Väter werden selten oder nie gefragt: "Wo sind Ihre Kinder jetzt?" oder "Wie stellen Sie sich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie vor?" Wir schon!

Marco Krahl: Vereinbarkeit ist immer im Wandel.

Marco Krahl Foto 4 Fotograf Philipp Gtz KopieStellvertretender Chefredakteur Men's Health und Redaktionsleiter Men's Health DAD bei Motor Presse Hearst. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Marco, wie vereinbarst Du Beruf und Familie?

Wie ich als Mann Job und Familie vereinbare? Nun, da muss ich erstmal meine Frau fragen! Was hier als kleiner Witz gemeint ist, besitzt natürlich auch ein Körnchen Wahrheit, denn die vieldiskutierte Vereinbarkeit umfasst nicht nur Karriere und Kinder, sondern auch die eigene Partnerschaft und setzt regelmäßige Gespräche mit der Partnerin hinsichtlich der Lebensplanung voraus sowie ein bisschen Experimentierfreude. Ich habe deshalb in den letzten 16 Jahren als Vater viel an meinen Arbeitszeiten gedreht: Als mein Sohn 2006 auf die Welt kam, habe ich das erste Jahr nur vier Tage die Woche gearbeitet. Als meine Tochter 2008 geboren wurde, bin ich sechs Monate in Elternzeit gegangen. Danach habe ich meine täglichen Arbeitszeiten nach vorne verlegt (früher war ich wie alle anderen Kollegen um 9:30 Uhr in der Redaktion, heute starte ich schon um 8 Uhr und kann dementsprechend früher gehen). Und seit ein paar Jahren arbeite ich jetzt nur noch 90 Prozent, so dass ich meistens zu Hause sein kann, wenn die Kinder aus der Schule kommen (meine Frau stößt dann nach Ladenschluss um 18:30 dazu). Aber ich bin mir sicher, dass das nicht ewig so weitergehen wird – Vereinbarkeit ist immer im Wandel. Frag meine Frau!

 Bildnachweis: Philipp Gätz

 

Christian Eineder: Von Anfang an war es selbstverständlich, dass wir uns unterstützen lassen. 

Christian Portrait 001bearb QuadratGründer und Managing Partner der easyfam GmbH & Co.KG. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder im Teenageralter. 

Christian, wo sind Deine Kinder, während Du arbeitest?

In der Schule, danach zuhause, während ich im Homeoffice bin. Meine Frau, die Kinder und ich wechseln uns beim Kochen ab, je nachdem wer die Zeit aufbringen kann und zuhause ist. Wenn immer möglich essen wir gemeinsam, mindestens einmal täglich, meist zwei Mal. So bleiben wir im vertrauten Austausch.

Wie bekommst Du Beruf und Familie vereinbart?

Partnerschaftlich. Mal übernehme ich mehr zuhause, mal meine Frau. Je nachdem, bei wem es gerade beruflich intensiver ist. Von Anfang an war es selbstverständlich, dass wir uns unterstützen lassen. Hatten immer eine Putzhilfe für den Haushalt. Für die Kinder hatten wir elf Jahre lang Au-Pairs und auch sonst "outsourcen" wir wo es möglich ist, damit wir neben der Karriere vor allem Zeit für die Kinder, die Partnerschaft und uns selbst Zeit haben. Nur so konnten wir beide, meine Frau und ich, außergewöhnliche Karrieren machen. Das Wertvollste an dieser Partnerschaftlichkeit? Unsere Beziehung wird immer noch besser und sie war am Anfang schon gut. Weil wir aufeinander achten, damit sich jeder gut entwickeln kann. Diese Wertschätzung trägt uns wundervoll und gibt uns eine Grundgelassenheit im Leben.

 

Jörg Stephan:  Family First!

Jorg StephanSelbstständiger Vätercoach. 

Jörg, wo sind Deine Kinder im Augenblick? 

Die große Tochter ist gerade in der Schule und die jüngere spielt gerade mit einem Freund bei uns im Garten und lernt einen Backflip zu machen, was ich mit großer Begeisterung beobachte.

Wie vereinbarst Du Beruf und Familie?

Bei uns ist meine Frau mittlerweile die Hauptverdienerin. Ich bin neben meiner Selbstständigkeit als Väter-Coach vor allem zuhause für die Kinder da. Koche, spiele, beschäftige und befähige unsere Töchter. Um Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren, musste ich aber erst erkennen, wo es hinführt, wenn das eigene Leben zu einseitig – vor allem auf beruflichen Erfolg – fokussiert ist. Ich durfte herausfinden, was meine wahren Bedürfnisse und Werte sind und habe erkannt, dass meine wahre Erfüllung im Leben so nahe war: meine Familie. Seitdem gilt: „Family first“. Mit dieser Erkenntnis habe ich dann auch meine Passion als Leuchtturm-Papa-Coach und Influencer entdeckt.

Da unsere Töchter immer selbstständiger werden, habe ich jetzt Zeit mein Leuchtturm-Papas-Coaching-Business weiter auszubauen und immer mehr Väter zu befähigen, ihr Vatersein aktiver und selbstbestimmter zu leben. Mit dem Ziel eine Väter-Bewegung ins Rollen zu bringen und so einen Beitrag für eine gleichberechtigtere Welt zu leisten. Aber weiterhin unter der Prämisse: Family first!

 

Richard Wenner: Bei uns macht jedes Elternteil alles im Haushalt.

RichardWenner onlineMarketing Manager & Content Creator @papammunity.de & @greenlife.blog | Co-Founder of @papablogs.de

Richard, wie vereinbarst Du Job und Familie?

Unser Sohn ist noch im Kindergarten. Sowohl meine Frau als auch ich sind voll erwerbstätig. Ich arbeite aber ausschließlich im Homeoffice und bin zeitlich flexibel. Daher verbringe ich den Morgen mit unserem Sohn und bringe ihn auch in den Kindergarten. Meine Frau ist zu diesem Zeitpunkt bereits bei der Arbeit und holt ihn dann mittags wieder ab. Meine zeitliche Flexibilität erlaubt es uns aber auch, sehr spontan vom eigentlichen Plan abweichen. Außerdem habe ich nachmittags viel gemeinsame Zeit mit der Familie habe und arbeite dann gegebenenfalls abends, wenn unser Sohn im Bett ist, weiter. 

Selbstverständlich ist auch bei uns das Thema #carearbeit ein zentrales Thema. Bei uns macht jedes Elternteil alles im Haushalt, was uns die maximale Flexibilität in den täglich anstehenden Aufgaben gibt. Natürlich profitieren wir davon, dass ich mich, dadurch, dass ich im Homeoffice arbeite, weitaus mehr einbringen kann. Nur in der Küche gibt es eine klare Aufteilung. Meine Kochkünste sind leider limitiert. Also kocht meine Frau und  so und ich versetze die Küche dann wieder in den Ursprungszustand.

 

Prof. Dr. Axel Koch: Ich versuche den Balanceakt zu meistern, indem ich oft "Trauerarbeit" Mit mir selbst mache.

Axel KochDekan der Fakultät Wirtschaftspsychologie und Professor für Training & Coaching an der Hochschule für angewandtes Management in Ismaning

Axel, wie vereinbarst Du Job und Familie?

Es ist ein Spagat. Ich versuche diesen Balance-Akt zu meistern, indem ich oft „Trauerarbeit“ mit mir selbst mache. Ich kann mich für vieles begeistern und habe viele Ideen, was ich machen könnte. Ich sage mir dann: „Das passt nicht mehr rein. Trenne Dich davon.“ Das ist schon schmerzhaft. 

Vor Corona war ich beruflich viel unterwegs. Das hat sich durch Corona reduziert, was für unser Familienleben, aber auch für mich sehr gut war. Ich kann jetzt regelmäßig Sport machen und ich bin abends zuhause. Mein Sohn (14 Jahre) kann mir als Papa dann doch mal schnell seine Erlebnisse erzählen oder mich einfach drücken. Er sucht das Gespräch und ich merke immer wieder, dass er mich braucht. Die Verlässlichkeit ist wichtig. Er weiß, dass ich mit Herz und Geist für ihn da bin, wenn er mich braucht. 

Aktuell geht es wieder los, dass ich z.B. durch Vorträge mehr unterwegs bin. Da mache ich mir schon einige Gedanken. Der wichtigste Hebel ist für mich – gerade am Wochenende Papa-Sohn-Zeiten zu haben. Wir gehen spazieren oder mal wandern – am liebsten machen wir dann einen Ausflug mit dem Rad. Sollte ich die gemeinsame Zeit mit ihm mal aufgrund der vielen Aufgaben nicht so gut auf dem Schirm habe, erinnert mich meine Frau. 

Genauso versuche ich, Abende mit meiner Frau zu haben oder am Wochenende auch mal etwas gemeinsam zu erleben, wie z.B. eine Erlebnisbootsfahrt am Chiemsee, um die Fauna und Flora zu entdecken. 

Kurzum: Wenn ich mir nicht immer wieder klar vor Augen führe, dass ich beide Welten  - Job und Familie ausjonglieren möchte, passiert es sehr schnell, dass mich der Arbeitsalltag einholt. Aber auch, weil mir meine Arbeit Spaß. Ich empfinde sie nicht als Last. Ich bin aber auch ein pflichtbewusster Mensch, der seine Aufgaben sehr gut machen will. Gleichzeitig ist mir meine Familie auch wichtig. Ich befinde mich also in einem Dreieck von Werten und in dem ich meine Zeit aufteilen muss: Spaß, Pflichtbewusstsein und Familie.

Bildnachweis: "Leaders Academy – Axel Koch"

 

Jens Munsel-Gerber: Noch nicht so, wie wir uns das vorstellen.  

Jens MunselGerber onlineSales- und After-Sales-Management bei audit berufundfamilie Service GmbH & Nachhaltigkeitspodcaster

„Jens, wie vereinbarst Du Job und Familie?" 

Auf jeden Fall noch nicht so, wie wir uns das vorstellen. Ich arbeite 4,5 Tage pro Woche und meine Frau 20 Stunden auf 4 Tage verteilt. Wir wollen aber nach den Sommerferien unsere Arbeitszeiten mehr anpassen, und ich werde auf 32 Stunden reduzieren: Drei ganze Tage und zwei halbe Tage und meine Frau ihre Arbeitsstunden auf 24 erhöhen. Mittelfristig ist unser Plan, dass wir die gleichen Arbeitszeiten in unseren Jobs haben und optimalerweise auch in der Care-Arbeit. 

"Wo sind Deine Kinder im Augenblick?" 

Vormittags sind unsere Kinder beide in der Kita. Ab ca. 14.00 Uhr sind sie wieder zu Hause, wir essen gemeinsam und dann machen sie ihre jeweiligen Mittagspausen. Bei unserem kleinen Sohn geht die auch schon mal bis um 16.00 Uhr.

 

Michael Kuhn: Die Hausarbeiten übernehme heute weitgehend ich. 

Michael KuhnManaging Partner bei Michael Kuhn Management GmbH

Michael, wie vereinbarst Du Beruf und Familie?

Als ich noch in einer Festanstellung gearbeitet habe, gab es nur ein „entweder oder“. Heute bin ich, nach einem Ausflug über einige Zeit als Hausmann, selbstständig und da klappt das mit der Vereinbarkeit unterschiedlich gut. Zuletzt eher weniger, weil ich erst eine interne Transaktion mit einem Partner abschließen wollte.

Anfang 2020 war der Plan, dass ich mich voll auf die Selbständigkeit konzentriere. Das war in den ersten Lockdown-Phasen aber schnell vom Tisch, als es unserem Kleinen (damals 8 Jahre alt) nicht so gut ging und er einfach mehr Aufmerksamkeit brauchte. Die Selbständigkeit gab mir einerseits die Möglichkeit flexibler zu agieren, allerdings wegen des unglücklichen Timings natürlich keine ökonomische Kompensation.

Weil meine Frau die Festanstellung (und zusätzlich eine freiberufliche Tätigkeit) hat, habe ich versucht ihr möglichst den Rücken frei zu halten. Da ich ein häuslicher Mensch bin, fällt es mir nicht schwer, die Hausarbeiten weitgehend zu übernehmen. Kochen, putzen, waschen, bügeln, Hausaufgabenbetreuung, zur Nachhilfe oder Ergotherapie fahren, Schulanmeldungen, Bastelarbeiten, Krankenbetreuung, Gassi gehen sowie am wichtigsten und aufwändigsten: psychisches Wohlergehen durch das Geben von Aufmerksamkeit sicherstellen. Nur der Garten ist nicht so mein Ding, der macht aber meiner Frau Spaß.

 

Sascha Verlan: Das Schlechte Gewissen ist mein ständiger Begleiter.

Sascha VerlanAutor, Herausgeber und Journalist, sowie Mitbegründer des Equal Care Day

Sascha, wo sind Deine Kinder gerade?

Ich antworte um 12:15 Uhr und nehme an und hoffe: in der Schule und an der Uni. Sie sind ja schon älter und selbständig, dürfen zum Teil schon selbst ihre Entschuldigungen schreiben bzw. brauchen gar keine mehr. Das Wissen wandelt sich in Vertrauen.

Und dann trudeln sie irgendwann wieder hier ein und freuen sich, wenn ich schon was zu essen vorbereitet habe.

Wie vereinbarst Du Deinen Beruf mit der Familie?

Auf der einen Seite ist das schlechte Gewissen ein ständiger Begleiter, nicht genügend Zeit, Kraft und Aufmerksamkeit für meine Kinder und das gemeinsame Familienleben zu haben, dass es nicht genug ist und so viel schöner, besser, vertrauter sein könnte. Auf der anderen, der beruflichen Seite pendle ich zwischen Wut und Resignation: solange der ungebundene Mensch, meistens Mann, ohne Sorgeverantwortung der Maßstab bleibt, ist es eben schwierig. Ich kann einfach nicht so viele Bücher schreiben, Radiosendungen produzieren, Vorträge und Workshops halten, unterwegs sein, mich politisch engagieren wie dieses politisch-wirtschaftliche Wunschwesen, weil die Zeit fehlt und die Kraft. Und das zieht so vieles nach sich, weil Menschen ohne Sorgeverantwortung maßgeblich bestimmen, was Erfolg ist, und entsprechend präsenter sein können, in allen gesellschaftlichen Bereichen. Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Menschen mit Sorgeverantwortung arbeiten und leisten mehr, insbesondere für die Gemeinschaft und unser aller Zukunft.

Bildnachweis: Larissa Neubauer

 

Peter Bosseker: Bisher hat immer ein Elternteil nicht gearbeitet. 

Peter BossekerGeschäftsführer der PR-Agentur La Familia und des LOB Magazins

Peter, wo sind Deine Kinder gerade?

Unten auf dem Sofa mit ihrer Mama und schauen "Sandmann". Ich bin schnell hoch, da ich fast vergessen hatte, diese Fragen zu beantworten.

Wie vereinbarst Du Familie und Beruf?

Seitdem wir Kinder haben, hat immer entweder meine Frau oder ich nicht gearbeitet. Das hat vieles erleichtert und eine Rollenverteilung war jeweils klar. Meine letzte Elternzeit war im Ausland und ging immerhin fast drei Jahre. Ich habe die Zeit auch genutzt, mir einen Job zu schaffen, der von vornherein so angelegt ist, dass ich alles, was mir wichtig ist, unter einen Hut bekomme. Bald arbeiten wir nämlich beide und da ist es uns wichtig, dass wir beide nicht im klassischen Sinne Vollzeit von Zuhause weg sein wollen.