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Freitag, den 20. Juli 2012 um 08:56 Uhr

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich liebe meine Handtaschen. Am liebsten habe ich meine rote. Nicht zu groß, nicht zu klein, elegant und dennoch praktisch. Am 23. März habe ich sie wieder voller Stolz getragen. Nicht weil sie perfekt zu meiner ausgewählten Garderobe passte, sondern weil ich an diesem Tag meine Garderobe der roten Handtasche angepasst habe. Denn an diesem Tag fand der deutschlandweite Aktionstag für die Entgeltgleichheit von Männern und Frauen statt.

Am 23. März 2012 war Equal Pay Day. Wir weiblichen Arbeitsbienen arbeiten nämlich statistisch gesehen genau bis zu diesem Tag, um an das Jahresgehalt zu kommen, das unserer männlichen Kollegen bereits bis zum 31.12.2011 erarbeitet hatten. Satte 83 Tage mehr für das gleiche Geld! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Und hier ist die statistische Rechnung, wie lange wir im Jahr für’s Finanzamt arbeiten, bevor der Lohn in unsere eigenen Handtaschen fließt, nicht mal aufgemacht. 

Am Equal Pay Day wird mit verschiedenen Aktionen auf die Lohndiskrepanz aufmerksam gemacht. Der kleinste Teil, den jede Frau dazu beitragen kann, ist die Nutzung einer roten Tasche an diesem Tag. Einem Symbol für Verschwesterung und modischem Schick zugleich. Stellt sich dennoch die Frage, woher diese großen Lohnlücken kommen. Gründe für die Ungleichheit gibt es viele. Allen voran die gläserne Decke, die von Männern in Management-Etagen eingezogen wurde. Aber auch die Berufswahl, Unterbrechungen und Reduzierungen in der Erwerbstätigkeit und die individuellen Lohnverhandlungen spielen eine große Rolle.

Doch bei aller Liebe und Kampfesgeist kann man gewiss keine Pauschalbehauptungen in den Raum stellen, ohne die Gründe am eigenen Beispiel einmal durchzuspielen. Wenn wir Berufe wählen, weil wir uns darin „wohl fühlen“ und nicht aufgrund der Summe auf dem Gehaltszettel, ist das völlig ok, aber auch unsere eigene Entscheidung. Andererseits sollten wenigstens in dem Moment, in dem wir den gleichen Job wie unsere männlichen Kollegen ausüben, die Gehaltsunterschiede nicht so massiv sein. Dafür müssen wir uns aber auch anstrengen – genau wie Männer im Übrigen auch. Klappern, was das Zeug hält. Unser Wissen und unsere Fähigkeiten verkaufen, denn nur dann wird eine anständige Summe dafür bezahlt. Wir können leider noch immer nicht verlangen, dass unsere Chefs uns mehr zahlen, als wir fordern. Keiner zahlt im Alltag mehr für eine Ware oder Dienstleistung als er oder sie muss, oder?

Als ich über all das nachdachte, habe ich in den meisten Begründungen viel Wahres und doch auch einiges gefunden, bei dem es sich durchaus lohnt, die Argumente zu hinterfragen. Wenn also die rote Handtasche dazu beiträgt, sich mal wieder mit dem Thema zu beschäftigen, die eigenen Gründe zu hinterfragen und es dazu führt, dass wir das nächste Gehaltsgespräch selbstbewusst mit Hinweis auf unser Können und unsere wahren Leistungen zu führen, dann hat sich der Tag doch auf jeden Fall schon einmal gelohnt. Und wer einfach mal wieder seine rote Tasche aus den Tiefen des Kleiderschrankes ziehen möchte, kann das natürlich auch ganz grundlos tun.  Ich trage meine rote Handtasche. Nicht nur am Equal Pay Day. Denn sie ist mir die liebste.

Herzlichst Ihre

Ramona Jakob

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