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Vereinbarkeit durch flexible Arbeitsorte

Geschrieben von: Dagmar Terbeznik

Home Office, Telearbeit und Co.

Dank der rasanten Entwicklung der Kommunikationstechnik in den vergangenen 20 Jahren, gibt es heute in vielen Jobs fast unbegrenzte Möglichkeiten für mobiles Arbeiten. Bekannt sind die Stichworte Home Office oder Telearbeit. Gerade für berufstätige Eltern bieten sich damit hilfreiche Varianten berufliche und familiäre Pflichten zu vereinbaren. Zunächst sollte jedoch ein Realitätscheck unter Berücksichtigung der betrieblichen Anforderungen erfolgen, um die Bedürfnisse aller Beteiligten zu berücksichtigen. Auch die Vereinbarung klarer Regeln der „entfernten“ Zusammenarbeit unterstützt den Erfolg. Und wie so oft gibt es nicht die Standard-Lösung.

Arbeitskräfte legen bei der Arbeitgeberwahl immer mehr Wert auf familienbewusste Unternehmensangebote. Viele Möglichkeiten bieten sich an, um diese Vereinbarkeit für Mitarbeiter zu ermöglichen und so die Vorteile einer besseren Leistungsmotivation, einer höheren Loyalität, geringerer Fluktuation, geringerer Kosten durch lange Berufsunterbrechungen von Eltern und die höherer Attraktivität bei Rekrutierungen zu nutzen. Eine Option ist die Flexibilisierung des Arbeitsortes, die mittels Telefon, Handy und (mobilem) Internet technisch immer besser umzusetzen ist.

Eine davon lautet: mobiles Arbeiten. Laut der aktuellen Global@dvisor Studie des Marktforschungsunternehmen Ipsos würde jeder zweite Deutsche gern von zu Hause oder einem anderen Ort als seinem Büro aus arbeiten.

Mobiles Arbeiten braucht Vertrauen

In einer zunehmend auf Dienstleistung und Wissensarbeit ausgerichteten Wirtschaft gibt es immer mehr Tätigkeiten, die keinen festen Arbeitsort voraussetzen. Auch im produzierenden Gewerbe gibt es beispielsweise kaufmännische Tätigkeiten, die oftmals im Home Office erledigt werden können. Es gilt aber nicht nur die Frage zu beantworten, ob die zu verrichtenden Tätigkeit auch außerhalb des Firmengebäudes möglich ist. Ein weiterer Aspekt ist beispielsweise, dass Angestellte, die an flexiblen Orten arbeiten eigenverantwortlich und selbständig arbeiten können sollten. Und: für viele Führungskräfte ist es eine neue Herausforderung Menschen zu führen, die nicht anwesend sind. Dies erfordert eine klare Fokussierung auf die Arbeitsergebnisse und ein gutes Vertrauensverhältnis zum Mitarbeiter. Es ist auch zu empfehlen, klare Regeln der Zusammenarbeit zu vereinbaren, die den Bedürfnissen aller Beteiligten nach ausreichender Kommunikation und Abstimmung entsprechen. Hierzu können beispielsweise die Vereinbarung verlässlicher Erreichbarkeit zu bestimmten Zeiten, Jours-Fixes u. a. gehören.

Echte Vorteile für Eltern und Pflegende

Für Arbeitnehmer mit Erziehungs- oder Pflegeaufgaben ist die Möglichkeit an verschiedenen Orten zu arbeiten oftmals eine enorme Erleichterung ihres Alltags. Die Zeitersparnis durch den Wegfall des Arbeitswegs allein ist für viele eine enorme Entlastung, um die vielfältigen Anforderungen von Beruf und Familie unter einen Hut zu kriegen. Teilweise können Sie auch auf eine Krankschreibung bei Krankheit des Kindes verzichten und für einige Tage zu Hause arbeiten.

Aber Achtung: Mitarbeiter können auch Gefahr laufen durch den Einsatz der modernen Kommunikationsmittel rund-um-die-Uhr verfügbar zu sein und damit schleichend ausbrennen. Hier gilt es achtsam zu sein und die Grenzen zu ziehen, in dem Handy und Laptop beispielsweise mal ausgeschaltet bleiben und auch bleiben dürfen. Dies betrifft übrigens nicht nur Eltern und Pflegende!

Formen der Telearbeit und die Gefahr der Isolation

Teleheimarbeit Der Arbeitsplatz ist regulär und dauerhaft in den Wohnräumen des Arbeitnehmers eingerichtet. Am Unternehmensstandort gibt es keinen Arbeitsplatz für diesen Mitarbeiter. Hier ist die Gefahr der Isolation besonders hoch, da eine Kommunikation mit Vorgesetzten und Kollegen nur über die technische Infrastruktur stattfindet.

Alternierende Telearbeit Der Angestellte arbeitet zeitweise zu Hause und zeitweise in den Räumen des Unternehmens. Neben dem Arbeitsplatz in den Wohnräumen des Arbeitnehmers wird im Unternehmen ein Arbeitsplatz für mehrere Arbeitnehmer eingerichtet, den diese sich nach Absprache teilen. Dies ist die am meisten verbreitete Form der Telearbeit und schmälert die Gefahr der Isolation erheblich.

Mobile Telearbeit Hier ist der Arbeitsort komplett flexibel, das heißt der Mitarbeiter verfügt über ein Laptop, mit dem er sowohl zu Hause, als auch beim Kunden oder in der Firma arbeiten kann. Dabei ist ein Zugriff auf das Unternehmensnetzwerk möglich. Dies wird bisher insbesondere von Berufsgruppen mit viel Reisetätigkeit, wie Vertretern, Beratern und ähnlichem praktiziert. Die Gefahr der Isolation sollte auch hier beachtet werden.

Kleine Checkliste für Telearbeit

Um die Vorteile von Telearbeit für eine familienbewusste Personalpolitik zu nutzen, sollten folgende Aspekte berücksichtigt werden:

  • Sind beim Arbeitnehmer geeignete Räumlichkeiten vorhanden?
  • Ist die technische Ausstattung des Arbeitsplatzes durch den Arbeitgeber unter entsprechender Kosten-Nutzen-Abwägung sinnvoll?
  • Gibt es klare Vereinbarungen zu Kommunikation, Arbeitsergebnissen, Fristen und Terminen etc.?
  • Sind Aspekte des Arbeitsschutzes, der Arbeitssicherheit und versicherungstechnische Probleme ausreichend beachtet?

Viele positive Bespiele zeigen, dass der vermeintlich große Aufwand es wert ist, denn er sichert die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen bei einem sich schon heute bemerkbar machenden Fachkräftemangel. Wer morgen mit qualifizierten und motivierten Mitarbeitern im Markt mitspielen will, sollte heute anfangen, die entsprechenden Angebote zur Gestaltung ergebnisorientierter und familienfreundlicher Arbeitsplätze zu machen.

 


 

Zum Weiterlesen:

CIO.de - Arbeiten im Home Office: Angst vor Karriereknick und Isolation, 14.02.2012, von Andrea König www.cio.de

Unternehmensprogramm Erfolgsfaktor Familie, mit vielen Hinweisen zu Wissen & Praxis www.erfolgsfaktor-familie.de

Portal "Mittelstand und Familie" www.mittelstand-und-familie.de