Charisma

Wer seine Zeit zwischen Beruf und Familie aufteilen will, muss intelligent und wirkungsvoll agieren, damit er mit seinen beschränkten Ressourcen alle Ziele erreichen kann. 

Mit Charisma auf ganzer Linie effektiver

„Ich will aber keinen Salat!“ Die achtjährige Leonie sperrt sich und sieht ihre Mutter Anna herausfordernd an. Anna hat nach einem stressreichen Arbeitstag noch rasch frische Zutaten für einen gesunden Salat eingekauft. Sie ist müde und wünscht sich jetzt ein entspanntes Abendessen, bei dem alle in Harmonie um den Tisch sitzen. Angesichts ihrer zum Kampf entschlossenen Tochter spürt Anna, dass sie kurz davor steht, die Nerven zu verlieren.

Machtanwendung schadet

Derartige Situationen verleiten dazu, sich mit Macht durchzusetzen. Immer dann, wenn das Gegenüber sich in einer abhängigen Position befindet, besteht die Möglichkeit zum Drohen, Strafen, Einschüchtern, Erpressen, Locken und Belohnen. Es sprechen jedoch drei gute Gründe gegen diese Form der Durchsetzung:

  1. Sie kann die Beziehung schwer belasten. Wer sich machtvoll durchsetzt, verstärkt auf diese Weise immer das Gefälle in einer Beziehung und erschwert die Kommunikation auf Augenhöhe. Machtausübung ist der Feind jeder Partnerschaft.
  2. Es kommt beim Gegenüber zu keiner Einstellungsänderung. Zwar mag es für den Betreffenden opportun sein, die Erwartungen seiner Umgebung zu erfüllen, aber das ändert nichts an seinen Überzeugungen. Das gewünschte Verhalten ist daher instabil. Das macht die dauerhafte Ausübung von Kontrolle nötig und kostet den Mächtigen viel Energie.
  3. Gerade mit Drohungen und Strafen ruft man beim Gegenüber unbeabsichtigt unerwünschtes Verhalten hervor: Menschen reagieren darauf mit Kampf, Flucht oder Resignation. Diese Reaktionen wirken sich weder im Job noch in der Familie vorteilhaft aus.

Es spielt keine Rolle, wie alt oder in welcher Situation das Gegenüber ist: Der Chef/Kollege/Mitarbeiter/Kunde reagiert auf Machtausübung nicht anders als ein Kind. Es werden dabei immer dieselben Gefühle ausgelöst und dieselben Verhaltensmuster aktiviert. Außerdem haftet jeder machtvollen Durchsetzung etwas Beschämendes an, es liegt etwas zutiefst Unwürdiges darin – nicht nur für den Unterlegenen! Wer also jemand anderen zu einem bestimmten Verhalten bewegen will, tut gut daran, wenn irgend möglich auf Machtmittel zu verzichten.

Einfluss statt Macht

Wer freiwillig den entwürdigenden Machtmitteln abschwört, braucht eine Alternative. Er muss andere Mittel finden, um seine Mitmenschen zu erwünschtem Verhalten bewegen zu können. Dies gelingt mit einer besonderen Form innerer Stärke: dem Charisma. Es erlaubt uns, andere zu beeinflussen ohne die beschriebenen Machtmittel zu verwenden. Charisma lässt sich allerdings nicht vortäuschen. Echtheit ist Voraussetzung, damit charismatische Verhaltensweisen Wirkung zeigen. Wer also Macht durch Einfluss ersetzen will, kommt nicht umhin, an sich zu arbeiten. Aber es ist eine Arbeit, die sich vielfach auszahlt:

Charismatische Menschen können sich nicht nur leichter Gehör verschaffen, sie scheinen sogar generell ein anderes und besseres Leben zu haben als der Durchschnitt. Man bringt ihnen überall viel Respekt und Sympathie entgegen, sie genießen große Beliebtheit, gewinnen leicht das Vertrauen ihrer Umgebung, erhalten viele Beziehungsangebote, steigen im Job leichter auf und verdienen besser. Als Vorgesetzte haben sie motiviertere und leistungsstärkere Teams. Sie scheinen privat und beruflich leichter überzeugen zu können.

Eine solche Ausstrahlung ist niemals das Ergebnis schauspielerischer Leistung, weil sich Charisma vor allem körpersprachlich vermittelt und wir mit dem Körper nur schlecht lügen können. Zum Glück stellt Charisma entgegen verbreiteter Überzeugung jedoch keine schicksalhafte Gabe dar, sondern lässt sich einüben.

Die drei Komponenten charismatischer Ausstrahlung

Charisma ist ein Mentalzustand, der sich in der Körpersprache niederschlägt. Denn was wir fühlen, strahlen wir unweigerlich aus. Charisma entsteht, wenn folgende drei Haltungen vorhanden sind:

Präsenz: Wer eine überzeugende Ausstrahlung besitzt, befindet sich uneingeschränkt im Hier und Jetzt. Menschen mit Einfluss sind für gewöhnlich hellwach und aufmerksam. Das vermittelt dem Gegenüber zum einen das angenehme Gefühl, wirklich wahrgenommen zu werden. Zugleich erzeugt diese Wachheit aber auch die Gewissheit, dass dem charismatischen Interaktionspartner nichts entgeht und ihm fragwürdiges Verhalten sofort auffallen wird.

Wärme: Hierbei handelt es sich um ein grundsätzliches Wohlwollen gegenüber anderen Menschen. Es kann auf vielfältige Weise zum Ausdruck gebracht werden. Sämtliche Formen einer warmherzigen Haltung wie Freundlichkeit, Großzügigkeit und Anteilnahme lassen Vertrauen entstehen und erzeugen im Gegenüber den Wunsch, sich ebenfalls entgegenkommend zu zeigen.

Macht: Sie war, genau wie Wärme, bereits für unsere frühen Vorfahren von größter Bedeutung. Denn wer sich einen wohlwollenden und mächtigen Menschen zum Verbündeten machen kann, hat bessere Überlebenschancen. Daher sind diese Eigenschaften heute noch wichtig. „Macht“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die betreffende Person sich selbst und die Dinge im Griff hat. Dazu gehört, sich innerlich stark zu fühlen, den Herausforderungen des Lebens gewachsen zu sein und über ausreichendes Selbstvertrauen zu verfügen.

Die Fähigkeit, den unterschiedlichsten Situationen mit großer Wachheit zu begegnen, anderen Menschen aufrichtiges Wohlwollen entgegenzubringen sowie an sich selbst zu glauben, ist trainierbar. Sie beruht auf einer bewussten Entscheidung und erfordert Konzentration. Folglich ist man niemals aus Versehen charismatisch und auch niemals rund um die Uhr für 365 Tage im Jahr. Vielmehr wird Charisma ein- und ausgeknipst.

Typische Kennzeichen einer charismatischen Persönlichkeit

Charismatische Menschen fallen auf. Je stärker sie die genannten Haltungen verinnerlicht haben, desto deutlicher ist ihr Verhalten davon geprägt. Ihr Wohlwollen bringen sie beispielsweise zum Ausdruck, indem sie aufrichtiges Interesse an anderen zeigen, sie aussprechen lassen, ihnen Respekt zeigen, ihnen neidlos Gutes gönnen, zu Hilfeleistungen bereit sind, sich an fremden Erfolgen mitfreuen können, anderen ihre Fehler verzeihen, ihnen niemals etwas Schlechtes unterstellen, andere großzügig an ihren Ressourcen teilhaben lassen. Auch Macht zeigt sich auf vielfältige Weise: durch eine entspannte Körperhaltung, einen aufrechten Gang, eine tiefe und unaufgeregte Stimmlage, eine ruhige und bestimmte Sprechweise, durch häufige Aufnahme von Blickkontakt, selbstbewusste raumgreifende Gesten, durch ihre Fähigkeit, aus eigener Initiative Kontakte aufzunehmen und zu beenden, eigene Bedürfnisse und Wünsche mit Selbstverständlichkeit zu äußern, durch die grundsätzliche Bereitschaft, Herausforderungen anzunehmen etc. All das entspringt der inneren Sicherheit und Stärke. Es lässt charismatische Menschen leichter und häufiger an ihr Ziel kommen. Sie besitzen Einfluss und können Situationen für sich entscheiden. Charisma ist ein ausgezeichnetes Mittel, um die eigene Effektivität zu erhöhen, aber bei weitem nicht das einzige.

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lemper pychlauÜber die Autorin

Marion Lemper-Pychlau ist Expertin für Arbeitsfreude. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen zu zeigen, wie sich Arbeit befriedigender gestalten lässt und dies tut sie als Topreferentin und Autorin. Die Diplom-Psychologin berät in ihrem Institut www.winners-lodge.de Unternehmen u. a. zu den Themen Leistungsfähigkeit und Kreativität. Auf dem Blog www.alltagsintelligenz.com zeigt sie, wie sich die vielen Herausforderungen des Alltags intelligenter bewältigen lassen. Marion Lemper-Pychlau lebt und arbeitet in Königstein im Taunus.

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