Wie Sie Ihren Arbeitgeber davon überzeugen, dass Familienbewusstsein profital ist, verrät Christian Eineder.

„Ich könnte mehr Energie in meinen Job stecken, wenn mir mein Arbeitgeber zeitlich und örtlich mehr Freiheiten ließe,“ hört man vielen Arbeitnehmern immer wieder sagen. Gleichzeitig leiden zahlreiche Arbeitgeber mehr denn je unter einem teils existenziellen Fachkräftemangel. Eine familienbewusste Unternehmenskultur hilft beiden – Arbeitnehmern wie Arbeitgebern.

Arbeitnehmende sind um 23 Prozent motivierter

Nehmen Arbeitgeber auf die Unsicherheit und den Informationsbedarf rund um veränderte familiäre Situationen Rücksicht, so erhöht dies die emotionale Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen und deren Motivation. Sie profitieren überproportional, wenn Mitarbeiter dann arbeiten können, wenn sie Zeit haben.

Die Produktivität steigt um 15 Prozent

Flexible Arbeitsmöglichkeiten reduzieren deutlich die Fehlzeiten, die durch Krankheit von Kindern oder familienbedingten Stress entstehen. Darüber hinaus steigern Mitarbeiter und Führungskräfte, die in der Familienarbeit Erfahrungen sammeln, ihre Sozial-, Führungs- und Organisationskompetenz.

37 Prozent mehr Bewerbungen von High Potentials

Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass High-Potentials Werte wie Glaubwürdigkeit und Authentizität genauso wichtig sind wie familienfreundliche Arbeitszeiten und Diversität. Familienfreundliche Arbeitsmodelle bringen automatisch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Gleichberechtigung von Frauen und Männern voran. Zahlreiche Unternehmen engagieren sich mittlerweile im FKi, dem Frauen-Karriere-Index oder dem Unternehmernetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“ um sich öffentlich zur Familienfreundlichkeit zu bekennen. Sie haben bewiesen, dass Diversität in Führungsteams ein Katalysator für die Innovationskraft, das Veränderungstempo und die Unternehmenskultur sind. Für Eva Faenger, Diversity Manager beim mehrfachen FKi-Preisträger Hewlett-Packard Enterprise ist „Vielfalt und die explizite Förderung von Frauen […] gerade im Zusammenhang mit der Digitalisierung ein Treibstoff des wirtschaftlichen Erfolges.“

Familienbewusste Arbeitgeber sind zukunftsfähiger

Dramatisch unterscheiden sich die mittelfristigen Zukunftsaussichten für Unternehmen, wenn zusätzlich zum Fachkräftemangel die Herausforderungen der Digitalen Transformation zu bewältigen sind. Um durch sie neue Marktpotentiale erschließen zu können, bedarf es einer digital kompetenten Belegschaft, die schnell und flexibel auf Veränderungen reagieren kann. Mitarbeiter müssen sich neue Fähigkeiten aneignen um digitale Technologien anzuwenden, das Produktumfeld zu digitalisieren und neue Marktpotenziale zu erschließen. Es müssen auf allen Hierarchieebenen digitale Businesskompetenzen entwickelt werden. Diese sind gemäß dem DGFP-Praxispapier 2/2016 (DGFP: Deutsche Gesellschaft für Personalführung e.V.) vor allem Eigenverantwortlichkeit, Kommunikationsfähigkeit, Vernetzungskompetenz und Agilität.

Die Erfahrung zeigt, dass gemischte, heterogene Teams sehr viel innovativer und schneller arbeiten. Insbesondere in der Führungsmannschaft ist Diversität ein Katalysator für Innovationskraft und Schnelligkeit in Bezug auf die digitale Transformation.

Geht doch! Auch mit wenig Budget

Auch kleine und mittlere Unternehmen können familienbewusste Arbeitszeiten und den Wiedereinstieg von Eltern z.B. durch rechtzeitige Planung und aktive Gestaltung der elternzeitbedingten Auszeiten und Coaching umsetzen. Homeoffice-Möglichkeiten, Teilzeit oder Jobsharing sowie begleitende Maßnahmen wie z.B. innovative agile Arbeitsmethoden für Familien reduzieren die übermäßige Belastung von berufstätigen Eltern.

Viele Mittelständler sind in Sorge, dass ihre aktuelle Unternehmenskultur zu weit entfernt ist von den neuen Anforderungen. Niederschwellig und ganz nebenbei wirkt ein innovatives Arbeitgeberkonzept der easyfaM GmbH & Co. KG. Es hilft Mitarbeitern, sich und ihre Familie mithilfe agiler Kanban-Boards zu strukturieren. In Online-Videotrainings erlernen Mitarbeiter familientaugliche Businessmethoden, die sie auch für die Entwicklung ihrer beruflichen Kompetenzen benötigen. So verankern Unternehmen die wichtigen Basiskompetenzen quer über alle Hierarchieebenen.

Ändert der Arbeitgeber nichts, so spürt er den Nachteil zunächst nicht – außer in einem schleichend wachsenden, existenziellen Fachkräftemangel und einem möglichen Scheitern durch Disruption. Familienfreundliche Unternehmen hingegen werden sich profitabler denn je entwickeln.

Bildnachweis: Netzwerkbüro Erfolgsfaktor Familie, easyfaM GmbH & Co. KG

Vita
Mit agilen Management- und Organisationsmethoden aus der Businesswelt organisieren Heidi und Christian Einender spielerisch Familien. Sie entlasten berufstätige Eltern im Alltag – mit mehr Klarheit, Struktur und Teamarbeit. Sie setzen sich ein für mehr reine Familienzeit. Mit ihren Tools und Videos geben sei Eltern praktische Unterstützung.