Zeit für mich

Immer zwischen zwei Welten zu agieren, kann befriedigend sein, aber auch sehr herausfordernd. Um so wichtiger, dass Sie sich Zeit für sich nehmen.

Machen wir uns nichts vor: Kinder können nerven. Egal, wie alt sie sind. Der Beruf kann anstrengend sein. Selbst wenn wir ihn die meiste Zeit als Berufung empfinden, Spaß dabei haben und gerne mit den Kollegen zusammen arbeiten. Und dann noch der Partner beziehungsweise die Partnerin. Sicher, er oder sie ist eine Stütze und natürlich sind Sie gerne zusammen. Aber manchmal ist eben auch das zu viel.

Der tägliche Wahnsinn

Kinder, Beruf, Partner. Jeder für sich - kein Problem. Aber alles zusammen kann sich schon mal zu einer großen Herausforderung entwickeln. Morgens anziehen, frühstücken und die Kinder für den Kindergarten und die Schule fertig machen. Ab an den Arbeitsplatz. Alle Aufgaben erledigen. Teilzeitbeschäftige plagt oft das schlechte Gewissen: Sie sind nicht ganz bei der Arbeit, aber eben auch nicht ganz bei den Kindern. Vollzeitangestellte fühlen sich gegenüber ihren Kindern als schlechte Eltern, weil sie nicht da sind, wo sie, nach Meinung vieler, sein sollten: bei den Kindern. Da kommt Druck auf. In den meisten Fällen unbegründet, denn die Kinder empfinden die Berufstätigkeit der Eltern nicht als schlimm.

Nach getaner Arbeit geht es schnell nach Hause, auf dem Weg dorthin noch in Windeseile durch den Supermarkt, damit der leere Kühlschrank Ihnen nicht auch noch die eigene Unzulänglichkeit vor Augen führt. Zuhause warten die Kinder mit ihren Sorgen und Nöte und der Partner mit seinen oder eben die Partnerin mit ihren Anliegen. Der Haushalt läuft nebenbei. Und da der Tag nun einmal nur 24 Stunden hat, bleibt keine Zeit mehr für Sie übrig.

Aber eine Pause ist wichtig! Es bedeutet ja nicht, dass Sie Ihr Kind oder Ihren Partner nicht lieben. Und es bedeutet auch nicht, dass Ihr Haushalt gleich im Chaos versinkt. Es bedeutet lediglich, dass Sie sich mal wieder auf sich selbst besinnen. Und solange der Nachwuchs gut versorgt ist, braucht niemand ein schlechtes Gewissen zu haben. Denn entspannte Eltern sind für die Kinder viel wertvoller als unentspannte.

Kurz, aber gut

Viele berufstätige Mütter würden mit Sicherheit gern mal ein Wochenende in einem schönen Wellnesshotel verbringen und viele berufstätige Väter vielleicht eine längere Motorradtour mit den Kumpels unternehmen. Oder umgekehrt. Um neue Energie zu tanken, kann es aber vollkommen ausreichend sein, sich eine kurze Auszeit zu gönnen - mal raus aus der Mutter- oder Vaterrolle und rein ins „Ich“: Mal wieder ein gutes Buch lesen, mit Freunden entspannt einen Kaffee trinken, ohne dass die Kinder mitmischen. Möglichkeiten gibt es viele. Wichtig ist nur, dass Sie die Zeit ausschließlich für das „Ich“ verwenden und zwischendurch nicht bügeln, die Wäsche zusammenlegen oder einkaufen. „Zeit für mich“ heißt: keine Zeit für andere Dinge.

Auszeit gut vorbereiten

Den reibungslosen Ablauf der „Zeit für mich“ garantiert Ihnen eine perfekte Planung. Zunächst einmal gilt es, den richtigen Zeitpunkt zu finden. Und zu überlegen, was Sie machen wollen. Wenn Sie sich schon lange nichts mehr gegönnt haben, weil Sie immer das schlechte Gewissen plagt: Fangen Sie klein an. Wie wäre es denn mal mit einer entspannenden Massage im Anschluss an einen arbeitsreichen Tag! Hierfür benötigen Sie nur jemanden, der sich für ein bis zwei Stunden um die Kinder kümmert. Ihr Partner oder Ihre Partnerin wird Ihnen diese kurze Zeit gönnen!

Sie wollen mehr? Eine Tagestour? Der Termin hierfür muss auch mit den Terminen im Büro abgestimmt werden. Diesen Zeitpunkt am Besten fest im Terminkalender einplanen. Sind die Kinder schon alt genug um sich ihr Essen selber warm zu machen: Kochen Sie – gemeinsam mit den Kindern - am Abend vor. Sind sie noch zu klein, fragen Sie Freunde, ob sie die Betreuung übernehmen. Vielleicht entwickelt sich daraus ein Tauschgeschäft, von dem jeder profitiert.

Netzwerk nutzen

Das Schöne an Auszeiten ist, dass sie jeder gern hätte. Das verbindet. Warum also nicht zusammen schließen und Netzwerke bilden? Ein altes afrikanisches Sprichwort besagt: „Es braucht ein ganzes Dorf um ein Kind zu großzuziehen.“ Fragen Sie bei befreundeten Familien nach und übernehmen Sie gegenseitig die Betreuung der Kinder.

Auch für die Kinder ist es spannend, den Alltag in einer anderen Familien zu erleben. Wenn beim ersten Mal alles gut klappt, machen Sie einen regelmäßigen Termin daraus. Die Vorfreude auf schon fest stehende freie Nachmittage motiviert und beflügelt Sie garantiert zusätzlich.

Familie einspannen

Großeltern lieben ihre Enkel. Und die Enkel lieben ihre Großeltern. Wenn dann noch Tanten und Onkel hinzukommen – umso besser. Wohnen die Verwandten in der Nähe, können sie auch mal kurzfristig einspringen. Wenn sie weiter entfernt wohnen, können die Kinder bestimmt auch mal ein paar Tage am Stück bei ihnen verbringen. Die Kinder werden von den Großeltern verzogen und zu sehr verwöhnt? „Macht nichts“, sagt Tom Handtmann, Dipl.-Psychologe und Leiter der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und deren Familien in Pforzheim. „Kinder können sehr gut unterscheiden, wer was erlaubt. Solange der Erziehungsstil der Großeltern nicht grob gegen den der Eltern verstößt, ist es für Kinder sogar von Vorteil. Sie lernen unterschiedliche Gemeinschaften, Abläufe und Regeln kennen und das macht sie flexibler.“ 

Hilfe von außen

Unabhängig vom Job und den Kindern aber auch wichtig und zeitaufwändig ist der Haushalt. Geben Sie bestimmte Arbeiten ab! Erinnern Sie sich an die Fernsehwerbung eines bekannten deutschen Staubsaugerherstellers? Eine Familie ist nichts anderes als ein kleines Unternehmen. Nicht alle Aufgaben können innerhalb eines Unternehmens ausgeführt werden. Deshalb geben Unternehmen ihre Arbeiten an externe Dienstleister. Beauftragen Sie eine Putzfrau. Geben Sie Hemden und Blusen in die Reinigung. Gebäudereinigungsfirmen putzen auch Ihre Fenster. Lassen Sie sich helfen!

Das Schwierigste zum Schluss

Sie meinen, Sie können sich keine Zeit für sich nehmen, weil dann „alles liegen bleibt“? Möglich! Vielleicht bleibt alles liegen, aber lassen Sie doch mal fünf gerade sein. Wird an einem Tag mal nicht gesaugt, merkt das keiner, außer vielleicht Sie selbst. Und abgesehen davon, werden Sie nach dieser kurzen Auszeit so entspannt sein, dass Sie diese lästigen Arbeiten mit links erledigen.