Ausgezeichnete Arbeitgeber

Wer Beruf und Familie vereinbaren will, kann dies am Besten in einer familienbewussten Unternehmenskultur. Aber welche Auszeichnungen sagen was aus?

Immer mehr Unternehmen setzen bei ihrer Suche nach den Besten auf Auszeichnungen wie Great Place to Work, das Audit der Beruf und Familie Service GmbH, dem Siegel von Total E-Quality, um nur die größten und bedeutendsten zu nennen. Neben den bundesweit aktiven Audits, Wettbewerben und Siegeln gibt es aber auch zahlreiche regionale Organisationen, die Unternehmen auf ihr Familienbewusstsein überprüfen. Während man bei den deutschlandweiten und den überregionalen Auszeichnungen davon ausgehen kann, dass der Bewertungsprozess sehr ausgeklügelt und die Jury sehr kompetent besetzt ist, sieht das bei rein regionalen Auszeichnungen und Auszeichnungen schon etwas anders aus. Einige sind nur auf einen bestimmten Zeitraum beschränkt, weil sie beispielsweise aus EU-Fördermitteln finanziert werden oder verfügen schlichtweg nicht über die finanziellen Möglichkeiten, um den Prozess so aufzustellen, dass alle Facetten abgedeckt sind oder auch ein Vertiefen ermöglicht wird. Wurde das Unternehmen, für das Sie sich entschieden haben mit einem der hier aufgelisteten Auszeichnungen geehrt, können Sie aber davon ausgehen, dass es sich zumindest um ein Unternehmen handelt, das erkannt hat, dass Familienbewusstsein kein „nice to have“ ist, sondern sich ernsthaft um einen Wandel in der Unternehmenskultur bemüht.

Unternehmenswettbewerb „Erfolgreich.Familienfreundlich“ (Bayern)

2016 richtete der Familienpakt Bayern erstmals den Unternehmenswettbewerb „Erfolgreich.Familienfreundlich“ aus, für den sich kleine, mittlere und große Unternehmen, aber auch privatwirtschaftlich organisierte Unternehmen der öffentlichen Hand bewerben können. Auch wenn es sich hierbei um eine noch sehr junge Auszeichnung handelt, kann man schon sagen, dass diese Auszeichnung durchaus eine Aussagekraft hat. Die Unternehmen müssen sich einer so umfangreichen Befragung unterziehen, dass man schon fast von einer Auditierung sprechen kann. Prädikat „Familienbewusstes Unternehmen“ (Baden Württemberg) – Mit diesem Prädikat wird das Engagement zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie Organisationen und Einrichtungen der Sozialwirtschaft gewürdigt. Teilnehmende Unternehmen müssen zunächst einen Fragebogen zur Selbsteinschätzung beantworten. Anhand der Rückmeldungen findet im Unternehmen ein Interview sowohl mit der Unternehmensleitung als auch mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus dem Unternehmen statt. Ein unabhängiges Gutachtergremium bewertet abschließend die Ergebnisse und vergibt das Prädikat. 


„Unternehmen für Familie“ (Berlin)

Für diese Auszeichnung bewerben können sich Unternehmen aller Größen – vom kleinen Betrieben mit weniger als 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, bis hin zu Unternehmen mit mehr als 100 Angestellten. Eine Auszeichnung erhält, wer seiner Belegschaft gute Möglichkeiten für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglicht. Alle ausgezeichneten Unternehmen finden Sie unter: www.familienbeirat-berlin.de/unternehmen-fuer-familie/

„Ausgezeichnet Familienfreundlich“ (Bremen)

Unternehmen, die sich für diese Auszeichnung bewerben, müssen sich dafür Fragen in den fünf Handlungsfeldern, unter anderem bezüglich der betrieblich unterstützte Kinderbetreuung und Angehörigenpflege sowie Wiedereinstieg, stellen. Gefolgt von einem ausführlichen Gespräch mit Vertretern und Vertreterinnen aus der Geschäftsführung, der Personalleitung, dem Betriebsrat sowie bei Bedarf weiteren Mitarbeitenden. Auf der Seite www.ausgezeichnet-familienfreundlich.de/wir-sind-ausgezeichnet finden Sie einen Überblick über alle ausgezeichneten Unternehmen.

Gütesiegel „Familienfreundlicher Arbeitgeber Land Hessen“

Ausgezeichnet werden hier ausschließlich Dienststellen des Landes Hessen. „Unternehmer des Jahres“ (Mecklenburg-Vorpommern) – In der Kategorie „Familienfreundliches Unternehmen“ werden hier jährlich Unternehmen ausgezeichnet, die sich in besonderer Art und Weise für die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie einsetzen. Alle ausgezeichneten Unternehmen finden Sie unter www.unternehmerpreis-mv.de.

Gütesiegel „Familienfreundliches Unternehmen“ (Saarland)

Wer ein Gütesiegel erhalten möchte, muss in fünf Handlungsfeldern rund um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bereits Maßnahmen umgesetzt und mindestens einen nachhaltigen Verbesserungsvorschlag für die kommenden zwei Jahre entwickelt haben. Das Siegel wird für einen Zeitraum von zwei Jahren vergeben. Danach besteht die Möglichkeit der Re-Zertifizierung. Eine Liste der Unternehmen findet sich auf der Webseite der Servicestelle Arbeiten und Leben unter „Best-Practice“ - „Siegelträger“. www.arlesaar.de/best-practice/siegeltraeger/statements

Audit attraktiver Arbeitgeber (Schwarzwald)

Das erste Audit, das von ausgebildeten Auditorinnen und Auditoren der IHK begleitet wird, ist eine „Standortbestimmung“. In dieser wird anhand einer Mitarbeiterbefragung herausgefunden, wie familienbewusst das Unternehmen aufgestellt ist. Dafür wird eine Mitarbeiterbefragung durchgeführt, an der mindestens 60 Prozent der Belegschaft teilnehmen müssen. Unternehmen mit einem über alle Handlungsfelder durchschnittlichen Wert von 60 Prozent erhalten das Audit in Bronze, bei einer Zustimmung von mehr als 75 Prozent gibt es das Audit in Silber und für Gold müssen mehr als 85 Prozent zustimmen. Allerdings dürfen niedrigere Werte in einem Handlungsbereich (außer bei Führungs- und Unternehmenskultur) durch höhere Werte in anderen Bereichen ausgeglichen werden.

FaMi-Siegel (Lüneburg, Uelzen)

Das FaMi-Siegel des Überbetrieblichen Verbund Frau + Wirtschaft Lüneburg.Uelzen e.v. Mit dem FaMi-Siegel werden Unternehmen ausgezeichnet, die ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf aktiv und kreativ unterstützen. Ausgezeichnet werden Unternehmen, die anhand der Auswertung eines ausgefüllten Fragebogens, die Mindestpunktzahl erreichen. www.famisiegel.de

Auszeichnungen der Lokalen Bündnisse für Familie

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat die Initiative „Lokale Bündnisse für Familie“ Anfang 2004 ins Leben gerufen und eine Servicestelle eingerichtet, die aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds unterstützt wird. Mittlerweile gibt es mehr als 660 Lokale Bündnisse für Familie, von denen viele Familienfreundliche Unternehmen aus ihrer Region auszeichnen. Während die Fragebögen einiger Bündnisse eher rudimentär sind, arbeitet andere eng mit Auditoren des berufundfamilie zusammen. Um herauszufinden, ob es auch in ihrer Nähe ein Bündnis für Familie gibt, sollten Sie sich auf der allgemeinen Internetseite www.lokale-buendnisse-fuer-familie.de umschauen. Bietet „Ihr“ Bündnis auch ein Zertifikat oder eine andere Auszeichnung an, prüfen Sie es anhand der folgenden Fragen. Bei den meisten Bündnisse ist der Prozess sehr transparent. Welche Kriterien werden abgefragt? Wie qualifiziert sind die Juroren? Wie nachhaltig ist die Auszeichnung?

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