Positives Denken

Gerade dann, wenn man selbst am Limit arbeitet und lebt,  erhebt sich die Frage, ob positiv zu denken nicht eher weitere Belastung als sinnvolle Hilfe ist.

Wie kommen wir in einen negativen Zustand?

Es ist wie ein Mosaik aus vielen Bausteinen. Zum Beispiel sind wir schonlange überlastet bzw. gleichen die hohen Anforderungen in unserem Privat- und Berufsleben nicht genug mit Erholung aus. Die hat Einfluss auf unser Gehirn, denn die Mandelkerne als Stressverarbeitungsstellen werden immer größer und anfälliger für Stress, Ärger etc. je häufiger wir ihn haben. Unser Gehirn liebt sowieso schon Probleme mehr als Positives. Menschheitsgeschichtlich diente es dem Überleben, damit wir uns auf Gefahr konzentrieren. Das hat sich heute verselbstständigt. Wir relativieren nicht mehr, sehen nicht mehr, wie viel Angenehmes, Sinnvolles, Schönes es zur selben Zeit gibt.

Unsere Arbeit, unsere Verpflichtungen haben insofern dabei eine wichtige Rolle, als wir es gern damit übertreiben und geradezu „Stress süchtig“ geworden sind. Abhängigkeit ist unter anderem dadurch gekennzeichnet dass unsere „Droge“ in diesem Fall die Arbeit den wichtigsten Part in unserem Leben ausmacht, die meiste Anerkennung und Befriedigung bringt. Wir glauben, das, was und wie wir es tun, ginge nicht anders, wir müssten alles perfekt machen. Wir meinen, wir hätten keine Alternative zur Überanstrengung.

Die Vorteile der Positivität

Positive Emotionen bringen

  • Entspannung und Schmerzreduktion durch die Ausschüttung von Wohlfühlbotenstoffen
  • die Unterstützung der Selbstregulation, der Selbstheilung des Körpers
  • eine Art mentale Auszeit in akuten Stressphasen
  • eine Relativierung negativer Gedanken indem sie positive stärken.
  • glücklichere Erinnerungen und optimistischere Erwartungen
  • im beruflichen Umfeld Kreativität, Produktivität, bessere Bewertungen
  • mehr Gelassenheit in schwierigen Situationen

Kurzum: Positive Gefühle gleichen die negativen in der Wirkung auf Körper und Geist aus. Allerdings ist die Wirkung der negativen so stark, dass es ein Verhältnis von mindestens 3:1 benötigt.

Positives Denken aus verschiedenen Perspektiven

Wenn alles so wunderbar ist mit dem Positiven Denken, warum tun wir es dann nicht einfach und warum stört es uns manchmal geradezu? Dies sind die Bedenken:

Positives Denken macht Druck

Wenn zu allem anderen auch noch der Anspruch hinzukommt, den steten positiven Blick auf die Welt zu haben, kann das richtig stressen. Es kommt jedoch darauf an, ob ich das „will“ oder „soll“.

Positives Denken macht mich schwach und angreifbar

Im Gegenteil. Die kognitiven Leistungen verbessern sich bei guter Stimmung sogar.

Positives Denken funktioniert nicht

Das könnte passieren, wenn wir zu wenig Ausdauer haben. Oft haben wir über Jahrzehnte das alte Denken trainiert und hoffen dann, in wenigen Wochen alles zu ändern.

Positives Denken heißt die Augen zu schließen vor der Realität

Absolut nicht, denn sich etwas vorzumachen gehört nicht zum Positiven Denken. Es geht dabei um das authentische Wahrnehmen beider Seiten einer Medaille.

Positives Denken braucht Positives als Voraussetzung

Dopamin ist ein Botenstoff, der sich abnutzt, wenn etwas gleich bleibt. Dann sehen wir das Gute gar nicht mehr. Es gibt jedoch in jeder Situation Positives.

Positives Denken geht nur in der Freizeit

Ganz und gar nicht. Aus der Forschung zum „flow“-Zustand wissen wir, dass bei der Arbeit dieser angenehme Hochleistungswohlfühlzustand drei Mal häufiger möglich ist als in der Freizeit.

Positives Denken in der Praxis

Der Volksmund und auch die Forschung sagen, dass die Gefühle die Farbe der Gedanken annehmen und umgekehrt. Beide beeinflussen unsere Erwartungen und unser Verhalten und dies wirkt zurück auf Gefühle und Gedanken.

Tenor aller Ideen ist die Änderung des Fokus: Weg vom Festfahren in Negativem hin zur Unterbrechung, Relativierung, oder Austausch. Die aktuelle Wissenschaft spricht von der Priorisierung von Positivität. Das bedeutet, täglich bewusst nach Situationen und Aktivitäten zu suchen, die positive Gefühle auslösen. Das können wir lernen zum Beispiel so:

1. „Job crafting“, die selbst bestimmte Verbesserung der Arbeit durch kleine Veränderungen Suchen wir nach Dingen, die wir beeinflussen können z.B. die Reihenfolge von Abläufen oder mit wem man wie oft zusammen arbeitet oder wie man den Arbeitsweg nutzt.

2. Das Wecken positiver sozialer Emotionen bei sich und anderen Nehmen wir z.B. bewusst wahr, wer uns unterstützt, wie gut das Team zusammenhält oder wie viel Wertschätzung ein Kunde und entgegen bringt.

3. Wenn wir Gutes tun profitieren wir am meisten davon Kümmern wir uns – mit Freude - um andere. Es wird Oxytozin ausgeschüttet, was Stress ausgleicht und zu Wohlbefinden führt.

4. Humor hilft (fast) immer Notieren wir am Ende des Tages drei lustiger Ereignisse und wir werden am nächsten Tag mehr davon wahrnehmen. Dies wäre auch ein Tipp für Team-Meetings. Gemeinsames Lachen baut Stress ab und Kreativität auf.

5. Aufmerksamkeit verschenken Machen wir öfter „das Geschenk der Zeit“, indem wir fünf Minuten einer Person die volle Aufmerksamkeit schenken und aktiv positiv auf einen Menschen reagieren.

6. Werden wir aktiv Und zwar mit der Frage, was wir genau jetzt und hier dafür tun können, dass es uns besser geht. Und sei es nur aufzuhören, sich aufzuregen oder zu beklagen.

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