Wechselmodell

Eine Woche bei Mama, eine Woche bei Papa. Immer mehr getrennt lebende Elternpaare teilen sich die Kinderbetreuung fifty-fifty.

Entweder verbringen die Kinder eine Woche im Wechsel erst bei Mama und dann bei Papa oder sie verlagern ihren Wohnsitz nach jeweils drei oder vier Tagen von dem einen zum anderen Elternteil. Grundsätzlich ist das Wechselmodell gut geeignet, um Kindern den intensiven Kontakt zu beiden Elternteilen zu ermöglichen. Außerdem können berufstätige Eltern auf diese Weise die Kinderbetreuung zu gleichen Teilen übernehmen. In Belgien, wo das Modell seit sieben Jahren als vorrangige Betreuungsform bei Scheidung oder Trennung gesetzlich verankert ist, leben bereits 36 Prozent aller bis zu zwölfjährigen Trennungskinder abwechselnd bei einem Elternteil.

Eine klare gesetzliche Priorisierung des Wechselmodells wie in Belgien gibt es in Deutschland jedoch nicht. Jüngst lehnte das Oberlandesgericht Hamm die Klage eines Vaters ab, da ein solches Umgangsmodell mit Belastungen für die Kinder verbunden sei. Es fehle den Kindern unter anderem an einem festen Lebensmittelpunkt.

Leidet das Kindeswohl tatsächlich an wechselnden Örtlichkeiten und alternierenden Elternteilen? Die Forschung sagt: Nein. Ganz im Gegenteil. Über drei Jahrzehnte lang wurde die psychologische Entwicklung von Kindern im Wechselmodell international erforscht. Die Ergebnisse wurden nun von der Familienrechtsprofessorin Hildegrund Sünderhauf ausgewertet. Sie kommt zu dem Schluss, dass das Wechselmodell den Kindern ausreichend Kontinuität bietet und sie darüber hinaus stark vom regelmäßigen Kontakt zu beiden Elternteilen profitieren. Dies zeige sich deutlich im Vergleich zum herkömmlichen Residenzmodell, in dem die Kinder überwiegend bei einem Elternteil leben und das andere Elternteil lediglich an Wochenenden oder vereinzelten Tagen unter der Woche besuchen. Die Vorzüge des Wechselmodells ließen sich an vielen positiven Aspekten festmachen. So haben Kinder im Wechselmodell eine engere Bindung an beide Elternteile. Sie leiden weniger unter Verlustängsten und dem Gefühl, durch die Trennung oder die Scheidung der Eltern verlassen worden zu sein. Sie zeigen eine bessere psychische sowie eine stabilere physische Entwicklung, eine größere Zufriedenheit mit ihrer schulischen Situation und sind seltener Opfer von Mobbing. Außerdem sind die Kinder deutlich zufriedener mit dem Betreuungsarrangement als im Residenzmodell.