Stefan und Ines

Berufstätige Eltern im Portrait: „Hier im Osten ist es normal, dass beide Eltern Vollzeit arbeiten.“

Stefan arbeitet als Bäcker in einem kleinen Betrieb. Ines ist Produktionshelferin in einer Bäckerei und stellt dort Torten her. Beide arbeiten sie in Vollzeit. Gemeinsam haben sie Zwillinge, die jetzt acht Jahre alt sind.

Warum arbeitet ihr beide Vollzeit?

Stefan: Bei mir war schon immer klar, dass ich Vollzeit arbeite – auch aus finanziellen Gründen. Ich glaube aber, dass, wenn Ines die Wahl hätte und wir nicht so auf’s Geld achten müssten, würde sie gerne Teilzeit arbeiten.Stefan, Ines und Familie

Ines: Ich arbeite seit 2004 als Vollzeitkraft. 2011 kamen dann unsere Zwillinge. Für mich war es immer klar, dass ich nach einem Jahr Elternzeit wieder Vollzeit tätig werde würde. Allein schon aus finanziellen Gründen. Bei uns in Mecklenburg Vorpommern sind die Löhne leider nicht so hoch, dass ein Elternteil zuhause bleiben kann.

Ich meine aber auch, dass zwei Vollzeitgehälter notwendig sind, um gut leben zu können. Wir möchten unseren zwei Mädchen etwas bieten können und nicht immer sagen müssen, das können wir uns nicht leisten. Außerdem kenne ich das so von meinen Eltern. Beide haben immer Vollzeit gearbeitet und selbst meine Großeltern waren beide Vollzeit tätig.

Noch ist es in Deutschland eher der Normalfall, dass der Mann Vollzeit und die Frau in Teilzeit arbeitet. Wie reagiert euer Umfeld darauf, dass Ihr beide in Vollzeit arbeitet?

Stefan: Hier im Osten – Mecklenburg-Vorpommern – ist es normal, dass beide Eltern Vollzeit arbeiten und unser Umfeld kennt es nicht anders von uns.

Wie sieht euer Alltag aus? Wie organisiert ihr die Kinderbetreuung?

Stefan und die KinderInes: Ich stehe morgens um 5:00 auf. Die Zwillinge wecke ich gegen 5:40. Um 6:30 verlassen wir drei dann das Haus. Ich fahre zur Arbeit und die Mädels gehen in den Hort bis die Schule um 7:45 beginnt.

Stefan: Da ich immer nachts arbeite – von 1:00 bis 10:00/11:00 Uhr, bin ich in aller Regel gegen 11:00 Uhr zuhause. Ich schlafe dann bis spätestens 15:30 Uhr, bis die Kinder aus der Schule kommen. Die Kinderbetreuung gestaltet sich bei uns daher meisten recht einfach.

Ines: Wir haben beide eine 6-Tage-Arbeitswoche. Beide arbeiten wir also auch am Wochenende. Ich fange während der Woche um 7:00 an und arbeite in aller Regel bis ca. 15:30. Es kann aber auch mal 17:00 Uhr werden oder 13:00 Uhr – je nachdem, wieviel zu tun ist.

Und wie regelt Ihr das, wenn Ihr am Wochenende arbeiten müsst?

Ines: Wenn wir beide am Wochenende arbeiten müssen, springt meist die Oma ein. Aber wir haben auch zwei ganz tolle Nachbarn, die auch schon mal als Babysitter einspringen. Wie regelt ihr es, wenn eines der Kinder krank ist?

Stefan: Falls eins der Kinder Krank wird, ist, bleibt Ines zu Hause.

Ines: Bei meinem Mann ist es schwieriger, zuhause zu bleiben. Er arbeitet in einem kleinen Betrieb mit nur zwei Angestellte. Wenn da mal einer ausfällt, wird’s eng. Ich arbeite in einem größeren Betrieb mit mehreren Abteilungen. Der Bereich „Konditorei“, in dem ich arbeite, hat ca. 20 Angestellte. Wenn da mal jemand ausfällt, ist das nicht ganz so eng, wie bei meinem Mann.

Wie sieht es mit der Schule der Kleinen aus? Wer unterstützt sie beim beispielsweise Lesenlernen?

Ines: Die Hausaufgaben werden im Hort gemacht. Was nicht im Hort geschafft wird, wird zuhause beendet. 

Stefan: Wir beiden unterstützen, lernen und üben mit beiden Kindern. Abhängig davon, wer gerade Zeit hat oder zuhause ist. Ines: Die Zwillinge haben viele Erstlesebücher, aus denen wir uns auch mal abwechselnd vorlesen.

Wie geht‘s euch damit, dass ihr beide eigentlich nur noch um Job und Kinder kreist? Habt ihr noch Zeit für einander?

Stefan: Die Zeit für uns zwei ist sehr knapp. Als Familie bleibt grade mal das Wochenende. Manchmal aber auch nicht nicht mal das, da wir auch samstags, sonntags und an Feiertagen arbeiten müssen.

Ines: Zeit für meinen Mann und mich ist selten. Aber, wenn wir dann mal Zeit haben, nutzen wir sie auch. Wir gehen entweder schön essen oder mal ins Kino und im Sommer fahren wir ab und zu zusammen Motorrad.

Wie unterstützen euch eure Arbeitgeber bei der Vereinbarkeit?

Ines: Wenn ich mal ein Anliegen habe, mal frei brauche oder mal früher gehen möchte, dann ist das meistens ohne Probleme möglich.