„Ihr seid schon ein tolles Team!“ Was als nettes Kompliment ihrer Schwester gemeint war, brachte meine Freundin Silke neulich ganz schön ins Grübeln.

Es stimmt schon: Klaus und sie hatten nach 18 Jahren Ehe ihren Familienalltag mit drei Kindern gut im Griff und waren vorbildlich organisiert. Trotzdem versetzte ihr der Spruch einen Stich. „Ein tolles Team“.  Das klingt zwar nicht schlecht, doch was ist eigentlich aus dem Paar Klaus und Silke geworden? Dem Paar, das sich früher verliebt die Nächte um die Ohren geschlagen hatte, weil es so viel zu erzählen gab. Dieses Liebespaar ist wohl in all den Jahren irgendwo zwischen Windeln wechseln, Haushaltseinkäufen und Büroalltag untergegangen.

Klaus und Silke stehen mit diesem Problem nicht allein da. In vielen Beziehungen, um so mehr, wenn Kinder da sind und beide einer Erwerbstätigkeit nachgehen, beschränken sich die Gesprächsthemen oft nur noch auf: „Wer holt heute Mia von der Kita ab?“, „Was kochen wir, wenn Deine Mutter zu Besuch kommt? und „Hast Du schon die Hausratversicherung überwiesen?“. Wenn solche organisatorischen Themen die Kommunikation bestimmen, weiß man irgendwann nur noch sehr wenig vom Partner als Menschen.

Die Schule der Liebe

Unzählige Untersuchungen zeigen, dass Glück, Schicksal, Zufall und Ähnliches dafür nicht ausschlaggebend sind. So wie wir in der Schule lesen, schreiben und rechnen gelernt haben, lässt es sich auch erlernen, ein erfülltes Familienleben zu führen. Studien mit glücklichen Paaren haben gezeigt, dass diese Paare gegenüber ihrem jeweiligen Partner diese fünf Einstellungen gemeinsam haben:

  • Sie nehmen ihren Partner/ ihre Partnerin positiv wahr - sehen ihn/ sie sprichwörtlich durch die „rosa Brille“.
  • Sie glauben daran, dass Liebe nur wenig mit Schicksal, aber um so mehr mit „Arbeit“ zu tun hat.
  • Sie stellen an den Partner hohe Ansprüche.
  • Negative Ereignisse in der Beziehung führen sie eher auf äußere Umstände und weniger auf den Partner zurück.
  • Sie können sich die gemeinsame Zukunft positiv vorstellen.

Um diese Einstellungen gegenüber dem Partner/ der Partnerin aufrecht erhalten zu können, muss man aber wissen: „Was bewegt Dich?“ „Wo stehst Du gerade?“ Für die Antworten auf diese Fragen braucht man Zeit. Zeit, die es sich lohnt zu investieren, denn sie schafft neue Nähe und ein besseres Verständnis für den Anderen. So manche heftige Reaktion inmitten von Alltagsstress und Zeitdruck wird plötzlich besser nachvollziehbar. Wer sich die Zeit füreinander nimmt, vermeidet den berühmten Konfliktstau.

Paarzeit ist wichtig

Selbstverständlich gilt das nicht für jede Paarbeziehung. Es gibt auch Paare, für die eine Trennung besser ist. Aber, auch wenn Zeit zu Zweit für berufstätige Eltern oft zusätzlichen Organisationsaufwand bedeutet: Diese Zeit ist enorm wichtig. Wer nur noch als funktionales Team im Alltag zusammenlebt, verliert irgendwann das Gefühl für den Anderen. In der Zweisamkeit jenseits von Kindergeschrei und Handyklingeln können sich Eltern wieder als Liebespaar begegnen. Als Frau und Mann. Nicht als Papa und Mama. Man braucht Raum und Zeit, um die Gefühle füreinander aufleben zu lassen. Um neue Gefühle zu entdecken und um sich ein Stück weit wieder ineinander zu verlieben. Erst in der Nähe wird echter Austausch möglich. Regelmäßiger Austausch und lebendige Gefühle füreinander sind die Basis einer erfüllten und tragfähigen Beziehung. So eine Grundlage ist belastbar und hilft, auch schwierige Alltagssituationen und herausfordernde Lebensphasen gemeinsam besser zu meistern.  Die meisten Eltern sind sich dessen bewusst und spüren auch, wie gut gemeinsame Zeit ihrer Partnerschaft tut. Und trotzdem schaffen sie es oft nicht, neben Job, Familie und anderen Alltagsherausforderungen auch noch das Date mit dem oder der Liebsten einzubauen. Wie Zeit zu Zweit gelingen kann, verraten wir Ihnen hier:

1. Raus aus den eigenen vier Wänden!

Verbringen Sie die gemeinsame Zeit unbedingt außerhalb Ihrer häuslichen Umgebung, fernab von den drei Gs: Gläschenwärmer, Glotze und Geschirrspüler. Welcher Ort für sie als Paar der richtige ist, um sich entspannt und ohne Druck begegnen zu können, hängt vom Geschmack beider Partner ab. Wer drei Mal in der Woche beim Italiener ein Geschäftsessen hat, wünscht sich für die gemeinsame Zeit vielleicht lieber Bewegung und ein bisschen frische Luft um die Nase.

2. Berücksichtigen Sie beide Interessen

„Mir zuliebe - Dir zuliebe“ ist zwar mit Sicherheit gut gemeint, stellt sich aber meist als fauler und wenig hilfreicher Kompromiss heraus. Bei der Suche nach einem geeigneten Ort oder der passenden Betätigung sollten Sie deshalb die Interessen und Wünsche beider Partner beachten. Ihrer Fantasie ist dabei keine Grenzen gesetzt. Und manchmal muss es auch gar nicht der ganz große Wurf sein. Es gibt Paare, sie ziehen einfach regelmäßig für ein oder zwei Nächte ins Hotel – in einem anderen Viertel ihrer Stadt.

3. Planen Sie Zweisamkeit ein – und zwar regelmäßig

Auch hier gilt: Rituale sind hilfreich und gewährleisten Regelmäßigkeit. Vom gemeinsamen Abendspaziergang um den Block über den gebuchten Salsakurs bis hin zum wöchentlichen Absacker in der Lieblingskneipe: Mit verbindlichen, fest eingeplanten Terminen stellen Sie sicher, dass auf beiden Seiten nichts dazwischenkommt. Das Aufraffen entfällt und Sie ersparen sich ausufernde Diskussionen. Am besten planen Sie nach dem herrlichen Berlinwochenende gleich den nächsten Trip fest ein.

4. Bauen Sie sich ein Babysitter-Netz auf

Ohne Netzwerk geht’s nicht: Schaffen Sie sich ein zuverlässiges und eingespieltes Netz an Betreuungsmöglichkeiten. Wenn die „offizielle“ Babysitterin verhindert ist, kann die Nachbarin oder der Neffe einspringen. So steht jederzeit eine Vertretung bereit. Wichtig ist aber, dass es sich um einen festen Kreis an Personen handelt, die den Kindern bekannt und vertraut sind. Und denen auch die Eltern 100 Prozent vertrauen. Wer beim spannenden Kinofilm alle zehn Minuten verschämt das Handy zücken muss, ist mit den Gedanken im Kinderzimmer und nicht beim Partner oder der Partnerin.

5. Frühzeitig anfangen und später weitermachen

Auch wenn Sie das schlechtes Gewissen plagt: Gewöhnen Sie Ihre Kinder bereits im Kleinkindalter daran, dass Mama und Papa auch mal Zeit nur für sich brauchen. Dass das nichts damit zu tun hat, dass sie ihre Kinder nicht trotzdem sehr lieb haben. Ist der Nachwuchs dann größer, gilt es, gut „Eingeführtes“ beizubehalten. Nehmen Sie sich auch dann weiterhin regelmäßige gemeinsame Auszeiten. Viele Kinder genießen es, mal „sturmfreie“ Bude zu haben. Ob mit oder ohne Babysitter. Hauptsache ohne Eltern.

6. Keine zu hohen Erwartungen

Der Termin ist geblockt. Der Babysitter steht bereit. Jetzt bleibt nur noch die Frage: Wie werden die gemeinsamen Stunden zu einer wirklich schönen, entspannten Zeit für beide? Fahren Sie die Erwartungen runter und lassen Sie sich unverkrampft auf das Zusammensein ein. Schauen Sie doch Einfach mal, was kommt. Smartphones bleiben ausgeschaltet!

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