Unterstützung Pflege

Viele alte Menschen wünschen sich, den Lebensabend zuhause zu verbringen. Eine wichtige Unterstützung dabei ist eine 24-Stunden-Pflegekraft. Aber wobei genau unterstützt diese?

Nicht selten kommt es vor, dass Menschen mit zunehmendem Alter vermehrt Unterstützung im Alltag benötigen. Kinder oder Enkelkinder können das nicht immer gewährleisten, weil sie entweder berufstätig sind oder gar nicht vor Ort leben, kann Familien stark entlasten, weil sie ihre Angehörigen damit versorgt und in guten Händen wissen. In Deutschland unterscheidet man hinsichtlich der Pflegemaßnahmen in die Grund- und die Behandlungspflege. Nicht alle Maßnahmen dürfen dabei von der 24-Stunden-Pflegekraft übernommen werden. Im Rahmen der Grundpflege kann die Betreuungskraft notwendige Unterstützung geben. Diese ist mit ihrem Aufgabengebiet vertraut und übernimmt, entsprechend ihrer Ausbildung, unterschiedliche Aufgaben.

Welche Aufgaben übernimmt die Pflegekraft?

Die Leistungen in der Pflege werden grundsätzlich in die Grundpflege und die Behandlungspflege unterteilt. Letztere muss von einem Arzt verordnet werden und darf ausschließlich von examinierten Pflegefachkräften wie beispielsweise Altenpflegern oder Krankenschwestern übernommen werden. Soll die 24-Stunden-Pflegekraft diese Maßnahmen ausführen, muss infolgedessen auch sie über eine solche Ausbildung verfügen. Andernfalls erledigt sie die Grundpflege. Für die Behandlungspflege muss dann ein externer Pflegedienst ins Haus geholt werden. 24-Stunden-Pflegekräfte kommen häufig aus Osteuropa und werden von Pflegeagenturen für die Betreuung Pflegebedürftiger entsendet.

  • Die Behandlungspflege umfasst unter anderem folgende Tätigkeiten:
  • Medikamentengabe
  • Versorgung mit Infusionen, PEG-Sondenversorgung, Versorgung eines Katheters
  • Blutdruck- und Blutzuckermessung
  • Übernahme der Wundbehandlung und Wechsel von Verbänden

Im Rahmen der Grundpflege übernimmt die Pflegekraft Maßnahmen wie:

  • Unterstützung bei der Hygiene, zum Beispiel beim Waschen, Duschen oder Zähne putzen
  • Begleitung beim Toilettengang sowie Übernahme des Wechsels von Inkontinenzartikeln
  • Hilfe beim An- und Auskleiden
  • Zerkleinern der Mahlzeiten, Handführung beim Essen oder Essensgabe

Professionelle 24-Stunden-Pflegekräfte stellen weiterhin diese Leistungen sicher:

  • Hauswirtschaftliche Tätigkeiten: Regelmäßige Mahlzeiten zubereiten, Einkaufen gehen, Wäsche waschen, Reinigungsarbeiten
  • Individuelle Alltagsgestaltung: Dabei gehen die Pflegekräfte auf die besonderen Interessen des zu Pflegenden ein. Dementsprechend werden gemeinsam Gesellschaftsspiele gespielt, Gottesdienste besucht, Ausflüge unternommen oder einfühlsame Gespräche geführt. Auf Wunsch begleitet die Betreuungskraft auch zu Behördengängen oder Arztbesuchen.
  • Rufbereitschaft: Der Ausdruck der 24-Stunden-Pfegekraft besagt natürlich nicht, dass eine solche ununterbrochen und rund um die Uhr zur Verfügung stehen kann. Auch sie hat Anspruch auf Freizeit und Erholung. Sie schläft in der Nacht in einem separaten Zimmer, ist dort aber in Form einer Rufbereitschaft auch in der Nacht jederzeit erreichbar.

Auswirkungen der Pflegegrade auf die Pflegebedürftigkeit

Bezüglich der Einstufung der Pflegebedürftigkeit hat sich mit der Reform seit 01.01.2017 einiges geändert. Die bisherigen drei Pflegestufen wurden ersetzt durch insgesamt fünf Pflegegrade. Die Zuordnung erfolgt durch das Neue Begutachtungsassessment (NBA), einer Art Fragebogen zur Selbstständigkeit beziehungsweise dem jeweiligen Unterstützungsbedarf. Erfasst werden die Selbstständigkeit sowie die Fähigkeiten eines Menschen in sechs Lebensbereichen (Modulen), die mit unterschiedlicher Gewichtung zur Berechnung eines Punktestandes führen. Die jeweilige Punktezahl bestimmt den Pflegegrad.

Modul 1: Mobilität Gewichtung: 10 Prozent

Modul 2: Kognitive und kommunikative Fähigkeiten Gewichtung: 15 Prozent

Modul 3: Verhaltensweisen und psychische Problemlagen Gewichtung: 15 Prozent Bei Modul 2 und 3 fließt jeweils nur der höhere Wert in die Berechnung mit ein.

Modul 4: Selbstversorgung Gewichtung: 40 Prozent

Modul 5: Bewältigung krankheits- oder therapiebedingter Anforderung sowie der selbstständige Umgang damit Gewichtung: 20 Prozent

Modul 6: Gestaltung des Alltags und der sozialen Kontakte Gewichtung: 15 Prozent

Pflegegrad 1: Geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit

Die Einteilung in diesen Pflegegrad erfolgt, wenn Menschen weiterhin sehr selbstständig, geistig fit und beweglich sind, jedoch bereits etwas Unterstützungsbedarf haben.
Punktezahl: 12,5 bis unter 27

Pflegegrad 2: Erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit

In diesen Pflegegrad werden Pflegebedürftige eingestuft, deren Selbstständigkeit sowie geistige und/oder körperliche Fähigkeiten in erheblichem Ausmaß beeinträchtigt sind. Sie erhalten ein monatliches Pflegegeld von 316 Euro oder ambulante Pflegesachleistungen von bis zu 689 Euro. Außerdem kann seit dem 01.01.2017 ein sogenannter „Entlastungsbeitrag“ in Höhe von 125 Euro monatlich bezogen werden. Mit diesem können beispielsweise Einkaufs- oder Haushaltshilfen finanziert werden.
Punktezahl: Zwischen 27 und unter 47,5

Punkten Pflegegrad 3: Schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit Unter diesen Pflegegrad fallen Menschen, deren Selbstständigkeit stark eingeschränkt ist. Bei häuslicher Pflege durch Angehörige erhalten zu Pflegende ein Pflegegeld von 545 Euro pro Monat. Der Beitrag für Pflegesachleistung beläuft sich auf 1.298 Euro. Auch in diesem Pflegegrad kann der oben erwähnte „Entlastungsbeitrag“ bezogen werden.
Punktezahl: Zwischen 47,5 und unter 70 Punkten

Pflegegrad 4: Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit Diesem Pflegegrad werden Menschen zugeordnet, deren Selbstständigkeit bereits sehr stark eingeschränkt ist. Sie können in diesem Fall über ein monatliches Pflegegeld in Höhe von 728 Euro, Pflegesachleistungen in Höhe von 1.612 Euro sowie den „Entlastungsbeitrag“ von 125 Euro verfügen.
Punktezahl: Zwischen 70 und unter 90 Punkten

Pflegegrad 5: Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen für die Pflegerische Versorgung Diese Menschen haben einen sehr hohen Bedarf an Unterstützung. Sie erhalten 901 Euro Pflegegeld pro Monat, Pflegesachleistungen für insgesamt 1.995 Euro und den üblichen „Entlastungsbeitrag“ in Höhe von 125 Euro.
Punktezahl: 90 bis 100 Punkte

Wer also mit dem Gedanken spielt, eine 24-Stunden-Pflegekraft für seine Angehörigen ins Haus zu holen, der sollte vorab bedenken, dass eine solche, je nach Unterstützungsbedarf, für die Betreuung des Angehörigen nicht immer ausreicht. Gegebenenfalls muss dann zusätzlich ein ambulanter Pflegedienst zur Übernahme einzelner Pflegemaßnahmen beauftragt werden.

Bildnachweis: fotolia - Robert Kneschke