Noch immer wird die traditionelle Familie von dem Rest des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens abgespalten. Mit fatalen Folgen!

Eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für uns einfach nicht selbstverständlich. Das ist schlimm! Denn unsere Kinder gehören zu unserem Leben dazu. Sie sind ein Teil davon. Zu diesem Leben gehört aber unter anderem auch der Broterwerb. Kinder sollen ruhig sehen, dass ihre Eltern den Lebensunterhalt verdienen müssen. Sie sollen aber auch sehen, dass beide Eltern gleichermaßen Zeit für das Familienleben haben.

Ein weiteres Hindernis liegt in dem hartnäckigen Vorurteil, dass Teilzeitkräfte weniger leisten, nur Schwierigkeiten machen, weil sie immer dann nicht da sind, wenn man sie braucht und dass die Kinder ja ohnehin immer krank sind.

Ich will aber auch nicht verschweigen, dass manche Frauen blauäugig sind und ein ausgeprägtes Anspruchsdenken haben. Wenn eine Frau sich in der gesamten Elternzeit nicht ein einziges Mal beim Arbeitgeber blicken lässt und vielleicht mehrere Elternzeiten hintereinander schaltet und dann nach 6 oder mehr Jahren in den Betrieb zurückkehrt, braucht sie sich nicht wundern, wenn der Arbeitgeber und die Kollegen gelinde gesagt, zurückhaltend auf ihre Rückkehr reagieren. Wenn sie dann noch sagt, sie komme zurück, weil ihr zu Hause die Decke auf den Kopf fiele, wird sich nicht gerade großer Jubel Bahn brechen. Aus meiner Sicht bleiben viele Frauen einfach zu lang von der Arbeit weg. Außerdem versetzen sie sich nicht in die Lage des Arbeitgebers. Wenn ich aber etwas haben möchte (Teilzeitstelle, die meinen Fähigkeiten entspricht), dann muss ich herausfinden, ob dies überhaupt möglich ist. Man kann nicht mit einem Konzept zum Arbeitgeber gehen aus dem nur die eigenen Wünsche und Vorstellungen herauszulesen sind;  einem Konzept, bei dem klar wird, dass man sich über die Machbarkeit keinerlei Gedanken gemacht hat.

Dies sind also die beiden Seiten der Medaille. Aus meiner Erfahrung als Anwältin kann ich jedoch vermelden, dass die Frauen in den letzten Jahren dazu gelernt haben. Die meisten kommen mit verschiedenen Lösungsmöglichkeiten für ihr Teilzeitbegehren und treten auch in der Regel nicht erst nach 3 Jahren mit ihrem Teilzeitwunsch an den Arbeitgeber heran. Andererseits sind die Vorbehalte auf Seiten der Arbeitgeber immer noch sehr groß. Viele Teilzeitverlangen werden mit einer Abfindung und Beendigung des Arbeitsverhältnisses erledigt. Das ist sehr schade! Den Unternehmen geht dadurch bares Geld verloren, denn die Frauen sind gut ausgebildet - vielfach durch das Unternehmen selbst.

Bei der Gruppe derjenigen Frauen, die versuchen, auf dem freien Markt, eine ihrer Ausbildung entsprechende Teilzeittätigkeit zu finden, ist das Dilemma noch größer. Sie haben keine Möglichkeit an einer qualifizierten Tätigkeit anzuknüpfen. Hochwertige Teilzeitstellen sucht man fast vergeblich.

Es bringt an dieser Stelle nichts, auf die Unternehmen einzuschlagen, die Vorbehalte gegenüber der Erwerbstätigkeit von Müttern haben. Wie oben beschrieben, haben diese Vorbehalte in gesellschaftlichen Konditionen ihren Ursprung.

Es gilt also, in den Dialog zu treten und immer wieder das Selbstverständliche – nämlich die familienverträgliche Elternerwerbstätigkeit – zu propagieren. In dieser gesellschaftlichen Diskussion müssen die Vorbehalte, Bedenken und vielleicht auch Ängste, die einer Elternerwerbstätigkeit entgegen stehen, ernstgenommen und ausgeräumt werden.

Bildnachweis: fotolia - Pathfinder

Vita
Da arbeitsrechtliche Probleme Arbeitnehmer meist auch emotional belasten, geht Fachanwältin für Arbeitsrecht Sandra Flämig berufliche Konflikte interdisziplinär an. Ziel in solchen Rechtsfällen ist es, Probleme auf rechtlicher und persönlicher Ebene zu lösen.
Weitere Artikel des Autors