Birgit Guth

Wie viel digitale Medien sind gut für unsere Kinder und welche Vorbildfunktion haben wir als Eltern. Darüber haben wir uns mit der Expertin Brigit Guth unterhalten.

Sollte Medienkompetenz in der Kindererziehung eine Rolle spielen?

In einer von Medien geprägten Welt wachsen Kinder heutzutage wie selbstverständlich mit digitalen Medien auf – die Nutzung von Smartphone, Tablet und Co. geschieht schon fast intuitiv, trotzdem sollten alle Kinder eine Bedienkompetenz erwerben. Hierbei geht es vor allem um das Thema sichere Mediennutzung, aber auch darum, die vielfältigen Möglichkeiten, die Medien bieten, zu vermitteln. Kinder können mithilfe digitaler Medien nicht nur spielen und sich unterhalten, sondern auch lernen und kreativ sein. Trotzdem können Apps oder andere digitale Medien niemals die Eltern-Kind-Beziehung ersetzen – die Lesestunde mit Mama oder Papa sollte immer ihren Platz im Alltag haben.

Welche Tipps kann man Eltern geben, um kindgerechte digitale Angebote zu finden? Welche Regeln kann man aufstellen?

Eltern sollten sich die Zeit nehmen und bewusst Inhalte aussuchen, Produkte prüfen, klare Nutzungszwecke und -situationen schaffen. Bei digitalen Angeboten ist es wichtig, genau hinzuschauen, ob der jeweilige Anbieter das Produkt auch speziell an Kinder adressiert und ob er sich an Jugendschutzaspekte hält. Diesbezüglich ist es ein guter Tipp, eher auf die Angebote deutscher Fernsehsender oder Verlage zurückzugreifen, anstelle von ausländischen Diensten. KIKA oder 
SUPER RTL stellen auch an ihre digitalen Ableger hohe Ansprüche in Sachen sichere Nutzung. Produkte wie die Toggolino App bieten Funktionen an, die bereits eine gute Orientierung geben, welche Regeln man bei der Nutzung von Apps für Kinder beachten und aufstellen kann. Dazu gehören kindgerechte Inhalte durch Black- und Whitelists, Nutzungszeiträume und -dauer, Altersfilter, usw. Gleichzeitig kann man Medien auch entzaubern und Kindern klarmachen, dass Medien nicht alles leisten können und menschliche Beziehungen und Kommunikation nicht ersetzen.

Wann sind Kinder alt genug, um Apps zu nutzen?

Im Prinzip können schon Kleinkinder Apps bedienen. Die Navigation ist oft sehr einfach, so dass kleine Kinder sich die Bedienung sehr schnell merken, wenn sie ihnen jemand erklärt hat. Und sie haben wenig Scheu, einfach etwas auszuprobieren und alle Inhalte zu erkunden, indem sie einfach drauf los tippen. Darin steckt aber zugleich auch eine Gefahr. Sofern man Kinder ruhigen Gewissens auch mal allein Apps nutzen lassen möchte, sollte man die Geräte und Apps so absichern, dass Kinder per technischer Schranke nur bestimmte Inhalte sehen und bedienen können. Informationen zur Absicherung gibt es unter: https://www.klicksafe.de/eltern/technischer-schutz/

Welche Vorbildfunktion haben Eltern bei der Nutzung digitaler Medien/Smartphones?

Der verantwortungsvolle und eigenständige Umgang mit digitalen Medien kann und sollte bereits im Elternhaus aufgegriffen werden. Eltern haben in dieser Hinsicht definitiv eine Vorbildfunktion. Um Smartphone und Tablet den Anstrich von Normalität und Nüchternheit zu verleihen, müssen die Geräte auch in der Familie weniger präsent sein bzw. nur dann genutzt werden, wenn sie einen echten Nutzen und Mehrwert bieten. In dieser Hinsicht befinden wir Erwachsenen uns auch noch mitten im Lernprozess.

Über Brigit Guth

 Birgit Guth ist seit 1995 Leiterin der Abteilung Insights & Analytics bei SUPER RTL. In ihrer Verantwortung liegen die Konzeption und Durchführung zahlreicher Studien zum Kinderfreizeit-Verhalten sowie zur Fernseh- und Mediennutzung von Kindern. Außerdem verantwortet sie zahlreiche Fachtagungen zum Thema »Kinder und Medien« und referiert bei Fortbildungen oder als Lehrbeauftragte. Von 2001 bis 2008 war sie zusätzlich als Jugendschutzbeauftragte bei SUPER RTL tätig und leitete das Qualitätsmanagement des Senders. Birgit Guth hat Kommunikationswissenschaften, Germanistik und Marketing in Essen studiert. Sie engagiert sich in verschiedenen medienpädagogischen Projekten, wie fragFINN, Media Smart und dem Erfurter Netcode. Außerdem ist sie Mitglied im Kuratorium der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen.