhalten. Wenn, dann ist man es mit seinen Ängsten und Unsicherheiten selbst. Außerdem kann und sollte man sein Unternehmen immer so gestalten, wie es zur eigenen Situation und Lebensplanung passt. Dazu muss man am Anfang gezielt die Grundlagen schaffen, etwa Strukturen aufsetzen, die Home Office erlauben oder die das Geschäft nicht von einem alleine abhängig machen. Bei meiner Frau, die sich in der Elternzeit selbstständig gemacht hat, habe ich außerdem gesehen, dass die Elternzeit auch Möglichkeiten bietet, vorsichtig Neues zu wagen. Bei Teilzeit mit selbstständiger Nebentätigkeit muss man beispielsweise das Angestelltenverhältnis nicht direkt komplett aufgeben, sondern kann sich da ran tasten. Es gibt also verschiedene Wege in das eigene Unternehmen – auch als junge Eltern.

Welche Vorteile hat das Gründerdasein als junger Familienvater?

Man kann seinen Alltag leichter selbst organisieren. Eine gewisse zeitliche Flexibilität macht vieles einfacher. Wenn die Kinder krank sind, Krippe oder Kindergarten Schließtage haben und sonstige spontane Ereignissen vorkommen, kann man darauf reagieren, ohne sich lange mit Vorgesetzten abzustimmen und am Ende ein schlechtes Gewissen oder keinen Urlaubstag mehr zu haben.

Am wichtigsten ist in meinen Augen aber die eigene Zufriedenheit. Das ist jetzt nicht explizit auf das Gründerdasein bezogen, aber ich habe es bei Gründern häufiger erlebt als bei Angestellten, dass sie ihr Job ausfüllt und ihnen Spaß macht. In der Folge ist man dann selbst einfach ausgeglichener und zufriedener. Davon profitiert letztlich die ganze Familie. Und ist es doch mal richtig stressig oder nervig in der Arbeit, dann zeigen einem die Kleinen schnell, was wirklich zählt.

Und was sind die Schwierigkeiten?

Das ist ganz klar, die eigenen Grenzen zwischen dem beruflichen und privaten Leben einzuhalten. Gerade wenn man als Gründer mit seinem Unternehmen mitwächst, ist es manchmal schwer, loszulassen und abzuschalten. Dieser Gefahr muss man sich bewusst sein, um da nicht versehentlich reinzurutschen. Mir hilft es, dass meine zwei Partner ebenfalls junge Familienväter sind. Da bekommt man schnell den Spiegel vorgehalten, wenn man zum Beispiel länger im Büro sitzt.

Bei euch sind rund 30 Prozent der Mitarbeiter in Teilzeit tätig. Wieso?

Das haben wir nicht explizit so entschieden, vielmehr entspricht Teilzeit einfach dem Bedarf in vielen Bereichen, die nicht Kern des Geschäfts, aber trotzdem wichtig sind für die weitere Entwicklung. Über Teilzeit-Jobs kann man hier den Einstieg finden. Und in manchen Bereichen reicht es vermutlich auch künftig, Mitarbeiter in Teilzeit zu beschäftigen. Außerdem sind meiner Erfahrung nach gerade Eltern, die in Teilzeit arbeiten, sehr effektiv in ihrem Arbeiten. Sie genießen es, sich einzubringen und wissen, dass sie wenig Zeit haben. Diese wollen sie bestmöglich nutzen. Es ist also auch eine gute Chance für uns, sehr gute und motivierte junge Menschen zu beschäftigen. Und umgekehrt ist Teilzeit für sie eine gute Möglichkeit, Beruf und Familie zu verbinden.

Wie organisiert ihr das Tagesgeschäft? Gibt es so etwas wie Kernarbeitszeiten oder Tage, an denen alle möglichst anwesend sind?

Kernarbeitszeiten gibt es bei uns vor allem für unsere Teams, die im direkten Kundenkontakt stehen. Aber auch für andere ergeben sich aus ihrem Arbeitsumfeld heraus automatisch gewisse Kernarbeitszeiten. So erreichen auch unsere Mitarbeiter im Business Development oder im Geschäftskundenbereich ihre Kontakte nicht vor 7 Uhr morgens und selten nach 18 Uhr am Abend. Allerdings sind wir flexibel, was das Home Office unserer Mitarbeiter angeht. Es kommt am Ende darauf an, dass jeder seinen Job macht, aber wo er das tut, da sind wir ziemlich flexibel. Die meisten kommen einfach selbst gerne ins Büro, weil es einfacher ist, sich abzustimmen und miteinander Spaß bei der Arbeit zu haben. Daheim erzählt man sich doch eher weniger in Selbstgesprächen lustige Dinge oder lacht alleine in seinem Kämmerchen. Und dann setzen wir natürlich auch Anreize wie die berühmte Polarstern Penne am Mittwoch, die wir alle gemeinsam in unserer Küche genießen oder unsere Freeletics-Gruppe in der Mittagspause.

Sind Startups für junge Eltern, die Teilzeit arbeiten wollen, die besseren Arbeitgeber?

Auf jeden Fall sind sie meist offener für Teilzeitmodelle. Denn sie haben in vielen Bereichen (noch) nicht das Budget und auch oft nicht den Bedarf an Vollzeitkräften. Das Geschäft befindet sich ja erst im Aufbau. Und hier können gerade gut ausgebildete Menschen, ihr Wissen einbringen und etwas bewegen. Im Unterschied zu großen Konzernen hat man als Arbeitnehmer zudem meist ein viel größeres Gestaltungspotenzial und man sieht und erlebt sehr direkt, die Wirkung seines Tuns.

Seit eurer Gründung hast nicht nur du ein zweites Kind bekommen, sondern auch deine Partner sowie viele eurer Mitarbeiter. Welche Möglichkeit/en bietet ihr ihnen, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen?

Unsere Mitarbeiter nutzen die Möglichkeit, Elternzeit zu nehmen – Männer genauso wie Frauen. Außerdem gehen wir in der Ausgestaltung des Arbeitsverhältnisses auf die individuelle Situation ein. Das betrifft Home-Office-Regelungen genauso wie ganz individuelle Teilzeitlösungen.

Was wollt ihr künftig in Sachen Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch besser machen?

Wir sprechen immer wieder davon, später mal eine Kinderkrippe zu gründen, die „Polarsternchen“. Aber das macht bei unserer Größe einfach (noch) keinen Sinn. Nicht nur weil wir noch ein kleines Unternehmen sind, auch sonst halten wir nicht viel von großen Programmen. Die einzelnen Situationen unserer Mitarbeiter sind so verschieden, dass es besser ist, soweit möglich auf die individuellen Bedürfnisse unserer Team-Mitglieder einzugehen. Auch ohne eigene Kinderkrippe bekommt jedes neue Baby aus unserem Team ein Polarsternchen-Body geschenkt. Damit drücken wir explizit aus, dass wir uns alle wirklich über ihren Nachwuchs freuen. Und bei Feiern oder Aktionen wie dem Polarstern CleanUp sind immer viele Kinder aus dem Team mit von der Partie. Das hat etwas von einer großen Familie.


Über Polarstern: Das Unternehmen Polarstern ist ein Energieversorger, der im Sommer 2011 von Florian Henle, Jakob Assmann und Simon Stadler gegründet wurde und ausschließlich Ökostrom und Ökogas aus 100 Prozent erneuerbaren Energien anbietet. Der Energieversorger Polarstern gestaltet mit grünen Energieprodukten für Haushalte und Unternehmen in ganz Deutschland den Weg in die gemeinsame Energiezukunft. Dazu bietet Polarstern Wirklich Ökostrom und Wirklich Ökogas aus jeweils 100 Prozent erneuerbaren Energien sowie weltweit Lösungen zur dezentralen Energieversorgung. Mit Energie die Welt verändern, das treibt Polarstern und seine Gründer an und lässt sie seit Sommer 2011 immer wieder Impulse im Markt setzen; ob als erster Energieversorger mit Ökogas aus komplett organischen Reststoffen, mit ersten flexiblen Mieterstrommodellen oder einem konsequent nachhaltigen Wirtschaften. 2016 hat Polarstern als erster Energieversorger eine Gemeinwohlbilanz erstellt. Zertifiziert sind Ökostrom und Ökogas von Polarstern durch den TÜV Nord und das Grüner Strom Label; empfohlen u. a. von der Verbraucherplattform EcoTopTen des Öko-Instituts und der Umweltorganisation Robin Wood. Das Magazin Ökotest benotet Polarstern’s Ökostrom mit „sehr gut“. www.polarstern-energie.de/mieterstrom