Nach der Elternzeit zurück in den alten Job oder noch einmal den Neuanfang wagen? Welche Schritte sind für den Neuanfang wichtig und wie gelingen diese?

BERUFLICHE WÜNSCHE VERWIRKLICHEN

Früher war alles anders…. Man entschied sich meist früh im Leben für einen Beruf und fand hoffentlich einen sicheren Arbeitsplatz bei einem guten Arbeitgeber. Befördert wurde Schritt für Schritt und letztendlich wartete ein abgesicherter Ruhestand. Doch diese Zeiten sind längst vorbei und ob sie besser waren, muss jeder für sich entscheiden. Heute sind Karrieren selten gradlinig. Sie weisen Umwege und Brüche auf und bieten gerade deshalb die Chance, noch einmal etwas ganz Neues zu wagen.

Insbesondere während der Elternzeit geraten viele Mütter, abgeschnitten vom beruflichen Arbeitsleben, in eine Selbstbewusstseinskrise. Sie meinen nicht in den „alten Job“ zurück zu können, da sie den Anschluss verpasst hätten. Sie meinen, während der Elternzeit „nichts“ gemacht zu haben.

Elternkompetenzen

Dabei haben gerade sie viele Schlüsselqualifikationen erlernt, die der heutige Arbeitsmarkt dringend braucht:

Empathie 

Sich in Babys und kleine Kinder, die selber ihre Wünsche und Bedürfnisse noch nicht äußern können oder die kleinen und großen Dramen des Kinderalltags hinzuversetzen

Organisationstalent 

Haushalt, einkaufen, mit dem Baby zum Babyschwimmen, die Große rechtzeitig vom Kindergarten abholen und nebenbei noch den nächsten Geburtstag organisieren, all das bekommen Eltern und hier meist die Mütter unter einen Hut

Flexibilität 

Meisten kommt alles anders, als man geplant hatte. Dann fällt an einem Tag alles in sich zusammen, was wir so schön geplant hatten. Der Mann geht auf Geschäftsreise ausgerechnet an dem Tag, an dem er ausnahmsweise das Kind hätte vom Kindergarten abholen sollen, weil man selber an diesem Tag einen längeren Termin hat. Stehen dann keine Omas, Tanten, Onkel zur Verfügung, heißt es flexibel zu sein und neu zu organisieren.

Durchhaltekraft

Auch wenn durchwachte Nächte, weil das Baby zahnt oder das Kind Fieber hat einem die Kraft rauben, stehen Eltern trotzdem am nächsten Morgen auf und bewältigen den neuen Tag wie geplant, wenn`s sein muss über Woche mit so einem Programm.

Verantwortungsvermögen 

Alles hinwerfen und auf Weltreise gehen? Für Eltern kommt das nicht in Frage. Ein Kind bedeutet Verantwortung, Sicherheit und Berechenbarkeit für das Kind zu übernehmen.

Wer als Mutter oder Vater den Familienalltag gestaltet, erwirbt Schlüsselqualifikationen, die auch für den Job wichtig sind!

Berufstätige Eltern haben in ihrem Alltag für Ausreden wie „keine Lust, zu müde, krank, keine Zeit“ keinen Platz. Ihr Leben wird, zumindest in den ersten Lebensjahren der Kinder, meist fremdbestimmt. Drei Jahre in einer derartigen Schule genügen, um den Personalchef von der eigenen Team- und Kommunikationsfähigkeit zu überzeugen. Die Schule, durch die sie gegangen sind, macht sie am Ende zu den am besten organisierten, zielstrebigsten, führungsstarken und teamfähigsten Mitarbeitern. Ein unschätzbares Kapital für die Berufswelt. Grund genug, mit Selbstbewusstsein ins Arbeitsleben zurück zu streben!


DIE EIGENE PERSPEKTIVE KLÄREN

Haben Sie schon mal überlegt, vielleicht etwas ganz anderes zu machen? Einen Neuanfang zu starten? Wichtig dabei ist, sich die eigenen Qualitäten bewusst zu machen. Egal ob sie zurück in den alten Job möchten, eine Selbständigkeit oder ein neuer Job anstreben. Am Anfang sollte eine Bestandsaufnahme stehen. Was hat sich dann in ein bis zwei Jahren in Ihrem Job verändert? Was ist besser geworden und eventuell schlechter.

Sammeln Sie dafür alles was Ihnen in den Kopf kommt. Ohne Einschränkungen. Notieren Sie Wünsche, Idealvorstellungen, aber auch Ihre Fragen und evtl. Zweifel. Betrachten Sie dabei verschiedene Ebenen wie z.B. Einkommen, Gefühle, äußere Umstände etc..

Stellen Sie sich aber auch folgende Fragen:

  • Warum will ich wieder arbeiten?
  • Wo will ich in 10 Jahren stehen?
  • Beruflich und privat?
  • Was bedeutet diese Vision für mein Vereinbarkeitsmodell Wann möchte ich bei meinem Kind sein?
  • Wer bin ich?
  • Was kann ich?
  • Wo will ich hin?

Zielfindung

Filtern Sie aus den im Schritt eins gesammelten Notizen, die für Sie wichtigsten Antreiber heraus und bringen Sie diese auf den Punkt. Welche Ziele verfolgen Sie damit, sich beruflich neu zu orientieren?

Wenn Sie Ihre Ziele definiert haben, sind Sie schon ein wenig schlauer. Vielleicht merken Sie durch diese Übung auch, dass Ihre Motivation im Moment noch nicht so groß genug ist, etwas zu verändern oder den nächsten Schritt in eine neue berufliche Herausforderung zu gehen. Das ist vollkommen in Ordnung. Besser Sie merken es jetzt als später, wenn Sie bereits eine Fortbildung gebucht oder Bewerbungen geschrieben haben.


Es kann aber auch sein, dass Sie starke Antreiber gefunden haben und sagen: „Ja, ich will es jetzt anpacken!“. Dann sollten Sie auf keinen Fall den zweiten Teil dieser Serie verpassen. Denn dann geht es darum, zu entscheiden, welcher Ihr Weg sein könnte.

Auch heute ist eine berufliche Unterbrechung zur Kindererziehung immer noch ein typischer Lebensabschnitt von Frauen. Die meisten von ihnen wünschen sich aber eine Rückkehr in den Beruf. Das zeigen auch die Statistiken: Die Mehrheit der Frauen mit Kindern ist heute erwerbstätig. Doch egal, ob Sie kurz nach der Geburt wieder zurück in den Beruf möchten oder länger ausgesetzt haben, die Rückkehr in den Beruf stellt viele Frauen vor neue Herausforderungen.

Beginnen Sie Ihren Wiedereinstieg rechtzeitig zu planen und klären Sie, bevor Sie einen neuen Job antreten oder in den alten zurückkehren einige Fragen:

  • Was wird sich ändern, wenn Sie zu arbeiten beginnen?
  • Wann ist der richtige Zeitpunkt für Ihren Wiedereinstieg?
  • Wie kann die Familienarbeit neu verteilt werden?
  • Wie organisieren Sie Ihre Woche neu?
  • Welche Möglichkeiten der Kinderbetreuung kommen in Frage und welche können Sie sich leisten?
  • Wer hilft bei Krankheit und in Ferienzeiten?
  • Wie viele Stunden können Sie wöchentlich arbeiten?
  • Welche Arbeitsorte können Sie mit welchem Verkehrsmittel erreichen?
  • Wie sieht Ihr bisheriger Berufsweg aus? Welche Fähigkeiten und Kenntnisse haben Sie?
  • Wie und wo können Sie Wissen auffrischen, und wie finanzieren Sie eine Weiterbildung? Kommt eine Ausbildung (z.B. in Teilzeit) in Frage?
  • Können Sie bei Ihrer bisherigen Arbeitsstelle wieder einsteigen?
  • Haben Sie aktuelle und aussagekräftige Bewerbungsunterlagen?
  • Wie bereiten Sie sich auf ein Vorstellungsgespräch vor?

Gar nicht so leicht dies alles zu beantworten und sich selber auch noch gut zu verkaufen. In jedem Fall ist es wichtig, dass Sie sich die Unterstützung Ihrer Familie sichern und Sie den Wiedereinstieg ins Berufsleben als Prozess betrachten.


Am Ball bleiben

Unabhängig davon, wie lange Ihre Babypause dauert, sollten Sie diese Zeit wertsteigernd für Ihre Berufstätigkeit nutzen. Natürlich haben Sie sich in erster Linie dazu entschlossen ganz für Ihr Kind da zu sein, sich dem Muttersein hinzugeben. Ihr Leben ist seit der Geburt ein ganz anderes, als früher. Sie und Ihr Partner müssen erst in diesem neuen Leben ankommen, sich zurechtfinden und der neue Mensch in Ihrer Mitte stellt seine ganz eigen Ansprüche. Es sei Ihnen gegönnt, doch bitte vergessen Sie nicht, dass Kinder nur eine sehr kurze Zeit klein sind und ihre Eltern intensiv brauchen. Die Ablösung vom Elternhaus beginnt inzwischen bereits im Kindergarten. Ihr Kind lernt neue Freunde und neue Interessen kennen und möchte diesen nachgehen. Sie aber haben dann noch einige Jahre Berufstätigkeit vor sich. Hinzukommen die unschönen Statistiken, die niemand gerne hört, die aber wichtig sind bei der Entscheidung, die Berufstätigkeit fortzusetzen und zwar nicht mit einem Mini- oder 450 Euro Job. Denn kommt es zu einer Scheidung oder dem frühen Tod des Partners, haben es Frauen, die im Beruf lange ausgesetzt haben, schwer, für ihren Unterhalt und den ihrer Kinder zu sorgen. Nicht selten geraten sie durch Minijobs und Co. auch in die Altersarmut. Es ist also umso wichtiger, dass Sie unabhängig bleiben und sich um Ihre Altersversorgung selbst kümmern. Wenn diese ganzen Faktoren nie auf Sie zutreffen und die finanziellen Rahmenbedingungen stimmen, dann stärkt eine Berufstätigkeit auf jeden Fall Ihr Selbstwertgefühl. Außerdem bringt eine Berufstätigkeit zusätzlichen Spaß und Anerkennung. Sie haben Kontakte außerhalb der Familie. Hören und reden über andere Themen und erweitern Ihren Horizont.

Während der Elternzeit mit dem Arbeitgeber in Kontakt bleiben

  • Bieten Sie bei geklärter Kinderbetreuung an, Urlaubs- und Krankenvertretungen zu übernehmen.
  • Rechtlich ist es möglich im Rahmen der Elternzeit bis zu 30 Stunden in der Woche zu arbeiten.
  • Fragen Sie nach einem Mentoring Programm oder überlegen Sie, ob erfahrene Kollegen und Kolleginnen Ihnen helfen können, den Kontakt zum Betrieb zu halten.
  • Lesen Sie Fachmagazine.
  • Lassen Sie sich einen externen Zugang zum Intranet geben und bitten Sie darum, Veröffentlichungen per Post zu erhalten.
  • Gehen Sie zu betrieblichen Veranstaltungen (Sommerfest, Weihnachtsfeier, Produktpräsentationen etc.)

Weiterbildung in der Elternzeit

Nutzen Sie die Auszeit vom Job für eine Fortbildung. Neben Weiterbildungsmaßnahmen, die vielleicht sogar Ihr Arbeitgeber anbietet, ließe sich auch über ein Studium an einer Hochschule oder Fernuni nachdenken. Es gibt sogar Universitäten, an denen Sie abends studieren können, während Ihr Partner sich um das Kind kümmert. Bedenken Sie allerdings, dass ein konzentriertes Arbeiten nur möglich ist, wenn jemand sich um Ihr Kind kümmert, sollte Ihr Kind nicht eines dieser wunderbar pflegeleichten Babys sein, dass die meiste Zeit des Tages verschläft.

Fragen Sie Ihren Arbeitgeber, ob er sich an den Kosten beteiligt, denn die Firma kann diese Kosten steuerlich absetzen und sichert gleichzeitig Ihre Qualifikation. Unter bestimmten Umständen (z.B. drohender Verlust des Arbeitsplatzes) können Sie auch finanzielle Unterstützung von der Agentur für Arbeit erhalten. Erkundigen Sie sich bei der Behörde an Ihrem Wohnort.

Es gibt viele Möglichkeiten, nach einer Babypause wieder in den Beruf einzusteigen. Dies ist der vierte und letzte Teil dieser Artikel Serie und am Ende all Ihrer Überlegungen, sollten Sie nun wissen, ob Sie in den alten Beruf zurück wollen. Ob Sie vielleicht in einen neuen Job beim gleichen Arbeitgeber oder zu einem anderen Arbeitgeber möchten. Möglicherweise steht am Ende aller Überlegungen auch der Wunsch etwas Neues zu wagen. 

Um für sich zu entscheiden, wie es nach der Babypause weitergehen soll, ist es ganz wichtig, die eigenen beruflichen Zukunftsgedanken, Wünsche und Pläne zu konkretisieren. Haben Sie sich schon mal überlegt, wie Ihr Traumjob aussehen könnte? Ganz unabhängig vom vorherigen Job oder von Gelerntem? Lassen Sie Ihren Gedanken freien Lauf.

Hilfreich ist es, wenn Sie sich folgende Fragen stellen:

  • Wie sieht mein Traumjob aus? Visualisieren Sie vor dem geistigen Auge den Traum- oder Wunschjob. Halten Sie dabei fest, was diesen Job für Sie so attraktiv macht. Welche Stärken möchten Sie dort einbringen? Was motiviert Sie?
  • Stellen Sie sich eine für Sie positive Arbeitsumgebung vor, Ihre Wunscharbeitszeit und vor allem Aufgaben, denen Sie gewachsen sind, die Sie aber auch herausfordern. Was sollte der Wunschjob noch bieten?
  • Wie viel direkt umsetzbares Wissen aus dem vorherigen Beruf können Sie dem Arbeitsmarkt anbieten?

Waren Sie früher gut in Ihrem Job, egal ob als Verkäuferin, Sachbearbeiterin, Trainerin, Beraterin oder in welchem Bereich auch immer. Sie werden das grundlegende Handwerkszeug nicht verlernt haben, auch wenn Sie sich nach einer langen Pause mit neuen Inhalten auseinandersetzten müssen. Haben Sie in einem Bereich gearbeitet, der sich schnell weiterentwickelt, ist es sinnvoll, sich nochmals die vorhandenen Qualifikationen bewusst zu machen. Vergessen Sie dabei nicht die neuen Kompetenzen, Kenntnisse und Erfahrungen die Sie in den letzten Wochen und Monaten der Familienpause gewonnen haben. 


Als Mutter Karriere machen

Entscheidend für die gelungene Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind folgende Fragen:

  1. Was verstehen Sie persönlich unter Karriere?
  2. Wie sehen Sie Ihre Chancen?
  3. Wie schaffen Sie selber Gelegenheiten, das zu erreichen, was Ihnen wichtig ist und führen ein zufriedenes Familienleben?
  4. Welches Familieneinkommen ist derzeit nötig, um die laufenden Kosten inklusive finanzieller Rücklagen zu decken?
  5. Welche Anschaffungen stehen an?
  6. Welche Ressourcen stehen Ihnen zur Verfügung? Z.B. Charaktereigenschaften, Verbündete, finanzielle Mittel, Konw How, Zeit, Ausdauer, Erfolge. Machen Sie eine Liste all Ihrer Stärken, Talente und sonstigen Ressourcen.
  7. Was brauchen Sie noch?
  8. Was hält Sie davon ab, die ersten Schritte zu tun?

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie sehr gerade wir Mütter dazu neigen, unsere eigenen Talente und Fähigkeiten unter den Scheffel zu stellen. Wie häufig wir, wie mit einer angezogenen Handbremse durch unser Leben manövrieren. Wie häufig wir uns einsetzen und engagieren und doch begleitet uns das Gefühl:
 Das kann doch nicht alles gewesen sein?
 Das Gefühl von: Da schlummert noch mehr in mir! So fühlen wir uns häufig nicht wertgeschätzt und gesehen, hetzten von Termin zu Termin, bringen unsere eigenen Talente und Fähigkeiten nur in abgeschwächter Form zum Ausdruck. Und vergessen am Ende uns selber ganz. Die Umgebung, das System, die Gesellschaft, die Umstände, so lauten die häufigsten Begründungen.

Es ist Zeit die Handbremse zu lösen, das Abstellgleis zu verlassen und das Ruder des Lebens wieder selbst in die Hand zu nehmen!

Diese Artikelserie ist ein Auszug aus dem Coaching Programm „Beruflicher Wiedereinstieg – gut geplant ist klar gewonnen“, das Sie in sieben Modulen von der Bekanntgabe der Schwangerschaft bis hin zum gelungenen beruflichen Wiedereinstieg begleitet. Jedes Modul ist einzeln buchbar oder als Paket. Mehr Informationen finden Sie auf www.vereinbarkeit-von-beruf-und-familie.info