„Das Thema Familienbewusstsein ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Es ist nicht mehr ein reines Frauenthema, sondern mehr und mehr auch ein Thema der Männer.“, weiß Volker Baisch,

Gründer und Geschäftsführer des Väternetzwerks conpadres. Männer wollen nicht mehr auf eine Ernährerrolle reduziert werden. Sie wollen sich aktiv an der Familienarbeit beteiligen. Sie wollen mehr Zeit für ihre Kinder und das schon seit vielen Jahren. 

Seit der Gründung des Väternetzwerkes, vor über 10 Jahren, haben Baisch und sein Team diesen konstanten Wandel und den Ruck, der während der Corona-Pandemie durch die Gesellschaft ging, deutlich gespürt. 2021 haben sie daher das Forschungsinstitut Forsa mit einer Trendstudie zur „Zukunft Vereinbarkeit“ beauftragt. Befragt wurden über 1.000 nach einem systematischen Zufallsverfahren ausgewählte Männer und Frauen zwischen 29 und 40 Jahren in Deutschland. Grundvoraussetzung: Sie haben noch keine Kinder, können sich aber vorstellen, Eltern zu werden. Außerdem mussten sie seit mindestens zwei Jahren im Berufsleben stehen. Die deutlichen Ergebnisse verwunderten selbst die Profis.

Väter wollen familienbewusste Arbeitgeber 

59 Prozent der befragten zukünftigen Väter gaben an, den Arbeitgebenden (eher) zu wechseln, wenn dieser keine Maßnahmen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf anbietet. Laut einer Studie von A.T. Kearney hätten 2016 lediglich 21 Prozent der Männer aufgrund fehlender familienbewusster Angebote ihren Arbeitgebenden gewechselt. Die Zahl der wechselwilligen Männer hat sich somit verdoppelt. 

Väter wollen die 4-Tage-Woche

Ein weiteres Ergebnis der Trendstudie zeigt, dass zukünftige Väter sich die Kindererziehung gleichberechtigt mit ihren Partner:innen teilen wollen. Für 38 Prozent der befragten Männer ist eine wöchentliche Arbeitszeit zwischen 32 und 40 Stunden ideal für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist. 30 Prozent der Männer halten 24 bis 32 Stunden für sinnvoll. „Wir sehen deutlich, dass die künftigen Väter nicht nur flexibler, sondern auch weniger Stunden arbeiten wollen.” erklärt Baisch „Das ‘New Normal’ wird die 4-Tage-Woche, um Familie und Beruf im Gleichgewicht zu halten” schätzt der Unternehmensberater die Ergebnisse ein. Die Erkenntnisse aus der Studie setzten damit nicht nur in der Wirtschaft ein deutliches Zeichen, so Baisch, sondern seien auch richtungsweisend für die zukünftige Regierung.

Väter wollen in Elternzeit gehen

Seit Einführung der Partnermonate im Jahr 2007 ist der Prozentsatz der Väter in Elternzeit stetig gestiegen. Laut Statischem Bundesamt von 5 Prozent im Jahr 2006 auf 25 Prozent in 2020. Nach wie vor nehmen Väter aber in aller Regel nicht mehr als die üblichen zwei Partnermonate in Anspruch. Das Ergebnis der Trendstudie „Zukunft Vereinbarkeit“ zeigt, dass 94 Prozent der befragten zukünftigen Väter planen, in Elternzeit zu gehen. Darüber hinaus will sich die große Mehrheit (48 Prozent) der Väter die Elternzeit sogar gleichmäßig mit ihren Partner:innen aufteilen. Ein Ergebnis, das selbst den erfahrenen Väterspezialisten Baisch überrascht hat. „Wir beobachten schon seit Jahren, dass sich immer mehr Väter eine längere Elternzeit wünschen. Dass jetzt aber fast 100 Prozent der Väter Elternzeit nehmen wollen und die große Mehrheit sogar mehr als die klassischen zwei Partnerschaftsmonate, hat selbst uns überrascht.“  

Väter wollen maximale Flexibilität

78 Prozent der Männer mit Kinderwunsch möchten zukünftig die Möglichkeit, sich ihre Arbeitszeit flexibel einteilen zu dürfen, um so mehr Zeit für ihre Familie zu haben. Dicht gefolgt von dem Wunsch nach remote Arbeiten. 70 Prozent der männlichen Befragten gaben an, dass sie gerne die Möglichkeit hätten, (auch) im Homeoffice zu arbeiten.

 

Väter wollen Unterstützung bei der Kinderbetreuung

Noch haben viele Väter den Eindruck, dass sich familienbewusste Angebot nur an Frauen richten. Aber auch sie wollen die Maßnahmen in Anspruch nehmen. So legen 46 Prozent der zukünftigen Väter Wert auf eine Betreuung in der Nähe des Arbeitgebenden. Ein Ergebnis, das sich mit dem nach einer Betriebskita deckt. 43 Prozent der Männer wünschen sich eine unternehmenseigene Kinderbetreuung. Daran, dass bereits 50 Prozent der zukünftigen Väter über die reguläre Betreuung hinaus eine Kindernotfallbetreuung fordern, kann man erkennen, wie sehr sie sich bereits mit ihrer Rolle als verantwortungsbewusster Vater identifizieren.

 

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