Seit dem 1. Januar 2015 gilt das neue Gesetz zur besseren Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf. Welchen Effekt hat das auf Vereinbarkeits-Angebote in den Unternehmen?

Personalverantwortliche sind skeptisch

Gar keinen – denken 84 Prozent der Personalentscheider laut einer Umfrage der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP). Zudem ist die Mehrheit der Meinung, die meisten der neuen gesetzlichen Vorgaben seien schwer umsetzbar.

Vor allem Familienpflegezeit macht Personalern Sorgen

Das neue Gesetz gibt Arbeitnehmern das Recht, für die Pflege Angehöriger bis zu zwei Jahre lang die Arbeitszeit zu reduzieren. Dies schätzen 63 Prozent der 200 befragten Personalentscheider aus deutschen Unternehmen mit 16 oder mehr Mitarbeitern als weniger gut oder gar nicht umsetzbar ein. Ähnlich schwer tut man sich mit der Freistellung zur Sterbebegleitung naher Angehöriger. 53 Prozent sehen diesbezüglich Schwierigkeiten bei der Umsetzung. Lediglich in Bezug auf die nun bestehende Möglichkeit, für Pflegenotfälle zehn Arbeitstage frei und Pflegeunterstützungsgeld als Lohnersatzleistung zu bekommen, sind die Skeptiker mit 34 Prozent in der Minderheit.

„Die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege hat zwar in vielen Unternehmen an Bedeutung gewonnen, jedoch zeigt unsere Untersuchung, dass noch ein weiter Weg zu gehen ist. Führungskräfte müssen viel stärker als bisher für das Thema sensibilisiert werden. In einem Großteil der Unternehmen fehlt noch eine pflegesensible Kultur“, kommentiert Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP, die Umfrageergebnisse laut der zugehörigen Pressemitteilung.

Wunsch und Realität liegen weit auseinander

Eigentlich will eine deutliche Mehrheit der Unternehmen unterstützen – tatsächlich tun es aber die wenigsten. Laut der ZQP-Umfrage halten es 76 Prozent der befragten Unternehmen für wichtig beziehungsweise sehr wichtig, ihre Mitarbeiter bei der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege gezielt zu unterstützen. Doch nur 20 Prozent bieten ihren Angestellten mit pflegebedürftigen Angehörigen auch wirklich entsprechende Maßnahmen an. Hier schwanken die Zahlen allerdings beträchtlich je nach Unternehmensgröße. In Unternehmen mit 250 Mitarbeitern oder mehr sind es 43 Prozent, bei 50 bis 249 Mitarbeitern dagegen nur 13 Prozent. 72 Prozent aller befragten Unternehmen haben weder aktuell Angebote, die die Pflege Angehöriger mit ihrem Job leichter vereinbar machen, noch planen sie welche. Die verbleibenden acht Prozent bringen gerade Maßnahmen auf den Weg.

Spezielle Regelungen für pflegende Mitarbeiter, die sich von jenen für Angestellte mit Kindern unterscheiden, halten nur 23 Prozent der Personalverantwortlichen für notwendig. 36 Prozent denken, dass grundlegende Regelungen für beide gleich sein können, jedoch um spezifische Maßnahmen ergänzt werden sollten. Sind Angebote für die bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf vorhanden, beziehen sie sich laut ZQP vornehmlich auf flexible Arbeitszeiten. Die ZQP befragte die Personalverantwortlichen kurz vor Inkrafttreten des neuen Gesetzes zwischen dem 27. November und 10. Dezember 2014 telefonisch.

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