Mobbing Eltern

Nicht immer wird die Nachricht über eine Schwangerschaft von den Vorgesetzten und/oder Kolleg*innen freudig aufgenommen. Tipps zum Umgang mit Mobbing.

Ebensowenig wird jede Mutter, die aus der Elternzeit oder einer längeren Familienzeit wieder an den Arbeitsplatz zurückkehrt, von allen mit offenen Armen empfangen. Entgegen der weitläufigen Meinung, dass es nur wenige nennenswerte Fälle von Diskriminierung von Müttern gibt, findet Mütter-Mobbing öfter statt als angenommen und bekannt.

Das Mobbing so verschiedenen wie die Opfer

Nicht immer zeigt sich Mütter-Mobbing offen. Oftmals verbirgt es sich hinter beispielsweise Besprechungen, die zu Zeiten angesetzt werden, die es der Mutter, aber selbstverständlich auch dem Vater, schwer machen, den Nachwuchs rechtzeitig aus der Kita abzuholen. Auch beliebt sind Kommentare, insbesondere gegenüber Teilzeitkräften: „Du hast es gut. Du kannst schon nach Hause.“ Oder wenn die Mutter/der Vater rechtzeitig das Büro verlässt, um den Nachwuchs abzuholen: „Arbeitest Du neuerdings nur noch Teilzeit?“ Mal kann das lustig sein. Immer wieder geäußert, wird daraus Mobbing.

Für ihr Buch „Mütter unerwünscht“ hat Christina Mundlos zahlreiche Mütter interviewt. Betroffene erzählen davon, dass Erkrankungen ihre Kinder immer wieder negativ kommentiert wurden. Ein Phänomen, das nicht nur auf Kolleg*innen zutrifft. Werdende Mütter berichten auch davon, von ihren Führungskräften gemobbt zu werden. So werden sie bei spannenden Projekten nicht mehr mit eingeplant und müssen sich plötzlich mit uninteressanten Aufgaben abgeben. Schwangere werden, obwohl sie signalisiert haben, keine Elternzeit zu nehmen, lediglich während des Mutterschafts“urlaubs“ nicht anwesend zu sein und für diese Zeit auch alles organisiert haben, entgegen vorheriger Absprache nicht befördert. Hoch motivierte Rückkehrerinnen werden auf’s Abstellgleis gestellt und landen auf Positionen weit unter ihren Fähigkeiten. Rechtlich haben diese Frauen keine Handhabe. Ein Arbeitgeber ist nicht verpflichtet, die Stelle für die Rückkehrerin freizuhalten. Er ist lediglich dazu verpflichtet, ihr nach der Rückkehr einen Job im Unternehmen zu bieten. Aber selbst wenn vor der Elternzeit vereinbart wurde, dass die Mutter auf ihren alten Job zurückkehren kann, ist sie nicht vor Mobbing sicher.

Die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers

Jeder Arbeitgeber ist im Rahmen der Fürsorgepflicht für seine Mitarbeitenden dazu verpflichtet, gegen Mobbing am Arbeitsplatz vorzugehen. Aber nicht nur aufgrund der gesetzlichen Verpflichtung sollte die Bekämpfung von Mobbing in seinem Interesse sein. Auch der Imageschaden kann beträchtlich sein. Es ist daher ratsam, Mobbing schon im Keim zu ersticken.

  • Alle Mitarbeitenden, insbesondere die Führungskräfte, sollten regelmäßig für das Thema Mobbing sensibilisiert werden.
  • Führungskräfte sollten zum Umgang mit Mobbing geschult werden. Sinnvoll ist es auch, Führungskräften eine „To-Do-Liste“ an die Hand zu geben, die darüber informiert, welche Schritte einzuleiten sind.
  • Tätigkeiten und die Verantwortlichkeiten müssen eindeutig verteilt sein.
  • Entscheidungen im Betrieb sollten so offen wie möglich gehalten werden – das gilt insbesondere für Absprachen mit einzelnen Mitarbeitenden. Unabhängig davon, ob diese Absprachen getroffen wurden, um Eltern, pflegenden Angehörigen oder eines ehrenamtlich Engagierten bei der Ausführung ihres Jobs zu unterstützen.
  • Empfehlenswert ist auch eine Betriebsvereinbarung gegen Mobbing am Arbeitsplatz zu entwerfen und abzuschließen.
  • Die Ernennung eines Mobbing- bzw. Konfliktverantwortlichen kann ebenfalls dabei helfen, Streitigkeiten schon früh zu schlichten.
  • Sobald es zu einem Konflikt zwischen Mitarbeitenden kommt, sollte der Arbeitgeber/die Führungskraft eingreifen und schlichten.
  • Ist das Mobbing auf einen Fehler in der Arbeitsorganisation zurückzuführen, muss dieser schnellstmöglich behoben werden.

Auch unbeteiligte Kolleg*innen können Mobbingopfern helfen, indem sie den Kontakt zu der betroffenen Person suchen und Hilfe anbieten oder den oder die Vorgesetzte über die Beobachtungen informieren.

Als Betroffene*r richtig reagieren

In machen Unternehmen hat Mobbing System. In anderen ist es nicht gewollt und auf eine nicht optimale Absprache zwischen der Schwangeren oder Mutter und dem Arbeitgeber zurückzuführen. Die Ursachen für das Schwangeren- und Mütter-Mobbing sind so unterschieden wie die Frauen und Männer, die gemobbt werden. Unter Kolleg*innen kann es zu Konflikten kommen, wenn die Mutter immer wieder wegen des Kindes ausfällt. Sei es, weil der Nachwuchs vermehrt krank ist – der Normalfall insbesondere während der ersten Wochen in der Kinderbetreuung. Oder weil die Mutter jetzt vermeintlich Privilegien hat, die den Kolleg*innen nicht gewährt werden. Grundsätzlich gilt: Mobbingopfer sollten nicht kündigen. Ist es der gemobbten Mutter nicht mehr zuzumuten, sich jeden Tag dem Mobbing durch die Kolleg*innen oder Führungskraft auszusetzen, kann sie sich krank schreiben lassen. Soweit sollte man es aber nicht kommen lassen. Auch sollte man nicht sofort zu arbeitsrechtlichen Maßnahmen greifen. Gleichzeitig ist es aber auch nicht ratsam, die Vorfälle zu ignorieren oder sich schönzureden. Bevor Betroffene sich rechtlichen Beistand holen, sollten sie zunächst versuchen, die Situation zu analysieren und die Angelegenheit dann „im kleinen Kreis“ zu regeln. Gemobbte sollten sich dazu folgende Fragen stellen

  • Welche Verhaltensweisen meinerseits sorgt dafür, dass ich gemobbt werde?
  • Warum verhält sich der Mobber mir gegenüber derart aggressiv?
  • Verteidigen sich die Angreifer eventuell nur, weil sie sich selbst gemobbt oder angegriffen fühlen?
  • Bin tatsächlich ich die Zielscheibe oder ist es meine Beziehung zum Führungskraft oder anderen?

In einem zweiten Schritt kann es sinnvoll sein, sich direkt mit dem Mobber auseinander zu setzen. Manchmal ist Angriff die beste Verteidigung – allerdings sollte man im Gespräch immer sachlich bleiben und nicht das Gegenüber beleidigen. Oftmals lassen Mobber von ihren Opfern ab, wenn sie offen mit der Frage nach dem „Warum“ konfrontiert werden und merken, dass sich ihr Gegenüber nicht in die Opferrolle drängen lässt und eventuell sogar mit Konsequenzen droht.

Sich mit anderen Betroffenen zu unterhalten oder einfach „nur“ mit dem Partner, schafft oftmals schon eine erste große Erleichterung. Es ist aber auch durchaus ratsam, sich Hilfe von außen zu holen. Viele Unternehmen haben mittlerweile Beratungsverträge mit EAP (Employee Assistance Program) Dienstleistern. Hier können Hilfesuchende Beratungsleistungen jeglicher Art in Anspruch nehmen. In aller Regel reicht das Angebot vom telefonisch und anonym, wenn gewünscht auch dem persönlichen face to face, Gespräch über die Moderation von Konfliktgesprächen zu Zweit oder in der Gruppe bis hin zur Mediation.

Darüber hinaus sollten sich die gemobbten Schwangeren, Mütter und Väter, sofern sie die Angelegenheit zunächst innerhalb des Betriebes klären möchten, zunächst an die Führungskraft und dann an den Betriebsrat zu wenden. Geht das Mobbing von der Führungskraft aus, ist der Betriebsrat die erste Anlaufstelle. Denn der Betriebsrat kann bei arbeitsrechtlichen Fragen beratend unterstützen und gegebenenfalls zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmerin vermitteln. Darüber hinaus kann man sich aber auch die Berufsverbände oder die Gewerkschaften wenden. Auch diese bieten eine Beratung zum Thema Mobbing.

Erst wenn alle innerbetrieblichen Möglichkeiten ausgeschöpft sind und das gewünschte Ergebnis nicht erzielt wurde, sollten Betroffene sich Rat von einem Anwalt oder einer Anwältin für Arbeitsrecht oder der Antidiskriminierungsstelle des Bundes holen. Landet die Angelegenheit vor dem Arbeitsgericht und erweist sich als zutreffend, muss der Arbeitgeber sanktionieren. Im Notfall auch mit externen Beraterinnen und Beratern.