Arbeiten mit Baby

Sascha Reinhard zeigt vier Möglichkeiten, wie der Spagat zwischen Familie und Arbeit funktioniert

Angebote zur Ganztagsbetreuung in Kita und Kindergarten sind heutzutage eher die Regel denn die Ausnahme und erleichtern Eltern, die den Anschluss in ihrem Beruf nicht verpassen wollen, den Wiedereinstieg nach der Elternzeit. Staatliche Betreuungsangebote sind im Lauf der Jahre immer wichtiger geworden, da häufig beide Elternteile arbeiten und andere Verwandte häufig zu weit weg wohnen, um für die Kinderbetreuung einzuspringen.

Doch spätestens mit dem Eintritt der Schulpflicht wird es für Eltern schwierig, die Betreuung ihrer Kinder nach Schulschluss sicherzustellen. Nur wenige Grundschulen bieten eine Nachmittagsbetreuung an, Horte haben begrenzte Aufnahmekapazitäten und eine private Betreuung ist eine kostspielige Angelegenheit. Was können Eltern also tun, die ihren Pflichten gegenüber ihrem Kind und ihrem Beruf gerecht werden wollen?

1. Rahmenbedingungen nutzen

Es dürfte jedem Arbeitnehmer bewusst sein, dass die Gehälter in verschiedenen Branchen sehr weit auseinanderliegen. Doch nicht nur die Gehälter, sondern auch die zeitlichen Rahmenbedingungen unterscheiden sich von Branche zu Branche teils immens. Überall dort, wo die Arbeit über Schichtsysteme verteilt ist, können Arbeitnehmer wenig bis keine zeitliche Flexibilität von Seiten ihres Arbeitgebers erwarten. Früh-, Spät- und Nachtschicht müssen abgedeckt sein, damit beispielsweise die Produktion in einer Fabrik reibungslos läuft oder die Betreuung im Pflegeheim sichergestellt ist. Prinzipiell wäre es zwar für Eltern im Hinblick auf die Kinderbetreuung praktisch, wenn einer der beiden immer in der Nachtschicht eingeteilt ist, wodurch beide Elternteile abwechselnd für das Kind da sein könnten. Jedoch erlaubt dies das deutsche Arbeitsgesetz nicht, das den dauerhaften Einsatz in Nachtschichten untersagt. Produzierendes Gewerbe, Pflege und Einzelhandel sind somit für Eltern wenig attraktive Branchen.

Nach Möglichkeit sollte man daher in einen anderen Bereich wechseln, beispielsweise zu einer Bank, einem Arbeitsplatz im Büro oder in der Forschung. Hier sind Arbeitgeber oft deutlich kulanter und ermöglichen es ihren Angestellten, alternative Arbeitszeitmodelle zu nutzen, durch die sich die Vereinbarung von Familie und Beruf besser umsetzen lässt.

2. Arbeiten von zuhause aus

Es ist heutzutage nicht mehr schwierig, Arbeitnehmern in Büropositionen das Ausüben ihrer Tätigkeit im Homeoffice zu ermöglichen. Die meisten Menschen haben ein eigenes Laptop oder einen PC zuhause, den sie für die Arbeit nutzen können, sodass sie lediglich einen Remote-Zugang benötigen, um auf die Daten zugreifen zu können. Auch wenn der Arbeitgeber darauf besteht, dass der Angestellte zwei oder drei Tage pro Woche im Büro präsent ist, ist das Homeoffice für Eltern dennoch eine große Hilfe bei der Kinderbetreuung. Sie können so flexibel auf eine plötzliche Erkrankung des Kindes reagieren und es daheim versorgen. Sobald das Kind schläft, können sie ihre Arbeit aufnehmen. Dieses Modell bietet auch für Arbeitgeber viele Vorteile, denn die Angestellten müssen weniger Kinderkrankentage nehmen und sind bei der Arbeit konzentrierter, da sie vor Ort sind und sich keine Sorgen um ihr Kind machen müssen.

3. Die wöchentlichen Arbeitstage flexibel gestalten

Eltern können auch mehr Flexibilität gewinnen, wenn sie selbst festlegen können, welche Wochentage sie für die Erledigung ihrer Arbeit nutzen wollen. Wenn der Vater beispielsweise montags und dienstags frei hat, die Mutter hingegen mittwochs und donnerstags, so sind bereits vier Tage abgedeckt. Eine private Betreuung für einen einzigen Nachmittag in der Woche zu finanzieren, ist deutlich einfacher zu bewerkstelligen, als diese Dienstleistung an fünf Nachmittagen der Woche in Anspruch zu nehmen.

4. Arbeitsbeginn und Arbeitsende selbst festlegen

Die sogenannte Gleitzeit ermöglicht es den Eltern, selbst zu bestimmen, wann sie ihren Arbeitstag beginnen und wann sie ihn beenden, solange sie die vereinbarte wöchentliche Arbeitszeit einhalten. Gleitzeit ist mittlerweile in vielen Betrieben möglich. Wenn es beim morgendlichen Fertigmachen für die Schule einmal länger dauert, können Eltern, die in Gleitzeit arbeiten, trotzdem ganz entspannt bleiben. Einige Unternehmen erlauben es Mitarbeitern auch, über ein Konto Zeit anzusammeln, die sie zu einem späteren Zeitpunkt als Freizeit nehmen können. Dies ist für Eltern praktisch, um beispielsweise planbare Arzttermine mit ihrem Kind wahrzunehmen oder einen schönen Familienausflug zu unternehmen.

Besonders in der Kombination mit Teilzeit ermöglichen es die vier genannten Arbeitszeitmodelle Eltern, ihre Arbeitszeiten so aufeinander abzustimmen, dass trotz fehlender Ganztagsbetreuung an Schulen keine Lücken entstehen. Dies ist für Eltern, die viel Zeit und Mühe in ihre Ausbildung und ihr Studium investiert haben, ein wichtiger Faktor, um sich beruflich weiterentwickeln zu können. Damit können sie vermeiden, dass sich einer der Partner langfristig benachteiligt fühlt und Unzufriedenheit entsteht, die sich negativ auf die Beziehung auswirken könnte. Flexibles Arbeiten ist für Eltern also mehr als nur eine Erleichterung im Alltag, sondern kann zur positiven Entwicklung der ganzen Familie beitragen.

Über den Autor:

Sascha Reinhard ist Gründer und Kopf hinter der App use2connect, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den digitalen Stellen- und Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren zu revolutionieren. Durch ein völlig neues Konzept, über das Menschen, die sich in ihrem Leben umorientieren wollen völlig anonym und angstfrei berufliche Alternativen suchen und finden können. Denn für Reinhard stand eines schon immer fest – jeder Mensch sollte sein Glück und seine Bestimmung nicht außerhalb seiner beruflichen Tätigkeit suchen, sondern diese beiden Dinge in seiner Arbeit finden. Er setzt sich seit Jahren wie kein zweiter dafür ein, dass jeder Mensch den Job bekommt, den er liebt – ohne Burnout, ohne Kompromisse und ohne Joblife-Crises.

 

Bildnachweis:  William Fortunato (Pexels)