Lutz Herkenrath

In Zeiten schnellen Wandels in Elternzeit? Da wächst die Angst, in Abwesenheit wesentliche Entwicklungen und Veränderungen zu verpassen. So klappt der Wiedereinstieg dennoch.

Nie ging der Wandel so schnell vonstatten wie im Moment. Es ist schon für diejenigen schwierig, die nicht für Wochen, Monate oder sogar Jahre raus sind, alles, was sich gefühlt täglich verändert, noch zu übersehen. Den gemütlichen Job nach dem Motto „Das haben wir schon immer so gemacht“ gibt es nicht mehr. Es ist also ganz natürlich, dass wir in Panik geraten, wenn wir uns für länger dem Nachwuchs widmen.

Elternliebe heißt nicht Jobverzicht

Meist sind Vorsätze wie „nach sechs Wochen steige ich wieder voll ein“ reine Illusion. Wer seinen Job liebt, muss ihn aber deswegen nicht gleich aufgeben, weil der Wiedereinstieg schwieriger ist als gedacht. Ja, Ihre Prioritäten haben sich verändert. Ja, es kann passieren, dass Sie aus einem Meeting in die Kita gerufen werden. Ja, Sie sind bei der Arbeit nicht immer ausgeschlafen, wenn der Nachwuchs das anders geplant hat.

Aber genau hier liegt nicht nur Ihre Schwäche, sondern ganz besonders Ihre Stärke. Mütter und Väter sind täglich Stresstests ausgesetzt, die Sie, auch wenn es sich mal anders anfühlt, mit Bravour bewältigen. Außerdem reifen Sie zu Organisationsgenies heran und sind auf der anderen Seite flexibler als viele andere. Weil Ihnen gar nichts anderes übrig bleibt. Denn ohne Pläne, an denen Sie sich entlang hangeln können, kollabiert Ihr Alltag. Und da sich Ihre Kinder vermutlich nur selten an diese Pläne halten werden, ich spreche da aus Erfahrung, müssen Sie improvisieren. Eine Kunst, die kaum jemand so gut beherrscht wie Eltern.

Brust raus, Ausstrahlung voran

Seien Sie also besser stolz auf Ihre tägliche Leistung, anstatt Angst vor all dem zu haben, das Sie nicht mal eben so bewältigen können. Die wunderbare Tänzerin und Choreographin Pina Bausch hat einmal gesagt: „Jede innere Haltung bewegt sich äußerlich sichtbar“. Also Brust raus und gehen Sie mit großem Selbstbewusstsein zurück in den Beruf. Sie sorgen schließlich dafür, dass eine nächste Generation heranwächst. Dieser Gedanke macht Sie stark und das strahlt nicht nur nach innen, sondern auch nach außen.

Das geschieht übrigens, ob Sie wollen oder nicht. Denn Ihre innere Haltung können Sie nie verstecken, auch wenn Sie das manchmal gerne würden. Sorgen Sie stattdessen dafür, dass sie nicht denken „ich habe zu viel verpasst“, sondern „wie gut, dass ich meinen Horizont erweitert habe.“ Wenn Sie Ihre Situation selbst so sehen, werden die anderen das ebenso tun und deren Reaktionen werden Ihre Gedanken widerspiegeln.

Sätze, die einen möglichen positiven Zustand beschreiben, können sehr hilfreich sein. Wichtig ist bei solchen Affirmationen nur, dass sie in der Gegenwartsform und positiv formuliert sind. Verzichten Sie also auf Worte wie „kein“, „nicht“, „nichts“ und „nie“. Denn nur positive Formulierungen kommen in unserer Wahrnehmung an: Wenn Sie zum Beispiel sagen „Ich blamiere mich nicht“, wird Ihr Unterbewusstsein mit relativer Sicherheit nur „Ich blamiere mich“ registrieren. Außerdem darf die Affirmation nicht zu weit von Ihrem aktuellen Erleben entfernt sein. Sonst wird Ihr Glaubenssystem sie nicht akzeptieren und eventuell sogar Widerstand aufbauen.

Anregungen für mögliche Affirmationen:

  • Ich freue mich auf die Begegnung mit meinen Kolleginnen und Kollegen.
  • Ich stelle mich mit allem, was ich habe, zur Verfügung.
  • Ich bin dankbar für die Chance, mich voll einbringen zu dürfen.

Seien Sie kreativ mit sich! Wenn Sie eine Formulierung gefunden haben, die Sie ein bisschen erleichtert und Ihnen ein kleines Lächeln aufs Gesicht zaubert, dann ist sie genau richtig und Sie sollten sie mindestens dreimal wiederholen.

Sie sind vollwertig!

Also weg mit den Ängsten, etwas nicht zu schaffen! Auch wenn Sie „nur“ halbtags arbeiten, heißt das noch lange nicht, dass Sie nur eine halbe Kraft sind. Ganz im Gegenteil. Arbeitergeber wissen sehr genau, dass zwei Halbtagskräfte wesentlich mehr schaffen, als eine Vollzeitkraft. Denn der Sog hin zu Pausen und Pläuschen mit den Kollegen ist für den getakteten Alltag von Eltern wesentlich geringer. Sie haben einfach keine Zeit dafür. Wenn das kein Grund für mehr Selbstbewusstsein ist, dann weiß ich auch nicht. Sollte Ihnen von Kollegen trotzdem Feindseligkeit oder Abwertung entgegenstrahlen, haben Sie Ihre Leistung noch nicht verinnerlicht. Die Haltung von anderen können Sie nur verändern, wenn Sie an Ihrer Haltung zu Elternzeit und Wiedereinstieg feilen. Wenn Sie diesen eigenen Wandel vorantreiben, werden Sie schnell auch zum Vorreiter im Unternehmen.

Wahrscheinlich sind Sie der einzige Mensch, der von Ihnen erwartet, dass immer alles reibungslos klappt und Sie selbstverständlich, um am Ball zu bleiben, während der Elternzeit regelmäßig Weiterbildungskurse besucht haben müssten. Das ist in der Regel völlig unrealistisch und das wissen auch alle. Sollte Ihr Blutdruck beim Gedanken an den Wiedereinstieg trotzdem noch in die Höhe schnellen, gehen Sie einfach offen damit um. Gespräche über Erwartungen, Wünsche und Möglichkeiten haben noch keinem geschadet. Im Gegenteil.

Mit Charisma klappt der Wiedereinstieg

Und Sie werden sich wundern, wie charismatisch die Menschen um Sie herum Sie finden, wenn Sie sich selbst so fühlen. Denn Ausstrahlung ist machbar – für jeden! Und Angst ist und bleibt immer ein schlechter Berater, den es durch Neugier und Tatendrang zu ersetzen gilt.

Das heißt: Jeder Mensch kann leuchten, wenn er sich so fühlt.

Über Lutz Herkenrath
Theater, Film, Fernsehen und insgesamt mehr als 30 Jahre Bühnen- und Kameraerfahrung – Lutz Herkenrath beherrscht die Kunst des überzeugenden Auftritts. Er wurde mit dem Deutschen Comedypreis und dem Rolf-Mares-Preis ausgezeichnet und mit seiner Rolle als Supermarktleiter Schumann in „Ritas Welt“, der bisher erfolgreichsten TV-Serie Deutschlands, wurde er einem großem TV-Publikum bekannt. Heute gibt er als packender Redner und Autor mehrerer Bücher sein Schauspiel- und Bühnen-Know-how weiter, hält Vorträge zu den Themen Motivation, Kommunikation, Wirkung und Charisma und ist 2020 auch zum ersten Mal mit seinem Bühnenprogramm „Charisma für Anfänger“ auf Tournee. www.lutz-herkenrath.de

Bildnachweis: Felix Matthies