Philip Semmelroth

Sie sind selbstständig und zerreißen sich zwischen Beruf und Familie. Wie sich erfolgswillige Unternehmer aus dem Tagesgeschäft zurückziehen, verrät Philip Semmelroth.

Rund 90 Prozent der Unternehmen in Deutschland haben weniger als zehn Mitarbeiter. Somit bilden Selbstständige, Kleinstunternehmen und kleine Mittelständler das Rückgrat unserer Wirtschaft. Viele der Inhaber und Eigentümer haben ganz andere Sorgen als die Big Player wie Google, Amazon und Co. – und ganz andere als die angestellten Mitarbeiter. Denn wenn sie ihr Unternehmen nach vorne bringen und gleichzeitig genug Zeit für die Familie haben wollen, hilft ihnen nur eins: Rückzug und klare Worte!

Viele Menschen gründen in dem Irrglauben, dass sie dann mehr Zeit, Freiraum und Selbstbestimmung hätten. Das Ende vom Lied ist häufig, dass der Chef die meisten Stunden kloppt, am Wochenende Überstunden schiebt und vieles selbst macht, was eigentlich Aufgabe eines Mitarbeiters wäre. Dieses System frisst nicht nur persönliche Ressourcen, sondern bringt jede Work-Life-Balance ins Ungleichgewicht. Idyllisches Familienleben? Pustekuchen.

Doch es geht auch anders. Es ist absolut möglich, dass der eigene Betrieb auf Hochtouren läuft, ohne dass der Kopf der Truppe auf dem Zahnfleisch geht und sein Familienleben leidet. Dafür sind keine Superkräfte nötig. Alles, was es dafür braucht, sind Mut und Selbstbewusstsein, um folgende Tipps umzusetzen.

 

Nehmen Sie sich vom Platz 

Niemand kann gleichzeitig im Sturm, in der Abwehr, im Mittelfeld und im Tor spielen. Als Kopf eines Unternehmens sollten Sie sich sogar ganz vom Grün nehmen. Denn wer behält den Überblick, wenn keiner am Spielrand steht? Wer arbeitet am Unternehmen und kümmert sich um Preispolitik oder Kundenstruktur, während Sie selbst an Laptops schrauben, Werbetexte überarbeiten oder beim Kunden alte Fliesen von der Wand klopfen? 

Wer Business und Familie etwas Gutes tun will, zieht sich so bald wie möglich aus dem operativen Tagesgeschäft zurück. Ein effektiver Firmeninhaber konzentriert sich auf die Optimierung und Weiterentwicklung des Unternehmens. Er kümmern sich um Strategie, Prozesse, Wachstum, Schlüsselkunden und nicht um Aufgaben, die Mitarbeiter schneller, besser oder günstiger lösen können. Das ist es, was Unternehmer von Geschäftsführern unterscheidet. Und gestresste Eltern vom verfügbaren Selbstständigen. Seien Sie der Cheftrainer in Ihrem Unternehmen. Beobachten Sie, greifen Sie ein, wenn etwas Ihren Weg zu einer dominierenden Marktstellung gefährdet. Doch stellen Sie sich niemals selbst auf den Platz.

 

Löschen Sie weniger Brände

Hand aufs Herz: Wie oft spielen Sie im Business Feuerwehr? Viele Unternehmer sind von morgens bis abends damit beschäftigt, Brände in ihren Unternehmen zu löschen. Das geht in manchen Firmen so weit, dass der Chef erst nach dem offiziellen Feierabend zu seinen eigentlichen Aufgaben kommt. Wenn Sie weniger Brandherde löschen, haben Sie mehr Zeit für neue Ideen oder Kontakte. Außerdem haben Sie so mehr Energie für die Bedürfnisse Ihrer Familie. Idealerweise ist das eigene Unternehmen so aufgestellt, dass erst gar kein Feuer ausbricht. Natürlich wird immer mal wieder etwas passieren. Ob Sie erreichbar sind oder nicht, ändert daran aber nichts. Wägen Sie also die Opportunitätskosten ab: Ihr Team wird nicht jede Krise beim ersten Anlauf perfekt lösen. Doch wie sollen Mitarbeiter lernen, wenn der Chef ständig eingreift? 

Unternehmer können sich nur aus dem Daily Business zurückziehen, wenn die Firma Profit macht. Profit schafft Entscheidungsspielraum. Dafür muss die Firma richtig aufgestellt sein: Mitarbeiter handeln eigenverantwortlich und die Organisation ist effizient. Es braucht also eine Struktur, die von Anfang an Arbeitsteilung vorsieht. Bauen Sie Ihre Firma so auf, dass sie auch dann wie am Schnürchen funktioniert, wenn Sie sie verkaufen und selbst nicht mehr ins Räderwerk greifen. Oft hindert einige auch das eigene Ego daran, loszulassen. Natürlich schmeichelt es, überall und ständig gebraucht zu werden. Wer jedoch wirklich willens ist, kann sich folgende Empfehlungen zu Herzen nehmen:

 

Führungsturbos: Der beste Chef arbeitet nicht mit

  • Schubsen Sie Ihr Team aus der Komfortzone

Wer weniger im Tagesgeschäft mitspielen will, braucht starke Mitarbeiter. Das gelingt durch gezielte Überforderung. „Aber das habe ich noch nie gemacht!“ Wenn Ihr Mitarbeiter mit diesen Worten auf eine ihm zugeteilte Aufgabe reagiert, wissen Sie, dass Sie auf dem richtigen Weg sind. Menschen wachsen nur, wenn man sie aus der Komfortzone schubst. Der „Anfangsschrecken“ ist der beste Indikator für persönliche Weiterentwicklung. Dieser Schritt markiert das Ende der Stagnation. Die meisten Erwachsenen wagen sich nur dann in die Entwicklungszone neuer und anspruchsvoller Aufgaben, wenn die Umstände oder zum Beispiel der Vorgesetzte sie dazu zwingen. Mit der gleichen Mentalität würden Kinder kaum laufen, Rad fahren oder gar schwimmen lernen.

  • Mitarbeitern kündigen, die nicht mitziehen

Manche lassen sich trotz kleinem Schubs über den Tellerrand nicht entwickeln. Dann hilft nur eins: Unternehmen und Mitarbeiter gehen getrennte Wege. Kündigungsgespräche sind für die meisten Chefs der blanke Horror. So einige Wackelkandidaten überleben Probezeiten oder werden noch Jahre mitgeschleppt, weil die Führungskraft sich vor einem heiklen Gespräch drückt – oft mit dem Kollateralschaden, dass engagierte Mitarbeiter genervt sind oder sogar das Handtuch werfen. Das Wohl Ihrer Firma sollte ganz oben stehen – damit Sie Zeit für Ihre Familie haben. Sachliche und faire Kündigungen gehören einfach zu den Aufgaben eines Unternehmers. Je schneller man sich daran gewöhnt, desto leichter geht es.

  • Klartext zu unverschämten Kunden

Es gibt Kunden, die machen so richtig Druck. Der Klassiker ist, wenn morgens um 7:15 Uhr schon ein Anruf auf dem Handy eintrudelt, dass es ein Softwareproblem gäbe, das SOFORT zu beheben sei! Um diese Zeit befindet sich der Unternehmer vielleicht im Auto, packt die Kindergartentasche oder treibt den Teenager aus dem Bett. Stress pur. Dass der Kunde noch eine halbe Stunde warten muss, lässt den Klienten im Dreieck springen: „Wie bitte stellen Sie sich das vor!!?“ Mein Rat: Lassen Sie sich solche eine Behandlung nicht gefallen. Noch immer gilt: „Ihre Firma – Ihre Regeln“. Kunden, die das nicht akzeptieren oder permanent auf Chefarztbehandlung bestehen, brauchen Sie nicht. Diese Kandidaten treiben das Stresslevel der ganzen Mannschaft hoch. Das ist es nicht wert! Hier nein zu sagen, kostet zunächst Überwindung, wird aber einfacher. 

  • Veränderungen testen, die revidierbar sind

Viele Inhaber machen sich jede Menge Gedanken um Maßnahmen, obwohl sie auch bei Misserfolg die Firma nicht gefährden würden. Zeitsparender ist: Testen Sie es einfach aus. Ein Beispiel: Wer überlegt, eine zweite Büroetage im Geschäftsgebäude anzumieten, sollte nicht ewig auf diesem Gedanken rum kauen. Wenn es die Möglichkeit gibt, probieren Sie es aus. Bewährt sich die Sache nicht – mehr Platz führt auch zu längeren Wegen – trennen Sie sich von der Etage wieder. Am Ende sind Sie reicher an Erfahrungen und haben das Büro durch den Umzug ausgemistet. 

 

Fazit: Machen Sie sich entbehrlich

Kurzum, führen Sie Ihr Unternehmen, statt sich als fleißigster Angestellter im operativen Geschäft zu verschleißen! Darunter leiden Sie selbst, Ihr Business und Ihr Familienleben. Stellen Sie Ihr Team so auf, dass Sie sich nach und nach zurückziehen können. Mitarbeiter wachsen mit ihren Aufgaben und lieben Eigenverantwortung, solange Fehler als Lernchancen akzeptiert werden.

 

Über Philip Semmelroth:

Philip Semmelroth hilft Firmen, profitabler zu werden. Über viele Jahre entwickelte er in seinem IT-Unternehmen die 3P-Strategie; eine Methodik, die Mitarbeiter leistungsfähiger, Prozesse effizienter und Vertriebserfolge planbar macht. Nach 22 Jahren verkaufte er sein Unternehmen erfolgreich an einen Investor, hält heute Keynotes und führt Coachings durch, um andere bei der Transformation zu einem vertriebsfokussierten Business zu unterstützen. Zu seinen Kunden gehören Unternehmen aus verschiedensten Branchen, er arbeitet national und international. www.Philip-Semmelroth.com

 

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Umsatz kommt von Umsetzen

Rund 90 Prozent der Unternehmen in Deutschland haben weniger als zehn Mitarbeiter. Kleinstunternehmen bis hin zu kleinen Mittelständlern bilden damit das Rückgrat unserer Wirtschaft. Dennoch wird in Öffentlichkeit und Politik immer wieder bevorzugt auf die sogenannten Big Five – Google, Amazon, Facebook, Apple, Microsoft – oder auch auf die großen DAX-Konzerne geschaut. Von der Realität der KMU sind diese jedoch meilenweit entfernt. Deren Gründer, Eigentümer und Anpacker haben wenig Interesse an abgehobenem BWL-Fachwissen. Was sie brauchen, sind praxisnahe Strategien und Tipps, mit denen sie ihre Unternehmen auf Kurs halten und zukunftsfähig machen. Dieses Buch stellt Sie in den Fokus: Gründer, Soloselbstständige und vor allem Chefs einer Firma mit unter 100 Mitarbeitern. Es gibt hilfreiche und erprobte Tipps zu den drängendsten Fragen des Unternehmerdaseins wie Profitabilität und Prozesse, Kundengewinnung und Wachstum, aber auch zu Erfolgswillen und Persönlichkeit. Denn jedes Unternehmen ist letztlich auch ein Spiegel des Unternehmers. www.philip-semmelroth.com

 

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Bildnachweis: Dominik Pfau