sexuelle Belästigung

Eine sexuelle Belästigung unter Arbeitskollegen kann zur fristlosen Kündigung führen. Dies hat das Bundesarbeitsgericht entschiede.

Ein seit 1976 im Unternehmen beschäftigter älterer Herr hatte 2007 eine Abmahnung erhalten, weil er einer Mitarbeiterin einen „Klaps auf den Po“ gegeben hatte. Er konnte es dennoch nicht lassen  und machte Mitte 2008 vier Mal Bemerkungen sexuellen Inhalts gegenüber einer Kollegin, z.B., ob sie noch nie Sex beim Essen gehabt hätte oder dass sie von ihm auch Sex bekommen könnte und dergleichen.

Der Arbeitnehmer versuchte sich damit heraus zu reden, dass er die Kollegin nur habe necken wollen. Zum Glück fanden sowohl der Arbeitgeber als auch der Betriebsrat das gar nicht lustig. Der Arbeitnehmer bekam die fristlose Kündigung. Daraufhin erhob er Klage, die schließlich beim BAG abgewiesen wurde. Der Arbeitgeber hatte zu Recht fristlos gekündigt. Laut BAG reicht es aus, wenn es für den Täter objektiv erkennbar war, dass sein Verhalten unerwünscht ist. Das Opfer einer sexuellen Belästigung muss also nicht aktiv werden. Im vorliegenden Fall hatte der ältere Herr ja auch schon eine einschlägige Abmahnung bekommen und wusste, dass man ein derartiges Verhalten im Unternehmen nicht duldet. Die Bemerkungen gegenüber der Kollegin wurden auch vom BAG als so massiv angesehen, dass auch die lange Betriebszugehörigkeit und das fortgeschrittene Alter dem Mann nicht mehr helfen konnten.

Sexuelle Belästigung verletzt nicht nur das Persönlichkeitsrecht und/oder den Körper des Opfers. Es stellt auch eine Verletzung des Arbeitsvertrages dar. Arbeitnehmer sollten daher stets überlegen, was sie sagen oder tun. Was für den einen ein Scherz ist, bedeutet für den anderen einen Übergriff, der sich für den Scherzbold – zu Recht – zum Bumerang entwickeln kann.

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Vita
Da arbeitsrechtliche Probleme Arbeitnehmer meist auch emotional belasten, geht Fachanwältin für Arbeitsrecht Sandra Flämig berufliche Konflikte interdisziplinär an. Ziel in solchen Rechtsfällen ist es, Probleme auf rechtlicher und persönlicher Ebene zu lösen.
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