Die Situation für Berufsrückkehrerinnen ist in vielen Ländern Europas ähnlich. Fast überall müssen Mütter beim Wiedereinstieg viele Hindernisse überwinden.

Kasseler Modellprojekt für Berufsrückkehrerinnen startet in London und Groningen

Kinderbetreuung ist nach wie vor "Frauensache". Kein Wunder, dass viele Arbeitgeber daher glauben, dass Mütter oft ausfallen, um sich z.B. im Krankheitsfall des Kindes um dieses zu kümmern. Selbst dann, wenn die Eltern die Betreuung ihres Nachwuches optimal geregelt haben.

In Deutschland ist die Situation sogar noch drastischer als in vielen unserer europäischen Nachbarländer. Bei uns geben viele Frauen nach der Geburt ihres Kindes ihren Arbeitsplatz auf – zumindest für einige Zeit. Kommen sie zurück, üben sie meist eine Teilzeitbeschäftigung aus, um sich intensiver der Betreuung ihres Kindes widmen zu können. Männer behalten nach der Geburt ihres Kindes in der Regel ihre Arbeitsstelle, in vielen Fällen arbeiten sie sogar mehr als vorher. Es gibt zahlreiche Belege, dass jede dritte Frau nach der Geburt eines Kindes für eine lange Zeit berufsbezogen inaktiv bleibt.

Europaweit Frauenbeschäftigungsrate auf 60 Prozent

Aufgrund des Fachkräftemangels besteht seitens der Wirtschaft zurzeit aber die Notwendigkeit die Arbeitskraft der Frauen in vollem Umfang zu nutzen. Und dies ist auch ein Grund, warum die Europäische Union sich verstärkt um die Qualifizierung von Berufsrückkehrerinnen kümmert. Die Anhebung der Frauenbeschäftigungsrate auf 60 Prozent in der Europäischen Union ist weiterhin vor dem Hintergrund der alternden Erwerbsbevölkerung in Verbindung mit einem zu erwartenden Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter in den Mitgliedstaaten zu sehen. Ein weiteres wichtiges Ziel der EU ist aber auch, dass Frauen zukünftig dieselben Chancen auf eine berufliche Karriere haben wie Männer.

Wiedereinsteigerinnen qualifizieren

Damit Berufsrückkehrerinnen mit aktuellem Wissen wieder aktiv ins Berufsleben einsteigen können, sind fast immer Anpassungsfortbildungen nötig. Denn im Arbeitsleben ändern sich die Anforderungen rasant. Aktuelle Computerkenntnisse und veränderte Kenntnisse im kaufmännischen Bereich sowie der Soft Skills sind nötig. Und dies ist in allen europäischen Ländern gleich. Aus diesen Gründen startete diese Woche in London (Großbritannien) sowie in Groningen (Niederlande) ein gemeinsam mit der Frauencomputerschule Kassel entwickeltes europäisches Qualifizierungskonzept für Berufsrückkehrerin. Diese online-Form wurde gewählt, damit auch Frauen teilnehmen können, die noch in der Erziehungszeit sind und deshalb bisher keine Betreuung für ihre Kinder haben. Frauen aus ländlichen Gegenden haben häufig sehr lange Wege zu möglichen Schulungszentren. Dadurch ist es schwieriger für sie an Fortbildungen teilzunehmen. Diese Erkenntnisse zeigen den Bedarf für flexible Online-Trainings, die bereits während der Erziehungszeit durchgeführt werden können.

Individuelle Fortbildungsmodule

Die Fortbildungsmodule können sich die Frauen individuell zusammenstellen oder diese komplett durchlaufen. Sie gliedern sich in drei größere Bereiche: Überfachliche, betriebswirtschaftliche und IT-Kompetenzen. Insbesondere informell erworbene Fähigkeiten und Kenntnisse, die nicht in der Schule oder Ausbildung erworben wurden, werden im Hinblick ihrer beruflichen Relevanz bisher nur ungenügend berücksichtigt. Frauen verfügen gerade durch ihre Erziehungserfahrung über diese Kom- petenzen, wie Verantwortungsbewusstsein, Organisationstalent, Flexibilität, Kreativität und Konfliktlösungsfähigkeit. Das Ziel der online-Qualifizierung bei diesem Modul besteht in der Visualisierung und Bewertung dieser Kompetenzen für potenzielle Arbeitgeber. Um dieses Ziel zu erreichen, wird der "KOMpetenzPASS-Berufsrück- kehr " als Basis genutzt und nach erfolgreicher Erprobung in England und Holland als transnationales Instrument transferiert.

Weitere Infos zum Projekt: Frauencomputerschule ItF e.V., Wilhelmshöher Allee 164, 34119 Kassel, Fon 0561 35161 Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, web: www.Frauencomputerschule-Kassel.de

Bildnachweis: Jasmijn Werkt