Jobstudie Was junge Mütter im Job wollen

Mütter werden auf dem Arbeitsmarkt oft benachteiligt. Trotzdem kehren heute mehr Frauen schon ein Jahr nach der Geburt zurück in den Beruf. Was wünschen sie sich im Job?

Kinder gelten vielen Chefs auch heute noch als berufliches Hindernis – wenn es um Frauen geht. Doch immer mehr Mütter kehren schon nach dem ersten Geburtstag ihres Kindes ins Berufsleben zurück, wie Studien zeigen. Hier wächst ein berufliches Potenzial, das von vielen noch unterschätzt wird.

Im Direktvertrieb arbeiten bereits jetzt vergleichsweise viele Mütter und ihre Zahl steigt. Der Bundesverband Direktvertrieb hat in einer repräsentativen Jobstudie untersuchen lassen, was Frauen mit einem Kind unter drei Jahren im Jahr 2018 von ihrem Job erwarten.

Fehlende Kinderbetreuung verhindert Mehrarbeit

Die Jobstudie „Wie junge Mütter arbeiten wollen“ zeigt, dass die Familie für die Frauen fast doppelt so wichtig ist wie Beruf und Freizeit. Über 80 Prozent der Befragten setzen so ihre Prioritäten, unabhängig von Alter und Wohnort.

Das bedeutet aber nicht, dass Mütter mit kleinen Kindern nicht arbeiten wollen. Viele gaben an, dass sie mit einer Ganztagsbetreuung für den Nachwuchs wahrscheinlich mehr Zeit im Beruf verbringen würden (31 Prozent). 59 Prozent würden sogar sehr wahrscheinlich mehr arbeiten.

Eine fehlende Kinderbetreuung ist für mehr als die Hälfte der Mütter der Grund, keinen Job oder keinen Vollzeitjob anzunehmen. Hätten sie eine Ganztagsbetreuung für ihr Kind, würden sie sich vom Arbeitgeber einen Zuschuss wünschen und gerne flexibel im Homeoffice arbeiten.

Was Mütter vom Job erwarten

Zwei Drittel der befragten Frauen bevorzugen eine Teilzeittätigkeit, um Familie und Beruf zu vereinbaren. Nur ein Drittel wünscht sich einen Vollzeitjob. Egal wie viel gearbeitet wird: Was Mütter wollen sind vor allem ein gutes Gehalt (52 Prozent), flexible Arbeitszeiten (45 Prozent) und ein Job in der Nähe des eigenen Wohnortes (39 Prozent). Was nicht der Familie zugutekommt, landet weiter hinten auf der Wunschliste. Dazu gehören zum Beispiel die Anerkennung der eigenen Leistung (26 Prozent), wenig Stress (16 Prozent), spannende Aufgabengebiete (11 Prozent) und Aufstiegs- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten (9 bis 11 Prozent).

Vollzeitjobs in der Stadt beliebter

Beim Wunsch nach Wertschätzung und einem Vollzeitjob zeichnen sich Unterschiede innerhalb Deutschlands ab: In Großstädten sind Ganztagsjobs fast ebenso beliebt wie kürzere Arbeitstage. Auf dem Land bevorzugen dagegen 71 Prozent eine Teilzeittätigkeit.

Wertschätzung im Osten wichtiger, Flexibilität im Westen

Auch die Wünsche der Frauen in Ost- und Westdeutschland unterscheiden sich: Im Osten ist den Frauen die Wertschätzung und Anerkennung der eigenen Leistung wichtiger. Sie möchten fast ebenso gerne Vollzeit wie Teilzeit arbeiten. Im Westen wünschen sich dagegen mehr Frauen flexible Arbeitszeiten, wenig Stress und eine Teilzeitbeschäftigung.

Selbstständigkeit als Chance und Risiko

Selbstständig zu arbeiten ist für viele Mütter eine Chance: Fast ein Drittel verbindet damit freie Zeiteinteilung und die Möglichkeit zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Etwa ebenso viele Frauen fürchten aber auch existenzielle Unsicherheit. Diese Sorge ist neben dem unregelmäßigen Einkommen und einer fehlenden Geschäftsidee der wichtigste Grund für Mütter, sich nicht selbstständig zu machen.

Wer bereits selbstständig war, sieht die Sache allerdings deutlich positiver, hat weniger Angst vor existenzieller Unsicherheit und versteht eine selbstständige Tätigkeit eher als Möglichkeit zur Selbstverwirklichung.

Mütter brauchen bessere Rahmenbedingungen

Die Jobstudie zeigt, dass Mütter mit kleinen Kindern ein auf dem Arbeitsmarkt unterschätztes Potenzial sind. Ein Großteil der Frauen würde wahrscheinlich mehr arbeiten, wenn er könnte. Dafür müssen aber die Rahmenbedingungen stimmen. Das bedeutet für viele Branchen, sich auf die Bedürfnisse der Frauen einzustellen. Dann steigt auch der Anteil der Mütter mit kleinen Kindern, wie die Erfahrungen im Direktvertrieb zeigen.

Die vollständige Studie gibt es hier zum Download: www.direktvertrieb.de

Bildnachweis: Stígur Már Karlsson /Heimsmyndir

Über die Gastautorin:

Elke Kopp, Vorstandsmitglied beim Bundesverband Direktvertrieb Deutschland (BDD)

Über den BDD:

Der Bundesverband Direktvertrieb Deutschland e. V. (BDD) vertritt als Branchenverband der deutschen Direktvertriebswirtschaft die Interessen namhafter Direktvertriebsunternehmen, die ganz unterschiedliche Produkte bzw. Leistungen verkaufen. Dazu gehören z. B. Haushaltswaren, Bauelemente, Nahrungsmittel, Weine, Kosmetik, Schmuck und Accessoires, Heimtiernahrung sowie Energiedienstleistungen. Die Direktvertriebsbranche in Deutschland bietet über 800.000 Vertriebspartnern eine Tätigkeit mit flexibler Zeiteinteilung. Die selbständigen und größtenteils weiblichen Berater verkaufen außerhalb von Geschäftsräumen Waren und Leistungen im Wert von über 16 Mrd. Euro an Endkunden.