Frauen verdienen in Deutschland rund 22 Prozent weniger als Männer[1]. Die Karriereexperten von Glassdoor wissen, wie frau das bekommt, was sie verdient.

Eine Studie der Job- und Karriereplattform Glassdoor zeigt, dass 90 Prozent der deutschen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer finden, dass Männer und Frauen für die gleiche Arbeit auch das gleiche Gehalt bekommen sollten. Obwohl nachweislich Lohnunterschiede bestehen, glaubt die Mehrheit der Arbeitnehmer (knapp 75 Prozent), dass es an ihrem Arbeitsplatz keinen Gender Pay Gap gibt. Ein weniger überraschendes Ergebnis ist, dass der Anteil der Frauen, die sich gar nicht erst bei einem Unternehmen mit mangelnder Lohngerechtigkeit bewerben würden (ca. 70 Prozent), sehr viel höher ist als der Anteil der Männer (rund 50 Prozent). Doch wie sieht ein fairer Lohn eigentlich aus? Das zu ermitteln, fällt häufig schwer. Denn gerade in Deutschland wird selten offen über das Gehalt gesprochen und nur wenige Unternehmen veröffentlichen Gehaltsinformationen. Für Arbeitnehmer, die sich unsicher sind, ob sie fair bezahlt werden, haben die Karriereexperten von Glassdoor sechs Tipps für die Gehaltsverhandlung gesammelt. Die Tipps helfen dabei, das Thema beim Arbeitgeber überhaupt erst einmal auf die Agenda zu bringen sowie Einstiegsgehälter und Gehaltserhöhungen zu verhandeln.

1. Die Hausaufgaben machen

Vor dem Gespräch gilt es, sich vorzubereiten: Welches Gehalt ist in der Branche üblich? Wie viel verdienen die Kollegen im gleichen Unternehmen, aber auch bei der Konkurrenz? Der Gehaltscheck dient während der Verhandlung nicht nur als Argument, sondern auch als Beleg für die Gehaltsforderung.

2. Immer verhandeln

Ein Angebot ist ein Angebot und sehr wenige Arbeitgeber erwarten, dass dieses auch direkt vom Arbeitnehmer akzeptiert wird. Deshalb ist es wichtig, auch mit dem Willen zur Verhandlung in das Gespräch zu gehen. Aber auch auf die Argumentation kommt es an: Die einfache Bitte nach einer Gehaltserhöhung reicht nicht aus. Hier sind wieder Fakten und Argumente gefragt, die belegen, dass der Angestellte mehr Geld verdient hat. Selbst Bonuszahlungen oder Zusatzleistungen sind ein Erfolg – und die bekommt meist nur, wer fragt.

3. Neue Rollen nutzen

Auch neue Verantwortungsbereiche oder Wechsel innerhalb des Unternehmens sind eine gute Ausgangssituation, um über das Gehalt zu verhandeln. Arbeitnehmer sollten es dabei nicht einfach hinnehmen, wenn das Management schon zu Beginn des Gesprächs mit Verweis auf die aktuelle Marktlage abblockt. Wer zeigt, dass er sich im Markt umgeschaut hat und belegen kann, welchen Wert die neue Rolle für das Unternehmen hat, festigt seinen Standpunkt und zeigt Selbstbewusstsein. Und auch wenn mit Gegenwind zu rechnen ist: Frauen wie Männer sollten hier eine klare Haltung zeigen. Für das Unternehmen lohnt es sich mehr, interne Mitarbeiter zu fördern als für eine freie Stelle externe Bewerber einzuarbeiten. Das weiß auch der Vorgesetzte.

4. Immer auf dem neuesten Stand bleiben

So wie das Leben befindet sich auch der Markt im stetigen Wandel. Mit diesen Veränderungen muss man nicht nur zurechtkommen, sondern sollte sie vor allem kennen. Nicht immer werden Löhne an ihren Marktwert angepasst, deshalb müssen Angestellte immer auf dem neusten Stand bleiben, was die Gehälter in ihrer Branche angeht und sich nicht scheuen, eine Angleichung zu fordern, wenn das eigene Gehalt zu niedrig ist.

5. Haltung des Arbeitgebers prüfen

Auch für Unternehmen ist das Thema Lohngleichheit ein schwieriges Feld. Trotzdem sollten sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht scheuen, im Unternehmen nachzufragen, ob es Programme oder bestimmte Leitlinien gibt – und falls nicht, auch den Grund hinterfragen. Auf Glassdoor haben sich beispielsweise mehr als 1.700 Arbeitgeber aktiv verpflichtet, für gleiche Arbeit und gleiche Ergebnisse auch gleiche Gehälter zu zahlen.

6. Augen und Ohren offen halten

Wie sich bereits seit vielen Jahren zeigt, schließt sich die Lohnlücke nicht. Das ist nicht nur ein Problem für Frauen, sondern auch für die Unternehmen, die sich dieser Aufgabe stellen müssen. Sollten sie das nicht tun, dann sollten sich die Angestellten nach einem neuen Job mit größerer Lohngerechtigkeit bei der Konkurrenz umsehen und ihre Konsequenzen ziehen.

[1] Quelle: Statistisches Bundesamt (2015): https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Indikatoren/QualitaetArbeit/Dimension1/1_5_GenderPayGap.html