Ambulante Pflege

Ambulante Pflege dementer Menschen – Welche Unterstützung gibt es für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen?

Laut einer Statistik der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e. V. lebten Ende des Jahres 2014 etwa 1,6 Millionen Demenzpatienten in Deutschland. Weltweit sollen es laut der WHO 2015 ganze 46,8 Millionen gewesen sein. Deutschland belegt damit unter allen Nationen der Gesamtzahl der Erkrankungen nach den 5. Platz. Über 80 % der Erkrankten leben in ihrem eigenen Zuhause und werden dort betreut. Wie sieht die ambulante Pflege Demenzkranker momentan aus?

Souveränität trotz Verantwortung: Der Wert ambulanter Pflege im Umgang mit dementen Menschen

Bei einer neurodegenerativen Erkrankung wie der Demenz kann nicht ohne professionelle Hilfe agiert werden. Daher wenden sich die meisten selbst pflegenden Angehörigen zeitnah an einen ambulanten Pflegedienst, um das weitere Vorgehen zu planen. Inmitten der zahllosen ambulanten Angebote gilt es dabei jedoch, nicht das Erstbeste zu nehmen, damit der demenzkranke Patient auch wirklich die bestmögliche Unterstützung erhält. Professionelle ambulante Hilfe in Anspruch zu nehmen, ermöglicht es Demenzkranken, auch bei einem erhöhten Pflegegrad im eigenen Heim zu bleiben, und schafft den pflegenden Angehörigen den nötigen Freiraum. Sie erhalten die Zeit, ihrer Erwerbstätigkeit nachzugehen, Besorgungen zu machen oder schlicht Kraft zu tanken.

Am einfachsten ist es bei der Suche nach einer professionellen Pflegedienstleistung, erst einmal im Bekanntenkreis nachzuforschen, ob jemand dort Erfahrungen mit einem ambulanten Pflegeanbieter gemacht hat. Interessiert man sich im Anschluss für einige Pflegeagenturen, sollte man Termine für Beratungsgespräche vereinbaren und herausfinden, wie der jeweilige Dienst arbeitet. Dieser sollte ein schriftliches Konzept vorweisen können, das seinen Pflegeansatz verständlich erläutert und bei Bedarf individuell auf den Demenzkranken zugeschnitten werden kann. Darüber hinaus sollten die dort eingesetzten Pflegekräfte im Umgang mit Demenzpatienten geschult sein und der Dienst sollte gewährleisten, dass die zu pflegende Person möglichst stets von denselben Kräften betreut wird. Bezugspersonen sind nämlich gerade für an Demenz erkrankte Menschen wichtig.

Der ambulante Pflegedienst auf dem Prüfstand – Was gute Demenzkrankenpflege leisten muss

Auch der zeitliche Rahmen der Betreuung sollte vereinbart werden können. Üblicherweise sollten die Pfleger nicht länger als 30 Minuten benötigen, um beim Patienten zu erscheinen, denn andernfalls ist sein Tagesablauf unstrukturiert und er wird unruhig. Punktgenaue Dienstleister sollte man in dieser Branche mit Vorsicht genießen, denn wer demenzkranke Pflegebedürftige versorgt, sollte empathisch und rücksichtsvoll mit diesen umgehen und den Terminplan daher flexibel gestalten. Weiterhin sollten spezielle Angebote der ambulanten Pflege gewährleistet sein.

So empfiehlt sich ein Dienstleister, der eine 24-Stunden-Bereitschaft im Notfall zusagen kann. Einige Anbieter verfügen beispielsweise über ein Kontingent an ehrenamtlichen Mitarbeitern oder eine Betreuungsgruppe, welche die Angehörigen entlasten können. Auch Kooperationen mit Tagespflegeeinrichtungen und Hospizinitiativen sollte man als positives Zeichen sehen. Erfüllt ein ambulanter Pflegedienst all diese Voraussetzungen, kann man das erkrankte Familienmitglied unbesorgt in dessen Obhut geben. 

Ambulante Pflege dementer Menschen: Die Möglichkeiten finanzieller Unterstützung

Zunächst einmal gilt es bei der ambulanten Pflege demenzkranker Patienten zwei unterschiedliche Pflegeleistungen zu unterscheiden: Die reine Pflege, das heißt die Alltagsunterstützung des Erkrankten und die medizinische Behandlungspflege. Für erstere kommt die Pflegekasse im Rahmen der Pflegeversicherung auf und für letztere ist die jeweilige Krankenkasse zuständig. In erster Linie gilt jedoch, dass derjenige, der sich um einen dementen Menschen kümmert, Anspruch auf die professionelle Hilfe eines ambulanten Pflegedienstes hat. Dieser kann den Angehörigen beispielsweise bei der Körperhygiene des Pflegebedürftigen unterstützen. Wenn die Betreuung bei der Kasse angemeldet wird, kommt es zunächst einmal zum Besuch eines Versicherungsmitarbeiters, der den Pflegegrad überprüft. Wird ein solcher festgestellt, der Patient jedoch augenscheinlich von einer bereitwilligen und körperlich fitten „Hauptpflegeperson“ unterstützt, steht der ambulanten Pflege nichts im Weg. Laut Gesetz haben Demenzkranke mit Pflegegrad nicht nur Anspruch auf Pflegegeld, sondern alternativ auch auf Sachleistungen. Zu diesen gehört auch die Hilfe einer ausgebildeten Pflegekraft, die den Erkrankten täglich in seinem Alltag unterstützt. Kümmern sich Angehörige selbst um den dementen Menschen, wird die Pflegeagentur ihnen im Auftrag der Pflegekasse in regelmäßigen Abständen einen Besuch abstatten. Den Service der ambulanten Pflegeagentur bezahlt die Kasse jedoch nur, wenn diese zu ihren Vertragspartnern gehört oder von ihr anerkannt wurde.

Mehr Rückhalt für pflegende Angehörige: Das Pflegegesetz seit dem 1. Januar 2017

Seit Anfang des Jahres 2017 gilt jemand, der eine oder mehrere pflegebedürftige Personen mit dem Pflegegrad 2 bis 5 in der eigenen häuslichen Umgebung nicht erwerbsmäßig für wenigstens zehn Stunden pro Woche und dann mindestens an zwei Tagen in der Woche regelmäßig pflegt, im Sinne der Pflegeversicherung als sogenannte Pflegeperson. Diese Pflegepersonen haben mit dem Inkrafttreten des neuen Pflegegesetzes einen besseren Stand als bisher. Die Pflegekasse ist nun nämlich für die soziale Absicherung der Pflegeperson zuständig, sofern diese nicht mehr als 30 Stunden pro Woche berufstätig ist, und zahlt daher deren Rentenbeiträge, die Unfallversicherung, die Arbeitslosenversicherung, eine Urlaubsvertretung, Pflegekurse und trägt dafür Sorge, dass auch voll Erwerbstätige ihren Job und die Pflege unter einen Hut bekommen können. Über die Details des neuen Pflegegesetzes bezüglich der Pflege von Angehörigen im eigenen Zuhause informiert u. a. das Bundesgesundheitsministerium in seinem Online-Ratgeber Pflege auf www.bundesgesundheitsministerium.de

Über die Autorin:

Michaela Niclaus ist Inhaberin der Pflegevermittlungsagentur „help4seniors“ in Düsseldorf, welche mittlerweile seit über 10 Jahren in der Pflegebranche tätig ist und 24h-Pflegekräfte für die Pflege zu Hause vermittelt. Michaela Niclaus hat alltäglich Kontakt mit pflegebedürftigen Menschen und Angehörigen und verfolgt stets die aktuellen Entwicklungen in der Pflegebranche.