Auszeit

Eine Auszeit vom Leben hört sich erst einmal gut an. Doch statt sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, flüchten die meisten einfach nur.

Wer das Problem nicht an der Wurzel packt, für den wird sich nichts ändern. Dieser Überzeugung ist Christina Kropp, ihres Zeichens Auszeitcoach. Sie unterstützt ihre Klienten dort, wo andere Urlaub machen. Bei einer Wattwanderung in Husum oder im Wohnwagen unter Spaniens südlicher Sonne.

Wer einfach nur die Flucht ergreift, wird am Ende wieder dort stehen, wo er angefangen hat, auszusteigen. Genauso sinnlos sei oft ein Coaching, dass nicht selten zwischen Tür und Angel stattfindet – eingequetscht zwischen den ganzen anderen Terminen. Christina Kropp spricht deshalb lieber von der „Auszeit fürs Leben“. Schließlich gehe es darum, dass die Menschen sich wieder selbst begegnen. Und dafür sollte man sich nicht nur einsam in eine Ecke setzen.

Zeit nehmen, über sich selbst nachzudenken

Jeder von uns kennt Situationen, in denen es ausreicht, die Zeitung mit der genüsslichen Tasse Kaffee zu genießen oder bei der Yogastunde abzuschalten. Doch irgendwann reicht dies nicht mehr. Vielen falle es im Alltag schwer, sich Zeit zu nehmen, etwas für sich zu tun und sich mit den eigenen Wünschen zu beschäftigen. Deshalb coacht Kropp die Menschen an Orten, an denen sie die nötige Ruhe, den Abstand und auch Stille finden, um sich selbst zu begegnen. Das kann bei einer Wattwanderung in Husum sein oder am Strand eines kleines Fischerdorfes mit gerade mal 4000 Einwohnern an der Costa Brava.

Allein die Reise dorthin hat etwas Wohltuendes, ist Kropp überzeugt. „Wer die Vorbereitungen für eine Reise in Angriff nimmt, ist schon halb auf dem Weg. Angekommen, hilft es Menschen, statt wie sonst nebenher, dem eigenen Leben echte Aufmerksamkeit zu schenken.“ Sie sollen sich und ihren Schatten an die Hand nehmen, sie sollen sich frei fühlen. Was Kropp damit meint, wird schnell klar, wenn man schaut, wo sie mit ihren Klienten arbeitet. „Wo fühlt man sich frei und unbeschwert?“, fragt sie, wartet eine Antwort jedoch gar nicht ab sondern antwortet selbst: „Sicher in keinem Hotelzimmer, sondern in der Weite. Deshalb wohnen die Menschen in ihrer Auszeit auch in einem hellen und freundlichen Wohnwagen direkt am Meer. Auch das Coaching findet draußen statt.“ Die Natur, kleinere Aktivitäten und Rituale geben Struktur und Stabilität.

Gemeinsam Neues erleben

Nicht jedem liegt das Alleinesein, manche mögen mit der Reise gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Wer täglich im Beruf feststeckt, möchte Auszeit, Urlaub und schöne Stunden mit dem Partner und der Familie verbinden. Auch Alleinerziehende sind oft darauf angewiesen, dass die Kinder gut versorgt sind. Für Christina Kropp kein Problem. Vorausgesetzt, diejenigen, die eine Auszeit benötigen, kommen erstmals allein zu ihr. Einmal im Jahr bietet sie jedoch auch Auszeiten für Gruppen an.

Ähnlich einem Cluburlaub gibt es Programmpunkte für alle Mitreisenden. „Morgens beginnen wir den Tag gemeinsam, anschließend steht das morgendliche Mentaltraining an, für Kinder und Jugendliche gibt es eigene Programme wie Abenteuertouren“, erklärt Kropp den Ablauf einer solchen Auszeit-Reise. Fern der Alltagsstrukturen würden viele Dinge funktionieren, die zu Hause undenkbar wären. Etwa mehrstündige Wanderungen durch Canyons oder gemeinsame kulturelle Ausflüge. Der Einzelne muss dabei nicht zurückstecken. Kropp arbeitet in Gruppen ober Einzelstunden. Dabei sind alle meist in Bewegung, zum Beispiel zu Fuß am Strand oder bei einer Radtour. Kropp gibt keinen Ablauf vor.

Für Kropp ist es immer wieder erstaunlich zu sehen, wie die Gruppenmitglieder sich gegenseitig unterstützen. Teilweise sogar nach ihrer gemeinsamen Auszeit. Freundschaften hätten sich entwickelt. Das gemeinsame Erlebnis schweißt zusammen. „Die gesammelten Sinneseindrücke setzen positive Emotionen frei und diese wirken bis in den Alltag hinein“, erzählt Kropp.