schlagfertig reagieren

Als berufstätiger Elternteil muss man sich einiges anhören. Von: „Na, halben Tag Urlaub?“ bis „Deine Karriere ist dir wichtiger als dein Kind“. So kontern Sie richtig!

Eigentlich sollte man annehmen, dass wir im 21. Jahrhundert mittlerweile so weit sind, berufstätige Eltern als das Normalste der Welt anzuerkennen. Hört man sich aber auf den Bürofluren, in Kitas, Schulen oder auch in einigen Wohnzimmern um, zeichnet sich ein ganz anderes Bild ab.

Von Bekannten, Verwandten und leider auch immer wieder von Lehrern kommt der Vorwurf, die berufstätige Mutter oder der karrierefokussierte Vater würde sich zu wenig um den eigenen Nachwuchs kümmern. Kein Wunder also, dass die Noten so schlecht sind. Die andere Seite wirft im besten Fall sehnsüchtige Blicke über den Schreibtisch, wenn Sie als Teilzeitkraft um 12 Uhr die Sachen einpacken, um nach Hause zu eilen. Im schlimmsten Fall wird auch hier kräftig aus der Vorwurfskiste verteilt. So oder so sind die Sprüche und Aussagen, die vor diesem Hintergrund getroffen werden, oftmals ungerechtfertigt und verletzend. Aber der passende Konter will Ihnen einfach nicht einfallen? Sie wollen schließlich Ihren Job nicht gefährden oder einen sinnlosen Streit vom Zaun brechen. Mit den richtigen Tricks schaffen Sie es, schlagfertig gegenzuhalten, dreiste Aussagen entsprechend zu quittieren und unbedachte Kommentare einfach an sich abperlen zu lassen.

Stehen Sie zu sich!

Im Berufsalltag bedeutet Schlagfertigkeit nicht, besonders lässig oder lustig zu wirken, sondern, ganz konkret die eigene Position zu stärken, Argumentationsfähigkeit zu beweisen und so im besten Fall der Verwirklichung Ihrer Ziele näherzukommen. Es sei mal dahingestellt, ob die Spitzen Ihrer Kollegen gegen Sie als berufstätigen Elternteil wirklich immer herablassend gemeint sind. Vermutlich ist es oftmals einfach eine gedankenlos in den Raum geworfene Äußerung. Viel zu oft stechen diese Aussagen trotzdem mitten ins Herz: Sie triggern ein schlechtes Gewissen, entweder Ihren Kollegen oder Ihrem Kind gegenüber, lassen Sie schwach oder sogar überfordert aussehen. Damit ist jetzt Schluss.

Seien Sie sich darüber im Klaren: Ihre Souveränität lässt sich an Ihrer Reaktion ablesen. Schnippische Antworten oder beleidigte Rechtfertigungen helfen daher nicht. Häufig übertragen Ihre Kollegen ihr eigenes Wertesystem auf Sie und liegen damit vollkommen daneben. Zum Beispiel sagt Ihre Kollegin: „Du hast es so gut, dass du jetzt nach Hause gehen und dich ausruhen kannst. Ich muss ja noch drei Stunden“. Die Kollegin sagt das, weil sie es vermutlich selbst so halten würde. Vielleicht würden Sie gerne zurückschießen: „Was denkst du denn, was ich zu Hause mache mit zwei Kindern?“ Das hilft Ihnen allerdings nicht. Die Kollegin merkt nur, dass Sie mit Ihrer Aussage voll getroffen hat. Stehen Sie einfach zu Ihrem Leben, ohne sich zu rechtfertigen oder richtig zu stellen: „Genauso ist es. Gut, nicht?“ oder „Das hast du ja messerscharf beobachtet!“ Damit signalisieren Sie, dass Sie zu Ihrem Verhalten stehen und nach eigenen Werten handeln. Dadurch, dass Sie den Vorwurf voll und ganz akzeptieren, gibt es nichts mehr zu diskutieren oder gar zu streiten. Sie bleiben in Ihrer Souveränität.

Nutzen Sie die Psychologenfrage!

Eine andere, universell anwendbare Konterstrategie ist die „Psychologenfrage“. Psychologen fragen nach Emotionen und tiefgründigen Verhaltensmustern. Sie können dieses Muster für Ihre Schlagfertigkeit nutzen, indem Sie einfach nach den Motiven Ihres Gegenübers fragen. Jemand bemerkt: „Ja, die Eltern dürfen sich ausruhen und wir müssen hier die ganze liegengebliebene Arbeit erledigen.“ Psychologenfrage: „Wie fühlen Sie sich eigentlich, wenn Sie mich hier so unberechtigt angreifen?“ In den meisten Fällen werden Sie keine Antwort bekommen – und das ist auch nicht schlimm. Es geht nur darum, dem Gegenüber zu signalisieren, dass Sie sich gar nicht auf sein Diskussionsniveau begeben werden. Eine andere Variante dieser Technik ist die Selbstaussage-Technik. Der Kommentar: „Du schiebst doch nur die Kinder vor, weil du nicht arbeiten willst.“ Sie kontern: „Diese Bemerkung sagt viel mehr über dich aus als über mich! Denk mal drüber nach.“ Lassen Sie diese Aussage einfach so stehen. Keine Diskussion. Sollte Ihr Gesprächspartner nachfragen „Wie meinst du das?“, wiederholen Sie einfach: „Denk mal drüber nach. Du kommst bestimmt selbst drauf.“ Beide Varianten können Sie universell auf fast jeden Angriff anwenden. Sprachlosigkeit muss also nicht sein.

Interpretieren Sie Vorwürfe um!

Es gibt allerdings auch gehässige Kommentare gegen Eltern, die durchaus so gemeint und nicht etwa ein Versehen sind. Dazu zählen Aussagen wie: „Was soll aus deinem Kind mal werden, wenn dir die Arbeit immer wichtiger ist?!“

Hier dürfen Sie gerne etwas offensiver vorgehen. Eine gute Taktik ist, den Vorwurf umzuinterpretieren und dem Gesprächspartner elegant seine Dreistigkeit vor Augen zu führen. Der Fokus Ihres Gesprächspartners ist auf das Negative gerichtet. Sie können diesen einfach umdrehen und den Blickwinkel auf das Positive richten. Manchmal ist der spitze Kommentar bereits die perfekte Vorlage. Zum Beispiel: „Was soll aus deinem Kind mal werden, wenn dir die Arbeit immer wichtiger ist?!“ – „Ein selbstständiger und souveräner Mensch.“ Oder Sie antworten etwas ausführlicher: „Deine Aussage bedeutet, dass ich meinen Job gern mache, meinem Kind ein gutes Vorbild bin und ihm dadurch wichtige Werte fürs Leben vermittele. Ich sehe keinen Fehler.“

Pauschalaussagen: Ein Beispiel reicht!

Übrigens: Pauschalaussagen können Sie durch ein einziges Gegenbeispiel aushebeln. Sie suchen sich dafür einen Fall heraus, für den die Aussage nicht zutrifft. Ein Beispiel ist der Kommentar im Titel des Artikels: „Sie sind doch eh nie da!“ Ihre Antwort: „Und mit wem reden Sie dann gerade?“ Oder „Eltern denken immer nur an Ihre Kinder.“ – „Sie irren sich. Gerade denke ich darüber nach, was ich Ihnen antworten soll.“ GeLASSENheit: Lassen Sie die anderen einfach! So hart es auch ist: Nicht jeder wird die Anspannung und die prallen To-do-Listen verstehen, die berufstätige Eltern Tag für Tag begleiten. Viele, die nicht schon einmal in derselben Situation waren, können es vielleicht auch gar nicht. In dem Fall ist es wichtig, dass Sie lernen, mit entsprechenden Bemerkungen gelassen umzugehen und sie nicht zu nah an sich heranzulassen. Das funktioniert mit folgenden Methoden:

Zügeln Sie Ihre Erwartungen an andere: Wann immer ein Gefühl der Enttäuschung über Sie hinwegrollt, liegt das daran, dass Erwartungen und Hoffnungen unerfüllt geblieben sind. Aber niemand steckt in Ihrer Haut oder kann Ihre Gedanken lesen. Wenn Sie also das nächste Mal denken: „Das ist doch selbstverständlich“, erinnern Sie sich daran, dass nur Sie allein wissen können, welche Reaktion Sie sich erhofft haben.

Verstehen Sie Angriffe als Botschaft: In jedem Vorwurf steckt auch immer eine Botschaft über den Sender. Eine spitze Bemerkung kann Angst, Unsicherheit oder Neid des Angreifers ausdrücken, aber auch Interesse oder einfach Unwissenheit. Befreien Sie sich also von der Einstellung, ein unbedachter Kommentar sei immer nur spezifisch gegen Sie als Person gerichtet.

Verabschieden Sie sich von Perfektion: Sie sind nicht perfekt, ich bin nicht perfekt und Ihr Gegenüber ist es auch nicht. Menschen haben Macken, so ist es nun einmal. Konzentrieren Sie sich darauf, Ihren eigenen Vorgaben gerecht zu werden und gestehen Sie anderen zu, dasselbe zu tun – und auch mal Fehler zu machen.

Mit diesen Tipps und Tricks sind Sie bestens für kommende Situationen gewappnet, in denen Kollegen oder Bekannte mal wieder einen verbalen Tiefschlag vornehmen. Viel Erfolg bei Ihren schlagfertigen Kontern.

 

Über den Autor:

Gero TeufestGero Teufert ist Bestseller-Autor, Speaker und Management-Trainer für Charisma, Schlagfertigkeit und Rhetorik. Als Account Manager und Management Consultant war er für große internationale Konzerne tätig. Heute gibt er sein Wissen auch im Rahmen seiner Lehraufträge an mehreren deutschen Hochschulen sowie in seinem Unternehmenstheater „Impro For Business“ weiter. Gero Teufert beweist seit vielen Jahren, dass Charisma, Ausstrahlung und gekonnte Rhetorik keine gottgegebenen Eigenschaften sind, sondern sich bei jedem Menschen beeinflussen und verbessern lassen. Seine Leidenschaft ist es, Menschen zum Strahlen zu bringen und sie zu befähigen, echte Wirkung zu erzielen: natürlich, nachhaltig und authentisch. http://gero-teufert.de

 

Ihr Rüstzeug für den Konter

Techniken der Schlagfertigkeit für DummiesSie sind manchmal sprachlos bei Vorwürfen, kritischen Fragen, Killerphrasen oder verbalen Tiefschlägen? Techniken der Schlagfertigkeit für Dummies hilft Ihnen, auf verbale Attacken witzig, wortgewandt und rhetorisch überlegen zu reagieren und selbst dann noch angemessen zu kontern, wenn der Gesprächspartner unter die Gürtellinie zielt. Verschiedene Techniken ermöglichen es Ihnen, Ihre Konter- und Assoziationsfähigkeit schrittweise zu stärken. So können Sie mit Standardsätzen selbst in Stresssituationen schlagfertige Antworten aus dem Ärmel schütteln. Lernen Sie, souverän zu reagieren und dabei Humor ins Spiel zu bringen. Überwinden Sie Ihre Sprachlosigkeit, zücken Sie den verbalen Degen und schlagen Sie zurück!

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