Sprachreisen für die Familie

Sprachen sind wichtig. Im Beruf wie in der Schule. Wie schön wäre es, wenn die ganze Familie auf Sprachreise gehen könnte! Wir verraten, wo es das gibt.

Eltern zu sein gleicht heute einem Vollzeitjob mit stets gut gefülltem Terminkalender: Musikalische Früherziehung, Kinderturnen, Arzttermin, Bastelnachmittag, Spielverabredung, Kindergeburtstag, Fahrrad reparieren, Klamotten kaufen, Kuchen backen. Ein Job neben dem Job, denn laut Statistischem Bundesamt waren 2014 rund 58 Prozent der Mütter und 84 Prozent der Väter mit Kindern unter 15 Jahren erwerbstätig. Zum Spagat zwischen Kind und Karriere gesellen sich weitere Stressoren: Ein Immobilienkauf fordert das regelmäßige Bedienen von Krediten, pflegebedürftige Eltern benötigen Zuwendung und der Arbeitsmarkt erfordert ein hohes Maß an räumlicher wie zeitlicher Flexibilität. Forscher haben für diese Lebensphase den Begriff „Rushhour des Lebens“ geprägt. Und über dieser geballten Ladung Leben zwischen Überforderung, Druck, Stress und Hektik schwebt die Frage: Wo bleibe ich?

Wie schön wäre da ein Angebot, das Zeit mit der Familie, berufliches Fortkommen, persönliche Entwicklung und Zeit für den Partner unter einen Hut bringt! Sowas gibt es nicht? Doch, gibt es: Familiensprachreise heißt das Allroundtalent.

Das Konzept von Familiensprachreisen ist simpel: Eltern und Kinder lernen die Landessprache gemeinsam an einer Sprachschule. Youngsters und Oldies werden getrennt voneinander unterrichtet. „Bei den Familiensprachreisen wird besonders darauf geachtet, dass jeder Teilnehmer entsprechend seinem Alter und seinen Vorkenntnissen den geeigneten Sprachkurs belegt“, sagt Julia Richter, Geschäftsführerin des Fachverbands Deutscher Sprachreise-Veranstalter e.V. (FDSV). Einige Sprachreiseveranstalter bieten für jüngere Kinder sogar eine Betreuung im Kindergarten an. Die Gestaltung der Freizeit steht den Familien offen: Sie können gemeinsam das Ausflugsangebot der Sprachschule nutzen, auf eigene Faust etwas unternehmen oder die Kids können an den Aktivitäten für die Kinder teilnehmen, während Mama und Papa ausspannen. Beliebte Familienziele sind Brighton, Bournemouth, Torbay, Malta oder Antibes. Bedingt durch das deutsche Schulsystem ist Englisch die meist gewählte Sprache, gefolgt von Französisch.

Mit Mama und Papa zu Harry Potter, Hanni und Nanni

Vier, die diesen besonderen Urlaub ausprobiert haben, sind Anja, ihr Mann Chris, mit den beiden Kindern Malaika und Maxim, die zum Zeitpunkt der Sprachreise ins englische Teignmouth zehn und zwölf Jahre alt waren. Anja arbeitet als Redakteurin und PR-Beraterin, Chris ist leitender Angestellter. Beide benötigen Englisch im Arbeitsalltag regelmäßig und beherrschen die Sprache bereits sehr gut. „Trotzdem war es hilfreich, wieder mehr auf die Feinheiten zu achten, Texte zu lesen und zu interpretieren und den Wortschatz weiter auszubauen“, sagt Anja. „Wir stellten dabei fest, dass sich doch immer wieder typische Fehler einschleichen, die man durch einen solchen Kurs verbessern kann. Das nützt uns heute natürlich auch im Job.“ Und auch die Kinder waren nach anfänglicher Skepsis (Pauken in den Ferien?) vom Internats-Flair á la „Hanni und Nanni“ und „Harry Potter“ begeistert. Sie lernten zusammen mit Kindern, die allein auf Sprachreise waren, erlebten den Unterricht als abwechslungsreich und kurzweilig. Das Programm an den Nachmittagen und Wochenenden war für Kinder, die mit ihren Familien in der südenglischen Kleinstadt waren, freiwillig. „Gemeinsam mit unseren Kindern gingen wir nachmittags auf Tour und erkundeten die Umgebung“, berichtet Reisebloggerin Anja. „Manchmal nahmen die beiden auch am Nachmittagsprogramm der Schule teil. Dann hatten mein Mann und ich Zeit zu zweit.“

Die beste Sprachreise für die Familie finden

Mit einer Sprachreise können Eltern ihren Kindern schon früh die erste Auslandserfahrung und einen natürlichen Umgang mit der Sprache ermöglichen. Dabei spielt die Qualität der Sprachreise eine entscheidende Rolle. Im Nachhinein kann sich ein vermeintliches Schnäppchen als große Pleite erweisen. Wie also findet man im Dschungel der zahlreichen Anbieter die beste Familiensprachreise? Zunächst einmal ist eine Sprachreise eine Pauschalreise und unterliegt damit dem deutschen Reiserecht. „Das gilt jedoch nur, wenn der Kunde bei einem deutschen Sprachreiseveranstalter bucht“, betont Julia Richter. „Auf unserer Website können Sie gezielt nach Veranstaltern von Familiensprachreisen suchen.“ Eine weitere Anlaufstelle im Netz sind Bewertungs- und Vergleichsportale wie Sprachreisen-Bewertung.de und SprachreisenVergleich.de. Hier können Familien Angebote sichten und in Erfahrungsberichten von anderen Reisenden stöbern. Zusätzlich zu den rechtlichen Voraussetzungen empfiehlt die Sprachreise-Expertin auf eine detaillierte Programmbeschreibung zu achten: Neben den Kontaktdaten des Veranstalters sollten auch Angaben zu den Zahlungsmodalitäten, zu Unterkunft, Verpflegung, Freizeitprogramm, An- und Abreise vorhanden sein. Auch die Gruppengröße ist ein wichtiger Faktor für den Erfolg eine Sprachreise. Je kleiner desto besser.

Familiensprachreise: Ein Allheilmittel?

So attraktiv eine Familiensprachreise auch sein kann, ein Allheilmittel ist sie natürlich nicht. „Ein Erholungsurlaub ist eine Sprachreise nicht gerade“, räumt Anja ein. „Man muss, wie daheim, früh aufstehen und feste Unterrichtszeiten einhalten. Unsere Kinder hatten ein etwas anderes Erlebnis, als die Kinder, die allein vor Ort waren und gemeinsam im Schulinternat übernachtet haben. Ihnen fiel es dadurch etwas schwerer, sich in die Gruppen zu integrieren.“ Dennoch zieht die Familie eine positive Bilanz: Ihnen hat vor allem die Kombination aus Lernen und gemeinsamen Unternehmungen gefallen. Sie haben alle ihre Englischkenntnisse verbessert und neue Leute kennengelernt. Die Lehrer haben die Vier mit Tipps zum Erkunden der Region versorgt. „So konnten wir viel besser in das Land eintauchen“, schwärmt die Reisebloggerin. „Wir haben viel über England und seine Bewohner erfahren und Orte kennengelernt, auf die wir ohne das Wissen der Einheimischen nie gekommen wären.“

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