Librileo

2015 gründeten Sarah Seeliger und Julius Bertram die gemeinnützige Librileo UG. Auch privat sind sie ein Paar und Eltern von drei Kindern.

Mit ihrem stetig wachsenden Team aus kreativen Köpfen setzen sie sich mit spannenden Projekten für bessere Bildungschancen für alle Kinder ein.

Ihr seid selbstständig. Wie viele Stunden arbeitet Ihr im Schnitt pro Woche?

Julius: Das lässt sich gar nicht so einfach sagen. Wir haben generell die Regel, dass Arbeit gemacht werden muss, wenn sie anfällt. Jeder im Team kann sich dann an anderer Stelle den Ausgleich nehmen. Sarah und ich arbeiten aber selten unter 40 Stunden – eher zwischen 50 und 60.

Ist die Vereinbarkeit einfacher dadurch, dass Ihr selbstständig seid?

Sarah: Für mich auf jeden Fall. Ständig läuft etwas nicht nach Plan. Wären wir da nicht so flexibel, würde das nicht funktionieren.

Julius: Ich denke, dass die richtige Antwort “anders” ist. Bei uns verschwimmt Beruf und Familie ziemlich stark. Schon allein dadurch, dass unsere Wohnung zur Hälfte auch unser Büro ist. Irgendwie sind wir die ganze Zeit von Arbeit, aber auch von Freizeit und Familie umgeben. Manchmal ist es echt skurril: Wir kommen aus unserer Wohnung und im Büro sitzen zehn, manchmal auch mehr Menschen und arbeiten. Natürlich können wir aber freier entscheiden, wann wir arbeiten.

Gerade z.B. ist es 23:35 und ich komme jetzt dazu, dieses Interview zu beantworten.

Wie sieht euer Alltag aus?

Julius: Wir machen uns alle fertig und fahren dann mit unserem Lastenrad unsere große Tochter in die Schule und die beiden kleineren Kinder in die Kita. Dabei wechseln Sarah und ich uns flexibel ab – abhängig von den Terminen. Im Anschluss geht es zurück nach Hause, beziehungsweise ins Büro. Die erste Arbeitsphase ist dann von 09:00 bis 16:00, manchmal auch 17:00, aber der Nachmittag und Abend gehört der Familie. Und wenn alle im Bett sind, arbeiten wir entweder weiter oder genießen die Zeit zu zweit.

Sarah: Beim Abholen der Kinder teilen wir uns meistens auf. Einer holt unsere Tochter aus der Schule und der andere holt die beiden Kleinen aus der Kita. Natürlich können kurzfristige Planänderungen jederzeit vorkommen, aber auch das können wir meistens gut managen.

Sarah Seeliger Julius Bertram Librileo

Noch ist es in Deutschland eher der Normalfall, dass der Mann Vollzeit und die Frau in Teilzeit arbeitet. Wie reagiert euer Umfeld darauf, dass Ihr beide in Vollzeit arbeitet?

Julius: Ich glaube, dass sich in den letzten Jahren alle an unser “spezielles Leben” gewöhnt haben.

Sarah: Für unser Umfeld ist das ziemlich normal. Für uns auch. Ich komme aus Sachsen Anhalt und meine Eltern haben schon immer beide Vollzeit gearbeitet. In Julius Familie war das auch so.

Wo liegt die Herausforderung? Wie organisiert ihr die Kinderbetreuung? Was, wenn einer von euch beiden mal länger arbeiten muss oder eine Dienstreise ansteht? Wie regelt ihr es, wenn eines der Kinder krank ist? Gerade wenn sie noch so klein sind, sind sie durchaus anfällig.

Sarah: Wir planen unsere Wochen ziemlich gut vor und sprechen auch Details gut ab. Wenn wir sehen, dass Nachmittage zu voll sind und es wahrscheinlich zu Stress führen würde, verschieben wir Termine oder fragen unsere Babysitterin, ob sie uns unterstützen kann.

Julius: Was Krankheiten angeht, haben wir ziemlich Glück. Unsere Kinder sind nur wenig krank und sollte doch mal eines krank sein, dann bleibt es eben Zuhause. Da wir ja beide beides machen, können wir uns immer spontan abwechseln, je nachdem, wessen Termine wichtiger sind. Generell gilt aber: Kein Termin ist wichtiger als die Kinder.

Sarah: Kind krank, Kita-Streik oder andere kleinere Katastrophen sind fast schon normal geworden. Bei drei Kindern ist ja immer irgendetwas. Wir nehmen diese spontanen Änderungen inzwischen gelassen. Ich wüsste nicht, wie ich das meinem/er Chef*in beibringen sollte, wenn ich nicht selber meine eigene Chefin wäre.

Julius: Dienstreisen waren tatsächlich bis vor einem halben Jahr eher schwierig. Aber das hat sich mit zunehmendem Alter der Kinder auch gegeben. Zudem haben wir eine tolle Haushaltshilfe, die uns ab und an auch mit den Kindern unterstützt.

Wie sieht es mit der Schule der Kleinen aus? Wer unterstützt sie beim beispielsweise Lesenlernen? Bzw. wie wollt Ihr das zukünftig machen?

Sarah: Unsere Tochter geht in die erste Klasse und das klappt total gut. Wir haben großen Wert darauf gelegt, dass sie an eine etwas freiere Schule kommt. Dort gibt es zum Glück keine Hausaufgaben.

Julius: Durch unser Unternehmen (www.librileo-gemeinnuetzig.de) sind bei uns Bücher immer präsent. Ich vermute, dass das auch einer der Hauptgründe ist, warum unsere älteste Tochter zu den Lesestärksten in der ersten Klasse zählt. Aber auch ihr Bruder (der im Sommer eingeschult wird) fängt gerade an von selber die ersten Wort zu entziffern.

Sarah: Wir lesen unseren Kindern seit der Geburt Kinderbücher vor und haben das auch so beibehalten. Jeder darf sich abends ein Buch aussuchen. Unsere Tochter hat allein lesen gelernt. Jetzt liest sie uns abends etwas vor und wir üben so, dass es noch besser klappt.

Julius: Wir beide befürworten als Eltern ein “Lernen nebenbei”. Wir wollen Anreize schaffen und die Kinder motivieren, sich von selbst mit Themen zu beschäftigen - dann unterstützen wir. Sowohl mit Zeit, als auch mit dem notwendigen Material.

Wie geht‘s euch damit, dass ihr beide eigentlich nur noch um Job und Kinder kreist? Habt ihr noch Zeit füreinander?

Sarah: So super viel Zeit haben wir tatsächlich nicht für uns allein. Manchmal nervt das total. Ganz ehrlich! Wir haben jede Menge Wünsche und Träume. Und häufig können wir die nicht einfach verwirklichen. Aber es kommt immer in Wellen. Es gibt auch Zeiten, in denen wir total dankbar für das sind, was wir haben. Wir nehmen uns aber auch gemeinsame Zeit – nur zu zweit. Und auch wenn, es manchmal nicht ganz einfach ist: Wir wissen, dass wir zusammengehören.

Julius: Dass sich alles “nur noch” um Job und Kinder kreist, stimmt so nicht. Ganz im Gegenteil: Bei vielen kreist sich alles “nur noch” um die Kinder und über die Arbeit wird überhaupt nicht geredet. Wir haben wirklich viele Themen, die wir miteinander teilen. Neben Job und Kinder ist das zum Beispiel auch der Spaß am Reisen, Essen oder Musik.

Was müsste sich ändern, damit eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf für alle einfacher wird?

Julius: Alle Arbeitgeber müssten so entspannt sein wie wir. Ganz ehrlich: Wenn ich als Arbeitgeber alles richtig mache, dann hat mein Team ein eigenes Interesse daran gut zu sein und gute Arbeit zu machen. Wenn das so ist, dann kann ich auch alle Freiräume geben, um Vereinbarkeit maximal zu gewährleisten.