Typgerechte Pause

Warum Pausen so wichtig sind und wie Sie in Ihren Pausen richtig Energie sammeln können, verrät Ihnen Christina Kropp.

Studien zufolge wäre eine kleine Auszeit während der Arbeit alle 90 Minuten sinnvoll. Dennoch nutzen die meisten Menschen ihre Mittagspause überhaupt nicht, geschweige denn sinnvoll. Dabei lässt sich schon mit einfachen Mitteln der Energiehaushalt aufladen und die Kreativität kann wieder sprudeln.

Eine halbe Stunde Pause für sechs Stunden Arbeitszeit ist das, was gesetzlich vorgegeben ist. Sind wir ehrlich, reicht das kaum aus, um effektiv das Tagespensum im Job auf gleichbleibendem Level zu schaffen. Meistens wird jedoch nicht einmal diese halbe Stunde richtig genutzt. Es wird über Projekte gesprochen, Probleme gewälzt, nicht selten wird die Pause mit wichtigen Geschäftsessen belegt, statt eine erholsame Auszeit einzulegen. Zur Ruhe kommt unser Gehirn dabei nicht.

Kleine Pausen vor der großen

Unser Auto tanken wir regelmäßig, ansonsten bleibt es liegen. Wir tanken auch keine drei Liter Milch. Auf die Idee kämen wir nicht. Was aber tanken wir und wie viel? Eine Pause sollten wir nicht erst einlegen, wenn die Karre längst am Rand stehen geblieben ist. Wenn die Mittagspause ansteht, ist der Motor oft schon kurz davor und stottert nur noch vor sich hin. Daher müssen wir auch kleine Pausen sinnvoll in unseren Arbeitsalltag einbauen, um leistungsfähig und kreativ zu bleiben.

Pausen sind keine Zeitverschwendung

Sinn und Zweck von Auszeiten wird sowohl von Unternehmen als auch von Mitarbeitern oft falsch eingeschätzt. Die verordnete Mittagspause raube uns nur, wovon wir eh zu wenig haben: Zeit. Zu viele Auszeiten bedeuten noch weniger Zeit und dies wiederum noch mehr Stress. Das Mittagessen wird deshalb hastig vor dem Bildschirm eingenommen – „Wer rastet, der rostet!“ Dabei haben Hirnforscher längst belegt, dass wir nur kreativ sein und Probleme bearbeiten können, wenn unser Organismus zur Ruhe kommt. Wenn wir merken, dass die Leistungsfähigkeit rapide abnimmt, die Gedanken sich nicht mehr richtig ordnen lassen, ist es Zeit für eine Unterbrechung. Fünf Minuten reichen oft aus, um aufzutanken. Kleine Übungen können da bereits Wunder bewirken:

 Tür zu

Wer ein eigenes Büro hat, viel Zeit mit Reden und in Meetings verbringt oder generell nicht gerne Small Talk hält, schließt einfach mal die Tür hinter sich zu, zieht sich zurück und genießt die Ruhe.

Atmen

Nichts ist so einfach wie atmen. Zwar tun wir es die ganze Zeit, jedoch selten bewusst. Wer die Tür hinter sich geschlossen hat, kann nun tief durchatmen. Bewusst ein- und auszuatmen hilft, das Gedankenkarussell anzuhalten. Sollte dies wegen Großraumbüro oder redseligen Kollegen etc. nicht möglich sein, reicht auch schon ein kurzer Spaziergang um das Gebäude, um den Kopf im wahrsten Sinne des Wortes durchzupusten. Wer dabei bewusst seine Umgebung wahrnimmt, schaltet vom Job ab. Außerdem hilft die Vorstellung, dass man „Kraft“ einatmet und „Ruhe“ ausatmet. Wem das nicht zu blöd ist, sollte es ruhig laut sagen. Vielleicht nicht unbedingt im Großraumbüro. Sogar eine Raucherpause kann, wenn auch ungesund, helfen, denn für manche ist sie die einzige verbliebene Gelegenheit zum Durchzuatmen.

Bitte lächeln

Lächeln Sie, machen Sie Ihre Stirn glatt, grinsen Sie und lösen die Gesichtszüge wieder. Auch wenn es im ersten Augenblick komisch aussehen mag: Dies abwechselnd ein paar Minuten durchexerzieren, wirkt Wunder. Die Wirksamkeit ist mittlerweile vielfach belegt. Ihr Körper schüttet Dopamin aus. Dieser Neurotransmitter ist essenziell für zahlreiche Körperfunktionen, steigert die Leistungsbereitschaft und macht uns aktiv.

Zitronen auspressen

Einen ähnlichen Effekt hat es, wenn man die Schultern anspannt und wieder fallen lässt. Auch gut: Finger spreizen und wieder zusammendrücken, als würde man eine Zitrone auspressen. Das aktiviert das Gehirn. Wichtig ist, die Übung mit beiden Seiten zu machen, damit beide Gehirnhälften aktiviert werden und in Balance sind. Dabei versuchen, die Gedanken auszuschalten und sich ausschließlich auf die Übung zu konzentrieren. Wenige Minuten reichen aus, um sich wieder fit zu fühlen.

Wegbeamen

Gedankenreisen können ebenso effektiv sein. Denken Sie an Ihren letzten Urlaub, beamen Sie sich gedanklich an einen schönen Ort, den Sie mit guten Erinnerungen verbinden. Dies stärkt, setzt Glückshormone frei und entspannt, weil es die Gedanken umlenkt. Wenn es gar nicht mehr geht, planen Sie die nächste längere Auszeit oder die nächste Reise. Wir können nur kreativ sein, wenn wir ausgeruht sind. Bewusste Pausen können dabei helfen. Bewusst heißt aber nicht nur, dass wir eine sogenannte Pause machen, sondern auch, wie wir sie verbringen.

Die große Pause: Alleine oder gemeinsam?

Bei der Mittagspause ist es nicht nur wichtig, dass wir sie wirklich nutzen, sondern auch wie wir sie ausfüllen. Die geselligen Typen genießen in ihren Pausen das Gespräch mit den Kollegen. Wenn es meiner Persönlichkeit entspricht, kann das eine sinnvolle Auszeit sein. Gibt es mir Energie, mich zu unterhalten, mich in einer lauten Umgebung aufzuhalten oder werden dadurch meine Akkus geleert? Lautet die Antwort Nein, dann lieber alleine etwas unternehmen oder zumindest alleine zurückspazieren. Immer gilt: Bürogespräche sollten tabu sein.

Die Pause ist nicht nur ein Zeitraum zur schnellen Nahrungsaufnahme. Wer gerne gut isst, kann auch im Job für leckeres Essen sorgen. Wem Zeit mit der Familie wichtig ist, der kann vielleicht eine längere Pause einlegen und sie zu Hause verbringen. Wer Sport braucht, kann ihn zwischendurch machen, wer lieber entspannt, sollte sich hin und wieder vielleicht einen Massagetermin in die Pause legen. Arbeitgeber sollten in Sachen Pause durchaus Flexibilität beweisen – natürlich nur, wenn die Mitarbeiter dadurch tatsächlich ihre Leistung steigern.

Pause auch vor und nach der Arbeit

Egal wie groß oder klein die Pausen sind, wichtig ist, die eigenen Bedürfnisse zu kennen und seine Auszeiten danach auszurichten und nicht nach dem Menschenstrom, der in die Kantine fließt.

Was beim Thema Pause oft vergessen wird: Was vor und nach der Arbeit passiert. Denn auch hier kann entweder jede Menge Energie getankt werden oder wir kommen bereits gestresst am Arbeitsplatz an.

Wer Bewegung als Ausgleich braucht, sollte sehen, dass er mit dem Rad oder zu Fuß zur Arbeit kommt und nicht mit dem Auto im Stau steht. Wer nicht der fürsorgliche Typ ist, muss für fürsorgefreie Zeiten sorgen, das heißt: Nicht jeden Abend direkt nach Hause, die Kinder umziehen und ins Bett bringen. Wer seine Bedürfnisse reflektiert, wird dafür auch die richtigen Argumente finden.

Über die Autorin:
Christina Kropp ist Auszeit-Coach. Sie coacht dort, wo andere Urlaub machen – in Husum und an der Costa Brava. „Zwischen anderen Terminen mal eben zum Coaching zu hetzen bringt die wenigsten weiter“, sagt sie: „Wenn der Wind von vorne kommt oder man spürt, seinen Horizont noch nicht erreicht zu haben, hilft eine kleine Auszeit enorm. Aber nicht vom Leben, sondern fürs Leben.“ Christina Kropp hat vor allem für Unternehmer und Führungskräfte mittlerer und kleinerer Unternehmen und alle, die sich mehr vom Leben wünschen, ihr Auszeit-Coaching entwickelt. Gelebt wird in einem Luxus-Wohnwagen direkt am Meer. Das eigentliche Coaching findet mal auf einer Wanderung, dem Rad oder im Strandstuhl am Meer statt. www.christina-kropp.de

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