Gerold Wolfarth

Der Unternehmer Gerold Wolfarth arbeitet vier Tage die Woche. Hier erzählt er, wie er seinen Papatag organisiert und warum er keine Minute davon missen möchte

Ich wollte nie ein Wochenendvater sein. Als meine Frau und ich unser erstes Kind erwarteten, war es klar, dass wir uns beide um die Erziehung kümmern würden. 15 Jahre ist das nun her, inzwischen haben wir zwei Kinder und ich nehme mir konsequent jeden Montag meinen Papatag, um bei meiner Familie zu sein. In all den Jahren habe ich Tausende von Windeln gewechselt, geputzt, wenn die Kleinen sich übergeben haben, bin mit ihnen zum Arzt gegangen, wenn es ihnen nicht gut ging, oder auf Abenteuerspielplätze, um zu toben, habe mit ihnen Ausflüge gemacht, Tränen getrocknet, Sorgen geteilt, sie zu Bett gebracht und viel Zeit mit ihnen verbracht. Und ich möchte keine Minute missen. Auch heute noch tut der Papatag uns allen gut.

Meine Frau und ich haben neben der Familie unsere Karrieren weiterverfolgt. Ich bin CEO der bk Group, eines mittelständischen Unternehmens für Objektlösungen und Services. Meine Frau ist Steuerberaterin und Partnerin der Kanzlei. Ebenso wie ich arbeitet sie vier Tage in der Woche. Für die restlichen Tage haben wir eine Haushälterin. Am Wochenende sind wir beide ganz für unsere Kinder da.

Am Anfang wurde ich von anderen Männern für meinen Papatag belächelt. Das hat mir nichts ausgemacht, ich empfinde es als selbstverständlich, dass ich für meine Kinder da bin. Inzwischen sind die Reaktionen überwiegend positiv. Einige Väter in meinem Unternehmen arbeiten ebenfalls in Teilzeit. Generell tun sich Führungskräfte aber eher schwer damit. Dabei müsste es gar nicht so sein. Es lässt sich alles organisieren. Vormittags, wenn meine Kinder in der Schule sind, kann ich im Homeoffice noch Wichtiges erledigen. Meine Kunden wissen Bescheid und wundern sich nicht, wenn ich montags nicht ans Telefon gehe. Ich finde es schade, dass viele Männer ihre verantwortungsvollen Jobs vorschieben, um sich vor der Familienarbeit zu drücken. In Wahrheit verpassen sie nämlich das Beste! Ich bin glücklich, dass ich es schaffe, mir den Freiraum für meine Kinder zu nehmen.

Ich kenne so viele Menschen, Mütter und Väter, die bis in die Puppen im Büro bleiben. Wenn sie dann endlich nach Hause kommen, sind die Kinder häufig schon im Bett. Die Eltern sagen ihnen noch gute Nacht, aber manchmal sind sie selbst dafür zu spät dran. Dabei ist das eine unwiederbringliche Zeit! Die eigenen Kinder sieht man nur einmal im Leben aufwachsen, und das sollte man genießen. Ich habe jedenfalls noch nie gehört, dass jemand auf dem Sterbebett gesagt hätte: „Was ich total bereue, ist, dass ich im Leben zu wenig gearbeitet habe.“ Häufig heißt es dagegen: „Ich hätte gern mehr Zeit mit meiner Familie verbracht.“ Aber dafür ist es dann zu spät.

Kinder beginnen früher, als Eltern das wahrhaben wollen, ihren eigenen Weg zu gehen. Das ist auch richtig so. Mir ist es aber wichtig, den Kontakt zu ihnen nicht zu verlieren. Meine Kinder sollen wissen, dass sie bei Problemen und Fragen jederzeit zu uns kommen können. So können sie ihr eigenes Leben beginnen, aber die Brücke nach Hause wird immer da sein.

Über den Autor:

Gewinn ist nur ein NebenproduktGerold Wolfarth, geboren 1970, absolvierte eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann und stürzte sich danach mit wachem Auge ins Arbeitsleben. 1999 gründete er seine Unternehmensgruppe als „One-Man-Show“ im zukünftigen Kinderzimmer seines Privatwohnhauses. Seine Geschäftsidee – 365° Objektlösungen & Services – gibt es bis heute kein zweites Mal im Markt. Mit der bk Group lenkt Wolfarth inzwischen ein europaweit agierendes Erfolgsunternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern im fränkischen Endsee – und steht für eine Unternehmensphilosophie, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Sein Buch „Gewinn ist nur ein Nebenprodukt – Wie Sie unternehmerischen Erfolg und ein erfülltes Leben in Einklang bringen“ erscheint am 4. Juni 2019 (Piper, München, € 20).

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