Bei Mundipharma, einem der führenden mittelständischen forschenden Pharmaunternehmen in Deutschland, wird Work-Life-Balance großgeschrieben. Das Unternehmen hatte schon früh erkannt, dass immer mehr Mitarbeiter immer mehr Wert auf die Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf legen. Bereits vor einigen Jahren startete Mundipharma erste Projekte, um für seine Belegschaft und künftige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch hinsichtlich der Vereinbarkeit ein attraktiver Arbeitgeber zu werden.

Heute bietet das Pharmaunternehmen seinen über 900 Mitarbeitern am Standort Limburg an der Lahn mehr als 100 verschiedene Teilzeitmodelle, Telearbeitsplätze, „Job-Sharing“ sowie ein vielseitiges Angebot für den Wiedereinstieg nach einer familienbedingten Unterbrechung.

Deutlicher Trend hin zu Teilzeit

Teilzeit ist bei Mundipharma grundsätzlich bei jedem Mitarbeiter und in jedem Unternehmensbereich möglich. Die Geschäftsleitung hat dazu ein klares Statement verfasst, welches an alle Mitarbeiter kommuniziert wurde. Noch sind es aber in den meisten Fällen Frauen, die das Angebot nutzen. Von den 137 Mitarbeitern in Teilzeit sind 108 Frauen und 29 Männer. Christiane Prestel ist eine dieser Frauen, die die Möglichkeit der familienbedingten Teilzeitarbeit nutzt. Sie ist ausgebildete Hotelfachkauffrau sowie Diplom-Betriebswirtin und als solche im mittleren Management als Leiterin des Congress- und Event-Managements tätig. Ihr unterstehen 15 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Nach ihrer Elternzeit ist sie in diese Position mit einer reduzierten Stundenzahl und einem ganz individuell auf ihre persönlichen Bedürfnisse optimal zugeschnittenen Arbeitszeitmodell wieder eingestiegen. Heute arbeitet sie drei Tage am Standort Limburg, einen Tag in ihrem Home-Office in Frankfurt und einen Tag hat sie frei.

Männliche Führungskräfte nutzen diese Möglichkeiten der reduzierten Arbeitszeiten bei Mundipharma noch eher selten. In der Regel bevorzugen sie die Variante der „Voll-Nutzung“ von Elternzeit. Sie setzen für einen individuell definierten Zeitraum komplett aus und arbeiten nach dieser Auszeit dann wieder zu 100 Prozent auf ihrer alten Stelle. Bei den männlichen Mitarbeitern ohne Führungsverantwortung hingegen gibt es einen Trend hin zu mehr Teilzeitarbeit. Schule gemacht hat hier das Beispiel von Ulrich Kruse, Security Officer. Nach seiner zweijähriger Elternzeit arbeitet Kruse heute drei Tage am Standort Limburg und einen Tag von seinem Telearbeitsplatz in Dortmund aus. Den fünften Tag widmet er sich voll und ganz seiner Familie und nimmt seiner Frau, die ebenfalls berufstätig ist, die Betreuung des gemeinsamen Sohnes ab. Innerhalb kürzester Zeit folgten diesem Beispiel zwei weitere Mitarbeiter – einer davon sogar mit Führungsverantwortung.

Job-Sharing Möglich

Auch ein „Job-Sharing“ ist bei Mundipharma möglich, wie die drei Damen des Empfangsbereiches demonstrieren: Barbara Freiburg, Regina Graß-Schmidt und Hilde Stolz teilen sich seit einigen Jahren die zwei Vollzeitstellen am Empfang. Zwei der drei Kolleginnen sind Mütter. Für alle drei ist dies die optimale Möglichkeit, um sowohl erwerbstätig sein zu können, als auch ihren Familien beziehungsweise privaten Belangen gerecht zu werden. Am Anfang eines jeden Monats sprechen sie ihre Einsätze ab. Kommt es mal zu einer Verschiebung, was mit Kindern immer vorkommen kann, dann organisieren sie das auch komplett selbstständig. Einzige Voraussetzung der Geschäftsleitung: Der Empfangsbereich muss stets mit ein bis zwei Mitarbeiterinnen besetzt sein, denn nur so kann Besuchern und Kunden der bestmögliche Service geboten werden.

„Allgemein ist bei allen Mitarbeitern ein Trend hin zu mehr Teilzeitarbeit zu beobachten. Nicht nur bei Mitarbeitern mit Kindern“, hat Martin Schöne beobachtet, Head of Human Resources & IT bei Mundipharma. Für immer mehr Arbeitnehmer spielt eine ausgewogene Work-Life-Balance eine wichtige Rolle. Waren vor zwei Jahren noch 116 Mitarbeiter in Teilzeit angestellt, sind es heute schon 137.

Ein ganz anderer Trend ist bei der tatsächlich in Anspruch genommenen Elternzeit zu beobachten. Insgesamt nehmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Mundipharma eher kurze familienbedingte Auszeiten. „Wir führen dies darauf zurück, dass wir mit all unseren Mitarbeitern, sofern sie es wünschen, Modelle ausarbeiten, schnellstmöglich wieder zu arbeiten. Selbst wenn das nur wenige Stunden pro Woche sind“, so Martin Schöne. Die Zahl der Väter in Elternzeit entspricht dem bundesweiten Durchschnitt. Das heißt, auch bei Mundipharma nehmen noch immer mehr Mütter als Väter eine familienbedingte Auszeit. Wobei das Unternehmen immer wieder seine Bereitschaft zeigt, auch Vätern dies zu ermöglichen. Das „Väter-Modell“, so wie es Ulrich Kruse vorgelebt hat, wurde offen kommuniziert. Es gab Berichte über den Vater in der Mitarbeiterzeitung und sogar ein kleiner Film wurde über den Security Officer gedreht, der jetzt im Internet zu sehen ist.

Die „Elternzeitler“ bei Mundipharma

Mitarbeiter in Elternzeit sind bei Mundipharma auch während dieser Zeit vollwertige Arbeitnehmer. Um sie auch während der Elternzeit am Firmenleben teilhaben zu lassen, wird größter Wert auf Kommunikation gelegt. Alle Mitarbeiter werden weiterhin in die Unternehmensbelange eingebunden. Das beginnt bei den Informationen aus dem jeweiligen Bereich – in erster Linie die Aufgabe des direkten Vorgesetzten – und reicht bis hin zu den allgemeinen Unternehmensinformationen, die beispielsweise in Form der Mitarbeiterzeitung oder des Newsletters der Geschäftsleitung an die „Elternzeitler“, wie sie bei Mundipharma genannt werden, weitergeleitet werden. Darüber hinaus erhalten alle sämtliche Einladungen zu Informations- und Sportveranstaltungen sowie zu Firmenfeiern und -events.

Wer will, kann während der Elternzeit stundenweise im Unternehmen tätig sein, beispielsweise als Urlaubs- oder Krankheitsvertretung. „Dieses Modell, das es unseren Mitarbeitern, wenn auch nur wenige Stunden, erlaubt, ihrer Tätigkeit nachzugehen, hat für beide Seiten Vorteile“, so Martin Schöne. „Die Mitarbeiter bleiben im Job und der Kontakt zu den Kolleginnen und Kollegen reißt nicht ab. Von Seiten des Unternehmens spart Mundipharma dadurch die oft immensen Wiedereingliederungskosten. Also eine ‚win-win’-Situation.“ Wie die Mitarbeiter die Elternzeit nutzen wollen, wird in Gesprächen mit den Vorgesetzten und der Personalabteilung ausführlich geklärt. Auch, wie der Wiedereinstieg danach aussehen soll, wird besprochen. Will die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter die Arbeitszeit reduzieren? Bietet sich eventuell ein Arbeitsmodell an, das es erlaubt, an bestimmten Tagen von Zuhause aus zu arbeiten? Wie lange will sie oder er Teilzeit arbeiten? All diese Fragen werden frühzeitig geklärt, denn der Weg raus aus der Teilzeit hin zu einer Vollzeitstelle ist nicht immer einfach. Je früher die Möglichkeiten dazu ausgelotet werden, desto geringer ist das Risiko, in die Teilzeitfalle zu geraten.

Telearbeit – das Prinzip der „doppelten Freiwilligkeit“

Eine weitere Möglichkeit, Beruf und Familie optimal zu verbinden, ist die Telearbeit. Als Mundipharma diese vor zehn Jahren einführte, schloss die Geschäftsführung mit dem Betriebsrat eine Betriebsvereinbarung nach dem Prinzip der doppelten Freiwilligkeit. Das heißt: Sowohl beim Angestellten als auch beim Vorgesetzten muss der Wunsch bestehen, Teilzeit zu nutzen. Keine der beiden Seiten darf zu diesem Modell gezwungen werden. Während sich die Telearbeit insbesondere für kaufmännische Angestellte in der Sachbearbeitung anbietet, ist sie wiederum für Führungskräfte weniger geeignet, da diese häufig dienstlich unterwegs sind und der direkte Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen bei Konferenzen oder Einzelgesprächen im Unternehmen ihre Präsenz erfordert.

Das Ergebnis zählt

Bereits seit knapp zwei Jahren läuft das Pilotprojekt „Vertrauensarbeitszeit“. Ein Modell, bei dem Mundipharma seinen Beschäftigten zunächst einmal einen großen Vertrauensvorschuss entgegenbringt. Ziel ist es, die Mitarbeiterzufriedenheit zu erhöhen, die Mitarbeiter darin zu stärken, mehr Verantwortung für die eigenen Aufgaben zu übernehmen und gleichzeitig ihren Einfluss auf die individuelle Zeiteinteilung zu verbessern. „Und letztendlich bringt das eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie mit sich“, erläutert Martin Schöne die Beweggründe von Seiten der Geschäftsführung.

Regelmäßig werden mit den Teilnehmern des Pilotprojektes Zielvereinbarungen getroffen. Wann die vereinbarte Arbeit innerhalb der Vorgaben erledigt wird, ist den einzelnen Mitarbeitern überlassen. „In Deutschland herrscht noch in vielen Firmen der Anwesenheitsmythos vor. Unser Modell der Vertrauensarbeitszeit ist da ein recht innovatives Arbeitsmodell“, so Schöne. Als fortschrittliches und sozial engagiertes Unternehmen sieht Mundipharma es als eine zwingende Notwendigkeit, auch in Sachen „Arbeitszeitmodelle“ neue Wege zu beschreiten und den Mitarbeitern attraktive und interessante Alternativen zu bieten.

Erste Mitarbeiterbefragungen haben bereits ergeben, dass das Modell als sehr positiv empfunden wird. Die Teilnehmer bestätigen, dass die weitgehend flexible Gestaltung ihrer Arbeitszeit, das Mehr an Eigenverantwortung sowie ein geringerer Dokumentationsaufwand, zum Beispiel hinsichtlich der Arbeitszeiterfassung, sich positiv auf ihre Zufriedenheit und Motivation auswirken.