Vereinbarkeit beginnt bei mir

Vereinbarkeit ist zu wichtig, um sie dem Arbeitgeber und der Politik zu überlassen: Was du selbst tun kannst, um als Mutter erfüllt zu sein.

Obwohl sich hinsichtlich neuer Betreuungsmodelle in den vergangenen Jahren schon einiges getan hat, ist für viele Eltern die Vereinbarkeit von Job und Familie eine enorme Belastung. Denn ein entscheidender Aspekt wird oftmals noch vernachlässigt: das eigene Rollenbild der Mutter und des Vaters. Erst, wenn wir uns von für uns schädlichen Verhaltensmustern und Handlungen verabschieden, können wir als Mutter Beruf und Familie gelassen(er) vereinbaren. 

 

Unser Rollenbild prägt unser Verhalten

Jede:r von uns wächst mit einer bestimmten Vorstellung davon auf, was es bedeutet, eine Mutter zu sein. Noch schwieriger wird es, wenn wir uns die Frage nach einer  «guten» Mutter beantworten müssen. Für die eine bedeutet es, dass sie immer Zuhause ist, wenn das Kind aus der Schule nach Hause kommt und ein selbstgekochtes Mittagessen bereitsteht. Für eine ist eine gute Mutter, eine Mutter, die dem Kind möglichst alles ermöglichen kann (mindestens eine Sportart und ein Musikinstrument und Sommercamps) und für eine andere Mutter ist es das immer Harmonie herrscht und für die nächste vielleicht eine Mischung aus alldem.

Diese individuelle Prägung ist das, was dann zwei bis drei Jahrzehnte später unsere Verhaltensmuster und Handlungen massgeblich beeinflusst. Entweder machen wir es genauso wie unsere Eltern, oder genau umkehrt. Und genau diese eigenen Prägungen und Überzeugungen, die selbstverständlich auch von der Gesellschaft stark beeinflusst werden, sind das, was Müttern und auch vielen Vätern die Vereinbarkeit von Job und Familie so schwer macht.

Anstelle, dass wir unser Leben so gestalten, wie es uns guttut, leben wir es so wie wir glauben, dass es von uns erwartet wird.

Anstelle, dass wir auf unsere eigenen Bedürfnisse achten, stellen wir sie hinten an und versuchen es erst allen anderen recht zu machen.

 

Es braucht ein Umdenken – und das beginnt in dir

Mache Dir bewusst, wo du bzgl. der Vereinbarkeit stehst. 

Schaue dir zunächst deine „Resultate“ an. Denn sie sind das Ergebnis deiner Verhaltensweisen und Überzeugungen und sie lügen in der Regel nie. 

Es kann z.B. sein, dass du feststellst, dass es im Job grundsätzlich gut läuft, du aber nie Zeit für dich hast, immer erschöpft bist, du immer mehr auf deiner To Do Liste stehen hast als was machbar ist, und du trotz der ganzen Arbeit im Job und der Familie dennoch das Gefühl hast, dass es nicht reicht. 

Male dir aus, wie du dir das Mama sein, Familie haben, Arbeiten und was auch immer dir wichtig ist in deinem Leben, vorstellst. 

Ganz wichtig dabei ist, dass du dir das alles völlig unabhängig davon vorstellst, wie du es gelernt hast und für möglich hältst. Wie würdest Du es Dir wünschen, wenn alles möglich wäre? Genau dieser Schritt ist der Teil, den sich die meisten Mütter nie bewusst machen. Das führt dann aber dazu, dass der Autopilot – also die gelernten Prägungen und Verhaltensweisen - übernimmt. 

Mach Dir bewusst, welche deiner alten Verhaltensweisen und Überzeugungen du über Bord werfen und welche du dir anstelle dessen neu aneignen darfst.

Das Schöne an unseren Überzeugungen und Prägungen ist: Sie sind in aller Regel angelernt. Sie können daher auch wieder ent-lernen, bzw. neue können erlernt werden. Die neuronale Plastizität unseres Gehirns macht dies möglich. 

Definiere dein eigenes Rollenbild.

Eines, das dir guttut und nach dem du streben möchtest. 

Handele nach deinen neuen Vorstellung. 

Nur so kann wirklich jede Zelle deines Körpers anfangen, neue Erfahrungen zu machen und sie als ihr neues Normal abspeichern. Dies kann bedeuten von Erwartungen loszulassen, Kontrolle abzugeben und anstelle dessen sich bewusst Zeit für die eigenen Bedürfnisse zu nehmen. 

Hol deinen Partner mit an Bord.

Neben der Arbeit an dir selbst kann auch der Partner dabei unterstützen, indem er mitmacht, wenn ihr beispielsweise eine neue Aufgabenteilung vereinbart. 

 

Über die Autorin: 
Elisabeth Thiessen ist Coach und Trainerin für Persönlichkeitsentwicklung und selbst Mutter von 2 Jungs (2017 und 2019). In ihrem Podcast «Power On» sowie ihren Kursen und Coaching-Programmen begleitet Elisabeth Eltern dabei, Job und Familie voller Power und Gelassenheit zu vereinbaren. Ihr beliebtester Kurs, der auch von Unternehmen als Wiedereinstiegskurs nach der Elternzeit angeboten wird, ist «Hol dir deine Power zurück». Ein Online-Kurs, bei dem Mütter und Väter lernen, wieder Priorität im eigenen Leben zu sein.

Mehr Infos zu Elisabeth und ihrer Arbeit findet ihr hier: www.elisabeth-thiessen.com

 

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