Frühjahr! Die Zeit des Großen-Reine-Machens und der neuen Ideen. Mit diesen Tipps, kommt kein Stress auf.

Die Wochen des grauen Winters scheinen nun wirklich vorbei. Zaghaft versucht die Sonne immer wieder, sich durch die Wolken zu schieben. Es ist an der Zeit, die Gartenstühle auf Balkon und Terrasse zu holen und sich bei einer Tasse Tee und einem schönen Buch an den ersten warmen Strahlen zu erfreuen.

Stattdessen kommt nun zum Vorschein, was den ganzen Winter gut zu verdrängen war – die fast undurchsichtigen Scheiben der Fenster und die grau verstaubten Gardinen, die reparaturbedürftigen Fliesen vor der Eingangstür und das Kinderfahrrad mit dem platten Reifen. Die Oma freut sich, wieder auf einen Spaziergang an der frischen Luft, braucht aber ebenso Begleitung wie Sohnemann auf den Spielplatz. Lust auf Neues zeigt die Chefin, indem sie gleich drei neue Projekte verfolgt, der Partner wartet stündlich mit neuen Gestaltungsvorschlägen für Wohnung oder Haus auf. Höchste Zeit, die Wintersachen auf den Dachboden zu bringen, die Deko zu erneuern, Halbschuhe für die Kinder zu kaufen und zu schauen, ob die Sommerjacke vom letzten Jahr noch passt. Und eigentlich hatte man sich ja vorgenommen, dem Winterspeck zu Leibe zu rücken, sobald das Wetter wieder dazu ermuntert.

Aus der Freude an Sonne, Wärme und Entspannung im Freien wird schnell das Gefühl, an allen Fronten gleichzeitig aus der Winterstarre erwachen zu müssen. Wohl auch dieser plötzliche Moduswechsel von Winterruhe zu Aktivität trägt zur Frühjahrsmüdigkeit bei, die uns ermahnen will, langsam durchzustarten. Was aber tun, wenn Aufgaben in Familie und Beruf drängeln und man sich so sehr vorgenommen hat, mehr Zeit für sich und die Lieben frei zu schaufeln?

Aufgaben unter die Lupe nehmen:

Es lohnt sich, vor dem Sprintstart noch einmal einen Schritt zurück zu gehen und die anstehenden Aufgaben unter die Lupe zu nehmen. Wer es systematisch mag, dem sei folgendes Vorgehen empfohlen:

Nehmen Sie sich eine Viertelstunde Zeit, eine Tasse Kaffee oder Tee und einen großen Bogen Papier. Vermutlich haben Sie längst eine To-Do-Liste für die nächsten Wochen angefertigt. Schauen Sie diese zunächst einmal an und übertragen Sie nun die einzelnen Aufgaben auf den großen Bogen Papier. Am besten schauen Sie gleich, welche Aufgaben zusammen passen und machen Sie daraus eine MindMap. Also z.B. schreiben Sie „Garten“ und dazu alle anstehenden Aufgaben – Rosen abhäufeln, Rasen abharken, Töpfe für Aussaat vorbereiten usw. Bei „Wohnung“ könnte stehen „Fenster putzen“, „Teppiche reinigen lassen“, „Tapete für Bad aussuchen“ usw. Und wenn Sie gerade dabei sind, können Sie auch gleich alle anderen Aufgaben notieren, die vielleicht nicht akut anliegen, aber auch erledigt sein wollen.

Vermutlich haben Sie nun einen sehr vollen Bogen Papier vor sich. Ist Ihnen diese Vorgehensweise zu abstrakt, achten Sie in den nächsten Tagen einfach einmal darauf, was Sie den lieben langen Tag so für Aufgaben verrichten – meist ist es ein Vielfaches von dem, was uns bewusst ist…

Aufgaben bewerten:

Nun bitte ich Sie, die einzelnen Aufgaben zu bewerten – nicht nach Dringlichkeit oder Wichtigkeit, sondern hinsichtlich der Frage, ob SIE die oder der Richtige sind, der oder die für diese Aufgabe wirklich kompetent ist. Kompetenz meint hier die Fähigkeit, Zuständigkeit und Bereitschaft, Aufgaben oder Probleme zu lösen.

Nehmen Sie bitte drei Stifte – grün, gelb und rot und markieren Sie bitte jede einzelne Aufgabe danach, ob die Kriterien für Kompetenz erfüllt sind:

Grün: Diese Aufgabe mache ich immer und das ist in Ordnung, ich bin dafür zuständig und auch bereit und fähig sowieso. Oder: Eigentlich könnten das sicher auch andere machen, aber ich mache es gern, es gibt mir Energie und ich entspanne mich dabei – das kann bei dem Einen das Bügeln, bei der Nächsten das Blumen umtopfen sein.

Gelb: Dies sind Aufgaben, die ich immer mache, bei denen aber eigentlich eines der Kriterien fehlt – also eigentlich könnten das andere besser oder ich bin wahrlich nicht dafür zuständig oder mache es sehr ungern.

Rot: Diese Aufgaben saugen mir Energie, Kraft und Zeit ab. Eigentlich wäre das der Job von Partner, Kinder, Nachbarn oder Kollegen. Und ich habe keine Lust, diese Aufgaben zu erledigen – sie sind aber immer bei mir hängen geblieben und um des lieben Friedens willen mache ich es halt…

Das Umfeld beteiligen

Nun haben Sie einen guten Überblick über das vor Ihnen liegende Aufgabenfeld gewonnen. Dort, wo es grün aussieht, liegen die Herausforderungen, die Ihnen nichts ausmachen. Beginnen Sie mit einer dieser Aufgaben, das gibt Ihnen Schwung und Sie sehen erste Ergebnisse. Mischen Sie immer wieder grüne Aufgaben zwischen die anderen anstehenden Dinge, denn hier finden Sie hohe Zufriedenheit bei wenig Energieaufwand. Nun schauen Sie auf das möglicherweise riesige gelbe Feld. Vielleicht haben Sie manche Aufgaben mit Gelb markiert, weil Sie sie einfach machen ohne groß darüber nachzudenken, ob Sie Lust darauf haben oder eigentlich andere zuständig wären. Hier gilt es sehr genau hinzuschauen. Was müsste passieren, damit die Aufgabe ein „grün“ erreichen könnte? Ich weiß zum Beispiel von zwei Freundinnen, die sich gemeinsam zur Gartenarbeit verabreden – mal auf dem Balkon der einen, mal zwischen den Beeten der anderen. Der Plausch während der Arbeit hebt diese mittelmäßig beliebte Arbeit auf die TopTen der Favoriten.

Müsste die „gelbe“ Aufgabe aber eigentlich in den roten Bereich gehören, sollten Sie unbedingt tätig werden:

Sprechen Sie mit Ihrem Partner und Ihren Kindern über die roten Aufgaben. Erklären Sie, dass Sie hier Kraft lassen und oft unzufrieden sind. Suchen Sie gemeinsam nach Lösungen – das kann innerhalb der Familie sein oder auch außerhalb liegen. Vielleicht ist es dringend an der Zeit, eine Haushaltshilfe zu suchen oder zu vereinbaren, dass der erwachsene Sohn auch mal selbst seine Wäsche wäscht. Möglicherweise brauchen Sie eine studentische Hilfskraft, die Ihre Website pflegt oder ein älteres Kind aus der Nachbarschaft, das der Tochter das Fahrradfahren beibringt.

Natürlich werden Sie nicht alle Arbeiten, für die Sie nicht zuständig oder bereit sind, von heute auf morgen loswerden können. Und manches muss man einfach tun, ob es einem gefällt oder nicht. ABER: meist verbergen sich ziemlich viele heimliche Stimmungskiller auf der To-Do-Liste, die dort nichts zu suchen hätten, wenn man sich dessen nur bewusst wäre. Die Inventur der Aufgaben zu Frühlingsbeginn ist ein guter Start in die aktive Saison. Zeit, Dinge zu hinterfragen, die zum Ballast geworden sind, weil sie selbstverständlich scheinen.

Bildnachweis: fotolia - Robert Kneschke

Vita
Felicitas Richter ist Coach, Beraterin und Autorin von "Schluss mit dem Spagat". Sie ist der Überzeugung: "Ruhe und Gelassenheit inmitten des Sturms findet man in der Konzentration auf das im Moment Wichtigste. Dies kann man lernen – um langfristig gesund und kraftvoll in Familie und Beruf sein Bestes geben zu können."
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