So finden Sie in nur vier Schritten Ihre ganz persönliches Elternzeit-Modell.

Die Regularien und gesetzlichen Vorgaben zu Elternzeit und Elterngeld zu kennen, ist eine Sache. Herauszufinden, was zur eigenen Familie und zur aktuellen Situation passt, eine ganz andere. Mein Tipp: beginnen Sie mit einem „Wunschzettel“! Entwickeln Sie Ihr bevorzugtes Modell. Nur wenn Sie wissen, was Sie möchten, können Sie es auch bekommen – und eventuell dafür kämpfen!

Was möchte ich selbst?

Die wichtigste Frage, die Sie sich zunächst beantworten sollten, ist die nach Ihren eigenen Wünschen.

  • Wie viel Zeit möchten Sie in den ersten Lebensmonaten (Jahren) mit Ihrem Kind verbringen?
  • Was bedeutet es für Sie, wenn Sie eine Zeitlang im Job „aussetze“?
  • Wo liegen Ihre Prioritäten?
  • Mit welcher Lösung würde Sie sich am wohlsten fühlen?

Diese Fragen sollte jedes Elternteil erst mal für sich allein und möglichst frei von den Erwartungshaltungen der Menschen drumherum beantworten. Kompromisse sind in den meisten Konstellationen nötig, oft auch aus praktischen Aspekten. Wenn Sie die Balance zwischen Familie und Beruf gut hinbekommen wollen, ist Ihr Wohlbefinden mit der Situation entscheidend. Daher sollten Sie – egal, ob Sie Mutter oder Vater werden - mit einer größtmöglichen Klarheit bezüglich Ihrer eigenen Wünsche in die Planung gehen!

Was möchte meine Partnerin / mein Partner

Wenn Sie nicht alleinerziehend sind, sind natürlich auch die Wünsche Ihres Partners oder Ihrer Partnerin wichtig. Sprechen Sie miteinander.

  • Wo passen Ihre Wünsche zueinander?
  • Wo gibt es konträre Interessen?

Entwickeln Sie gemeinsam Ihr Wunsch-Modell und überlegen Sie, welche Lösungen es für die kritischen Fragen geben kann.

Die Knackpunkte finden

Was brauchen Sie, um Ihr gemeinsames Wunschmodell zu realisieren?

Wenn Sie oder beide vor dem dritten Lebensjahr Ihres Kindes arbeiten wollen, ist eine gute Kinderbetreuung notwendig. Klären Sie, welche Betreuungsformen in Ihrem räumlichen Umfeld zur Verfügung stehen:

  • Gibt es qualifizierte Tagesmütter oder –väter in Ihrer Nähe?
  • Welche Kitas oder Elterninitiativen gibt es, die Kinder unter drei Jahren betreuen?  Wie sind die Betreuungszeiten und was kostet das?

Sprechen Sie auch mit den werdenden Großeltern, Freundinnen und Freunden. Wer kann und möchte Sie unterstützen? Egal, ob sie die Betreuungszeit hauptsächlich abdecken oder mal einspringen sollen, wenn’s brennt – es ist gut, früh zu wissen, auf wen Sie zählen können.

Die Finanzierung

Das liebe Geld ist sicher auch oft einer der Knackpunkte. Rechnen Sie aus, ob Sie sich Ihr Wunschmodell finanziell leisten können. Eine gute Hilfe sind dabei der Elterngeldrechner des Familienministeriums.

Last but not least spielt natürlich auch der Arbeitgeber eine Rolle: Wenn Sie in der Elternzeit Teilzeit arbeiten wollen, brauchen Sie die Zustimmung Ihres Arbeitgebers. Auch, wenn Sie einen Anspruch auf Teilzeitarbeit haben, braucht es Absprachen. An welchen Tagen können Sie wie lange arbeiten, können Sie von zu Hause aus arbeiten?  Wenn Sie Klarheit haben, was Sie für Ihre Familie möchten, sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber! Natürlich müssen Sie Ihre Wünsche zur Elternzeit erst sieben Wochen vor Beginn mitteilen. Wollen Sie aber in der Elternzeit mit einer reduzierten Stundenzahl arbeiten, müssen Sie dies deutlich früher (nämlich drei Monate vorher) geltend machen. Gerade, wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Wunschmodell realisierbar ist, sollten Sie dies abklären!

Realitäts-Check

  • Wenn Sie alle für Sie relevanten Informationen haben, steht die kritische Prüfung an: Lässt sich das Wunschmodell, dass Sie sich mit Ihrem Partner/ Ihrer Partnerin bzw. als Alleinerziehende für  sich selbst überlegt haben, realisieren?
  • Wenn nicht - was könnten Sie ändern, um Ihrem Wunschmodell doch zumindest möglichst nahe zu kommen?
  • Mit welchem Kompromiss geht es Ihnen gut?

Wenn Sie eine echte Kröte schlucken müssen – z.B. weil die Finanzen sonst nicht stimmen oder der Arbeitgeber Ihren Wünschen nicht nachkommen kann -  überlegen Sie, was für Sie zum Ausgleich ein „Sahnehäubchen“ sein kann. Was hilft Ihnen, damit Ihnen die Kröte nicht das Leben sauer macht? Falls Sie in der Elternzeit arbeiten möchten, aber nicht können, könnte z.B. eine Fort- oder Weiterbildung ein gutes Trostpflaster sein. Oder – falls Sie mehr arbeiten müssen, als sie wollen – ein Tag, der für Sie und Ihr Kind reserviert ist!

Oft ist es gar nicht so einfach, das Wunschmodell zu leben. Bei den einen scheitert es schon an den scheinbar unvereinbaren Wünschen der werdenden Eltern. Bei anderen macht der Arbeitgeber einen Strich durch die Rechnung oder die Finanzen drohen in eine Schieflage zu geraten. Scheuen Sie sich nicht, auch professionelle Unterstützung anzunehmen, sei es durch einen Anwalt oder eine Anwältin für die arbeitsrechtlichen Fragen oder durch eine Beratung. Die Gestaltung Ihrer Elternzeit ist zu wichtig, um vorschnell ein Modell zu akzeptieren, das Ihnen Bauchschmerzen bereitet!

Bildnachweis: fotolia - Jörg Lantelme