Britta Reichardt nimmt sich gerne Zeit für ihre vier Kinder – ein Luxus, den sich die Mutter trotz Vollzeitjob leisten kann. Als Betriebsmedizinerin bei TÜV SÜD fallen für sie keine anstrengenden Nacht-, Wochenend- und Doppelschichten an. Zudem ist sie „Frau“ über ihren Kalender. „Meine Kinder sind in einem Alter, in dem sie sich die Präsenz der Mutter wünschen“, erzählt die 47-jährige. „Deswegen bin ich sehr froh, dass ich Familie und Job gut miteinander vereinen kann.“

Fokus auf Prävention statt Akutbehandlung

Den Klinik- und Praxisalltag kennt Britta Reichardt aus jahrelanger Erfahrung. Nach ihrem Studium arbeitete sie in einem Akutkrankenhaus in der Abteilung für Innere Medizin und in der Notaufnahme, anschließend in einer Praxis für Allgemeinmedizin. Tätigkeiten, die Britta Reichardt viel Spaß und Erfahrung brachten, bei denen ihr der Präventionsgedanke aber zu kurz kam. „In der Regel gehen die Menschen zum Arzt, wenn sie bereits krank sind“, erzählt Reichardt. „In Zeiten, in denen vor allem psychische Belastungen und ihre Folgen immer mehr zunehmen, muss allerdings schon vorher angesetzt werden. Das Ziel sollte immer sein, den Menschen gesund zu halten.“ Die Ärztin beschäftigte sich aus eigenem Interesse näher mit dem Berufsfeld Arbeitsmedizin, schnupperte bei TÜV SÜD herein und leckte sofort Blut. „Es gibt kein Gebiet in der Medizin, das sich so sehr der Prävention verschrieben hat wie die Arbeitsmedizin. Man ist sehr nah an den Menschen und berät sie, um Krankheiten vorzubeugen.“ 

Der Job entspricht nicht nur inhaltlich Reichardts Erwartungen, er ermöglicht ihr auch eine flexible Gestaltung des Privatlebens. „Ich leite immerhin auch noch ein kleines ‚Familienunternehmen‘. Da kommt es mir sehr entgegen, dass ich mir meine Zeit frei einteilen kann“, erzählt die Arbeitsmedizinerin. Sie kann viel vom heimischen Arbeitsplatz aus erledigen und sich Außentermine so legen, dass sie für ihre Kinder da ist, wenn es darauf ankommt. Zusätzlich zur eigenen Familie ist die vierfache Mutter nun Ansprechpartnerin für Hunderte Mitarbeiter verschiedener Firmen. Britta Reichardt ist viel vor Ort in den Unternehmen, die sie betreut, und hat dort eigene Ambulanzen eingerichtet, um Angestellte bei Sorgen und Beschwerden zu beraten.

Nachhaltig und richtungweisend Arbeiten

Zu Reichardts Arbeit zählt nicht nur der Beratungsaspekt. Sie baut vor Ort ein systematisches Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) auf, das Angebote zum Thema Ernährung und Ausgleichssport bis hin zur Stressprävention beinhaltet. Reichardt weiß: „Unternehmen denken um und wollen ihren Mitarbeitern mehr bieten, um sie zu halten oder um neues Personal zu gewinnen. Maßnahmen und Angebote zur Erhaltung der Gesundheit von Mitarbeitern sind heutzutage ein Wettbewerbsvorteil.“ Diese Entwicklung unterstützt die Medizinerin. Als Beraterin von Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist ihre medizinische Kompetenz auch in Konfliktsituationen gefragt. Dies setzt eine enge Zusammenarbeit mit der Führungsebene, dem Betriebsrat und anderen Interessenvertretungen der Unternehmen voraus. Britta Reichardt begleitet die betriebliche Eingliederung langzeiterkrankter Mitarbeiter, sucht Wege der Integration für Menschen mit Behinderungen, führt neue Programme ein, bietet gesundheitsfördernde Angebote an und unterstützt damit letztlich das Wohl des Einzelnen in den Unternehmen. Was ihr dabei vor allem gefällt, ist die Vielseitigkeit ihrer Arbeit und das Gefühl, nachhaltig die Gesundheit der Mitarbeiter zu stärken. Auch die alltäglichen Aufgaben, die im Praxisbetrieb auf sie warten würden, kommen nicht zu kurz. Immer wieder organisiert sie großangelegte Gesundheitschecks in den Unternehmen, führt Impfungen durch oder berät die Arbeitnehmer bei Auslandseinsätzen. Die reisemedizinische Beratung liegt der Ärztin, die ihre ersten Lebensjahre in den Tropen verbracht hat, in einer immer polyglotter werdenden Arbeitswelt sehr am Herzen. Die Frage, ob Sie etwas aus dem Klinik- oder Praxisalltag vermisse, beantwortet sie mit einem klaren „Nein“: „Für eine Frau, die Familie hat, gibt es kaum eine idealere medizinische Betätigung als die Arbeitsmedizin. Man kann dort richtungweisend arbeiten, einen wichtigen Teil zur Erhaltung der Gesundheit vieler Menschen beitragen und sich außerdem seine Arbeitszeiten flexibler einteilen. Ich bereue es keine Minute, diesen Schritt gegangen zu sein. Im Gegenteil: Ich habe sogar zwei Freundinnen für freie Stellen geworben.“