Familie geht vor

„Beide wollen und sollen beides.“ Das hat eine forsa-Umfrage* ergeben, die so einiges darüber verrät, wie Eltern zu ihren Kindern,  Arbeitszeit, Finanzen und sich selbst stehen.

Das ist Müttern und Vätern wichtig

Einer kümmert sich um Kind und Haushalt, einer ums Einkommen – so ein Quatsch, denkt die deutliche Mehrheit der Eltern. Die Umfrageergebnisse zeigen, dass 67 Prozent der Mütter und sogar 85 Prozent der Väter der Meinung sind, dass beide Elternteile gleichermaßen für die Kinder zuständig sein sollten. Hakten die Forscher jedoch nach, bei wie vielen Eltern dieser Wunsch Realität ist, zeigt sich, dass Mütter und Väter unterschiedliche Vorstellung zu haben scheinen, wenn es darum geht, was es bedeutet, sich die Zuständigkeit für Betreuung und Erziehung des Kindes zu teilen. So haben 63 Prozent der Väter, aber nur 33 Prozent der Mütter den Eindruck, dass sich ihr Partner gleichermaßen wie sie selbst an Betreuung und Erziehung beteiligt.

Die berufstätigen Eltern unter den Befragten sind mit dem Status Quo bezüglich ihres Jobs mehrheitlich glücklich. So sind rund drei Viertel der Eltern, die in Teil- oder Vollzeit arbeiten, mit ihrer Arbeitszeit und Work-Life-Balance zufrieden. Unter den verbleibenden, nicht so zufrieden Elternteilen sind bei den Müttern neun Prozent, die gerne mehr arbeiten würden, und 14 Prozent, die lieber weniger Zeit am Arbeitsplatz verbringen würden. Bei den Vätern wünschen sich nur zwei Prozent mehr, 19 Prozent dagegen weniger Arbeitszeit.

Eile, Hetze, Zeitdruck

Die mehrheitliche Zufriedenheit mit der Arbeitszeit bedeutet jedoch nicht, dass der restliche Alltag entspannt zu managen ist. 62 Prozent aller befragten Eltern meinen: Eile, Hetze und Zeitdruck sind Alltag. Damit scheinen viele nicht allzu schlecht zurechtzukommen, denn nur 33 Prozent der Väter und 40 Prozent der Mütter wünschen sich mehr Zeit. Auf Platz eins der Dinge, für die Eltern gerne mehr Zeit hätten: die Partnerschaft. Das wünschen sich 28 Prozent der Väter und 20 Prozent der Mütter. Dicht dahinter folgt bei Müttern mit 18 Prozent der Wunsch nach mehr Zeit für sich selbst. Unter den befragten Männern vermissen das dagegen nur acht Prozent. Hobbies, Treffen mit Freunden und Reisen kommen bei rund zehn Prozent der befragten Eltern ihrer Ansicht nach zu kurz. Doch die Erfüllung dieser eigenen Bedürfnisse scheinen die meisten Eltern bereitwillig zu opfern. Sollten die befragten Eltern sich entscheiden, was ihnen wichtiger ist – ihre eigenen Bedürfnisse, die ihrer Familie oder beides gleichermaßen – entschied sich die deutliche Mehrheit für zweiteres: Für 71 Prozent der Mütter und 60 Prozent der Väter steht die Familie an erster Stelle. 94 Prozent dieser Befragten fühlen sich mit dieser Einstellung gut oder sehr gut.

Berufstätige Eltern wollen gutes Vorbild sein

Dass die Kinder einen hohen Stellenwert bekommen, heißt noch nicht, dass Eltern lieber auf Berufstätigkeit verzichten wollen. Einige fühlen sich dadurch sogar angespornt. 42 Prozent der Väter und 33 Prozent der Mütter denken, dass ein ädaquater Job nötig ist, um den Kindern ein gutes Vorbild zu sein. Dass sie ihrem Kind finanziell etwas bieten wollen, ist allerdings nur für sehr wenige ein Ansporn. Nur vier Prozent denken, dass dies gute Eltern ausmacht. Geld ist dennoch ein Thema für viele Eltern: 37 Prozent geben an, finanzielle Sorgen zu haben. 44 Prozent der Eltern sehen den Staat in der Pflicht. Sie wünschen sich mehr finanzielle Unterstützung von Seiten der Familienpolitik. Die Frage, auf was ihre Wahl fiele, wenn sie einen Wunsch frei hätten, beantworten 40 Prozent der Eltern mit mehr Geld. Auf Platz zwei landet mit 38 Prozent mehr Gelassenheit.

Dieser Wunsch rührt wohl daher, dass zahlreiche Eltern angeben, sehr hohe Ansprüche an sich selbst zu haben - 56 Prozent der Väter und 73 Prozent der Mütter. Diese Ansprüche scheinen nicht so leicht zu erfüllen zu sein. 32 Prozent der Väter und 50 Prozent der Mütter geben an, sich durch ihre eigenen Ansprüche am meisten unter Druck gesetzt zu fühlen. Nicht nur sie selbst, auch die Gesellschaft hat hohe Ansprüche, denken viele Befragte. 59 Prozent sind der Ansicht, dass die Anforderungen an Eltern heute höher sind, als vor 30 Jahren. Vor allen Dingen an Frauen werden nun höhere Ansprüche gestellt, meinen zwei Drittel der Mütter. Bei den Vätern ist dagegen knapp die Hälfte der Ansicht, dass der Druck auf beide Elternteile gewachsen ist. So kommt es, dass 39 Prozent der Väter und 41 Prozent der Mütter sich durch gesellschaftliche Normen am meisten unter Druck gesetzt fühlen.

 *Befragt wurden rund 1000 Eltern von unter 12-Jährigen

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