Heiko Litz (43) ist momentan in Elternzeit. Wie schon bei seiner ältesten Tochter bleibt er länger als ein Jahr zu Hause. Und das ist seiner Meinung nach mehr als ein Vollzeitjob. 

Papa sein - Mehr als ein Vollzeitjob

Ein Urlaub war die Erziehungszeit bestimmt nie, auch wenn früher die Kindermonate so genannt wurden. Für Heiko Litz aus Oppenheim klingt Erziehungsurlaub eher befremdlich. Zum zweiten Mal ist der Vater nun zu Hause – bei der ersten Tochter Marie Johanna (5) waren es 18 Monate, bei der zweiten Tochter Lore Marlene (fast 3) sind es 14 Monate Erziehungszeit. Heikos Frau Susanne (37) war in den ersten 18 Lebensmonaten der Töchter bei den Kindern, dann übernahm der Papa. „Wichtig war, Zeit für einen Übergang von Mama zu Papa einzuplanen“, erklärt Heiko. Bei der ersten Tochter war das Paar gemeinsam vier Wochen für das Baby verantwortlich, bei der zweiten Tochter war die gemeinsame Zeit acht Wochen lang. „Allerdings fiel in diese Zeit auch ein Umzug, daher gab es wirklich viel zu organisieren.“

GUTE ORGANISATION UND GUTE ÜBERGABE SIND WICHTIG

Dass Heiko tatsächlich längere Elternzeiten nehmen würde, stand schon früh fest. „Ich wollte mein Vatersein auch aktiv leben“, sagt er. Gleichzeitig wollte Susanne auch wieder Vollzeit in ihrem Beruf als Redakteurin arbeiten. Heiko Litz ist Religionspädagoge und Bildungsreferent. „Natürlich habe ich mir viele Gedanken gemacht, ob die Elternzeit aus beruflicher Sicht eine gute Entscheidung ist. Grundsätzlich macht ja kein Arbeitgeber Luftsprünge, denn die Auszeit bedeutet ja auch Mehrarbeit für ihn. Bei mir war die Reaktion aber sehr korrekt, ich habe nicht das Gefühl, dass mein Arbeitsverhältnis dadurch belastet wurde.“

Mehr als zwölf Jahre war Heiko Litz in der Jugendarbeit tätig. Nach der ersten Elternzeit wechselte er. „Das war schon hart, zurück in den Arbeitsprozess und gleich ein neues Aufgabengebiet.“ Die Einarbeitung in seine neue Tätigkeit als Gemeindereferent fiel mit der zweiten Schwangerschaft und Geburt zusammen. Auch die zweite Elternzeit war gut geplant. „Gerade beruflich war mir das sehr wichtig“, betont Heiko Litz. „Eine gute Organisation und eine gute Übergabe sind wichtig. Ich wollte, dass mein Vertreter wusste, dass ich für ihn ansprechbar bin. Ich wollte den Kontakt halten.“ Dass ein Vater länger als ein paar Wochen Erziehungszeit nimmt, ist noch immer ungewöhnlich, dass merkte auch Heiko Litz. „Ich habe überwiegend positive Rückmeldung bekommen, es sei mutig und toll. Aber daran habe ich eben auch gemerkt, dass es als Ausnahme gesehen wird.“

Allein unter Frauen

Im Kinderalltag ist Heiko Litz allein unter Frauen. „In Spielkreisen, auf dem Spielplatz, beim Einkaufen, da bin ich oft der einzige Vater. Einerseits gibt es viel Lob, anderseits aber auch kritische Blicke, wenn ich mit meinen Töchtern unterwegs bin.“ Bis September ist er noch in Erziehungszeit und genießt die Zeit mit den Mädchen. „Es ist faszinierend, die Kinder zu begleiten, zu sehen, wie sie die Welt begreifen. Wie sie sich Zeit nehmen, Dinge zu erkundigen, etwa Blumen oder Regenwürmer ganz, ganz genau beobachten wollen.“ Wichtig sei für ihn, sich bewusst Zeit für die Kinder zu nehmen. „Ob im Garten, auf dem Spielplatz oder im Museum, wichtig ist es, so etwas einzuplanen, denn sonst geht das im Alltag unter.“ Und der sei oft stressig genug. „Ich habe ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, wie viel Arbeit das ist. Haushalt, das nötige Zeitmanagement um alles mit den Kindern in deren Tempo zu regeln... Man muss immer mehr Zeit einplanen, das fängt beim Anziehen an. Die Arbeit hört nie auf.“ Es sei wichtig, dabei auch auf sich zu achten und auch die Paarbeziehung nicht zu vernachlässigen. „Man muss wirklich lernen, sich darauf einzulassen, dass man eben nicht alles richtig machen kann und sollte nicht zu hohe Ansprüche an sich selbst stellen.“

heiko litz mitkindernVäter haben wenige Vorbilder

Zunächst musste auch Heiko Litz für sich einen Weg finden, seinen Papa-Alltag zu gestalten. „Väter haben da weniger Vorbilder, man muss halt für sich herausfinden, welcher Weg der richtige ist und einen eigenen Stil finden.“ Geholfen hat dem Vater dabei auch eine besondere Ausbildung. Eher durch Zufall, durch den Tipp einer Kollegin, hat er eine Ausbildung als Väterbegleiter gemacht. „Das hat mir in Hinblick auf meine Paparolle sehr geholfen, so hat sich natürlich auch viel Austausch zu anderen Vätern ergeben.“ Austausch mit anderen Männern, Erfahrungen vergleichen und Vernetzen ist wichtig – darum engagiert sich Heiko Litz auch als „Vaterberater“ und gibt unter anderem Kurse für werdende Väter. „Für Väter ist Vereinbarkeit von Familie und Beruf sehr wichtig. Es wäre schön, wenn Arbeitgeber da flexibler wären und sehen könnten, dass Elternzeit keine verlorene Zeit ist. Immerhin erwerben Arbeitnehmer ganz neue Kompetenzen, sind stressresistenter, übernehmen mehr Eigenverantwortlichkeit und kommen oft mit Lust auf die Arbeit wieder zurück.“

Heiko Litz wird im September die zweite Elternzeit beenden. Seine Erfahrungen aus der Elternzeit kann er in seinem Beruf einbringen, wenn er zukünftig mit jungen Familien arbeitet. Die Kinder gehen dann beide halbtags in den Kindergarten. Und beide Eltern werden in Teilzeit arbeiten, Heiko mit 20 Stunden, seine Frau mit 24 Stunden. „Sicher werden wir da Abstriche machen müssen, aber wir möchten die Zeit mit unseren Kinder haben, dass ist uns wichtig.“