Verena Schulemann ist Journalistin und seit 2009 Mama eines Sohnes. Sie wohnt in Berlin-Mitte, einem kinderfreundlichen Bezirk, in dem allein erziehende und getrennt lebende Eltern inzwischen „gefühlt“ zur Normalität gehören.

Das kommt vor allem den Kindern zu Gute, die sich nicht mehr ausgegrenzt oder gar bemitleidet fühlen müssen. Sie fordert dazu auf, mehr Mut zur Familienvielfalt zu zeigen und diese auch rechtlich zu manifestieren. Denn auch wenn in Berlin-Mitte die Denke der Gesellschaft wahrscheinlich eine progressive ist, sieht Verena Schulemann eine Reihe von gesellschaftlichen, politischen und rechtlichen Benachteiligungen für getrennt lebende Eltern, aber für allem für Mütter, über die sie regelmäßig auf ihrem Blog „Mama Berlin“ (www.mamaberlin.org) berichtet.

Um Sie und Ihren Blog vorzustellen, werfen wir jetzt drei Begriffe in den Ring und Sie sollten spontan antworten, was Ihnen dazu einfällt:

Familie: Dreh- und Angelpunkt ist dabei die unterschiedliche Wertung von Familienmodellen. Obwohl im Grundgesetz, Artikel 6 geregelt ist, dass zwischen ehelichen und unehelichen Kindern keine rechtliche Unterscheidung zu machen sei, wird das nicht gelebt. Bevorzugt – und zwar politisch, rechtlich und finanziell wird das patriachisch-strukturierte verheiratete Vater-Mutter-Kind-Modell, in dem der Vater der Hautversorger und die Mutter für die unbezahlte Pflege des Haushaltes und die Erziehung der Kinder zuständig ist, bzw. eine Nebentätigkeit ausübt. Während alle anderen Familienmodelle (unverheiratete Familien, homosexuelle Familien, getrennt und Single-Eltern, Patchwork-Modelle) staatlich benachteiligt werden. Darunter fallen u.a. das Ehegattensplitting oder die Steuerklasse II für Alleinerziehende. Um es deutlich zu machen: Ein verheiratetes Paar mit Kanarienvogel wird vom Staat begünstig, eine alleinerziehende Mutter mit drei Kindern nicht. Das findet Verena Schulemann in Anbetracht hohen Scheidungsraten und rund 2 Mio. Alleinerziehender (90 Prozent davon Mütter) weder zeitgemäß, noch gerecht.

Beruf: Angesichts der mangelnder Rahmenbedingungen und der 2008 ad hoc abgeschafften Unterhaltspflicht der Väter, die es allein erziehenden Mütter selten möglich macht, für ihre Familie finanziell ausreichend zu sorgen, vor allem wenn die Kinder klein sind, sind derzeit immer mehr getrennt lebende Mütter von Armut (zzt. Sind 47 Prozent Hartz-IV-Empfängerinnnen) und Altersarmut (67 Prozent) betroffen und bedroht. Damit sich hier schnell etwas ändert, gründet sie derzeit gemeinsam mit anderen Alleinerziehenden deutschlandweit, u.a. Meike Büttner von www.mutterseelenalleinerziehend.de, einen Verein zur rechtlichen Gleichstellung von Familienmodellen.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Es könnte alles so einfach sein: Mann/Frau hat eine Ausbildung, Mann/Frau hat einen Job, Mann/Frau bekommt ein Kind, Mann/Frau setzt eine zeitlang aus, dann fängt Mann/Frau wieder zu arbeiten, erst ein bisschen, dann immer mehr, Mann/Frau teilen sich die Aufgaben von Haushalt und des Geldverdienens und die Freude am Kind/Kindern. Und zwischendurch nimmt Mann/Frau sich immer wieder Zeit für einander, und lässt das Kind Kind sein und sich auch mal von anderen helfen. Ganz egal, ob sie nun zusammenleben oder mit anderen Partner oder Single sind. Und der Staat hilft auch – da wo es Sinn macht. Mann/Frau sind für ihre Altersvorsorge selbst verantwortlich, verdienen jeder das Geld was Mann/Frau so brauchen und haben getrennte Konten oder eins gemeinsam, oder drei (noch eins fürs Kind) und alle sind zufrieden. Es könnte alles so einfach sei. Ist es aber nicht. Nur: Warum eigentlich?

Welche Blogs lesen Sie gerne?

www.mutterseelenalleinerziehend.de
www.starkundalleinerziehende.de
www.dreimaedelhaus.wordpress.com
www.mama-arbeitet.de
www.hauptstadtmutti.de
www.niesolo.de