EAP Hotline

Schwerwiegende familäre oder arbeitsbedingte Probleme haben Einfluss auf die Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz. Ein Employee Assistance Programm kann Entlastung bringen.

Was in den USA bereits zum Standardangebot für alle Angestellten gilt, findet jetzt auch seinen Weg in deutsche Unternehmen: EAP (Employee Assistance Programm) – ein Programm, das auch die Psychosozialen Beratung beinhaltet. 

Die Ausfallzeiten von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aufgrund psychischer Belastungen haben sich in den vergangenen Jahren 20 Jahren mehr als verdoppelt. 2016 machten laut DAK-Gesundheitsreport psychische Erkrankungen 16,2 Prozent des Krankenstandes aus. Tendenz steigend. Die dadurch verursachten Kosten für die Unternehmen sind immens. Legt man die Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zugrunde, belaufen sie sich auf rund 21,06 Milliarden Euro. Die möglichen Ursachen für den Anstieg sind vielfältig. In ihrer Gefährdungsbarometer-Studie 2016 führen Dr. Julia Hapkemeyer, Lisa Zimathies und Nicole Scheibner den Anstieg der psychischen Erkrankungen darauf zurück, dass sich die Arbeitswelt zunehmend durch exponentiell ansteigende Informationsmengen und permanent beschleunigende Kommunikation auszeichnet. Ständige Erreichbarkeit, Arbeitsverdichtung, Wandel in immer kürzeren Zyklen seien nur einige der Faktoren, die eine zunehmende Zahl von Beschäftigten als psychisch beanspruchend empfinden. Diese anhaltende psychische Belastung könne sich negativ auf die Gesundheit auswirken. Mit ein Grund dafür, dass der Gesetzgeber 2013 die Beurteilung psychischer Belastungen im Rahmen der betrieblichen Gefährdungsbeurteilungen im Arbeitsschutzgesetz verankerte. Unternehmen aller Größenklassen sind aufgefordert, sich mit möglichen psychischen Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz auseinanderzusetzen und diese zu beseitigen oder wenigstens zu vermindern. Viele haben in umfassende Stress- und Gesundheitsmanagement-Programme investiert. Unter anderem auch in Employee Assistance Programme mit dem Angebot der Psychosozialen Beratung.

Betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern stehen damit vertrauliche Hotlines zur Verfügung, die bei Problemen im beruflichen Umfeld, bei mentalen Belastungen, familiären Krisen oder persönlichen Konfliktthemen schnell und flexibel Beratung anbieten und gegebenenfalls bei der Suche nach professioneller Hilfe unterstützen. So auch die Psychoziale Beratung von famPLUS. Psychotherapeutinnen, Diplom-Sozialpädagogen, Coaches, Familientherapeutinnen und Traumafachberater bieten hier Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern der famPLUS Kunden schnell und vertraulich Unterstützung zu einer großen Bandbreite von Themen. Mit dem Ziel, die Stabilität, Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu fördern oder wieder herzustellen, beraten sie zu arbeitsbezogenen Anliegen, familiären Herausforderungen, bieten ressourcenorientierte Begleitung, empfehlen lösungsbetonte Wege und vermitteln gegebenenfalls an suchtspezifischen Beratungsstellen. Dabei richtet sich das Angebot nicht nur an die Angestellten. Auch eine Teamleitung oder Führungskraft kann in Fürsorge für ihre Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern die Beratung in Anspruch nehmen.

Anke Noack ist systemischer Coach und Inhaberin der Systemischen Praxisgemeinschaft SYSTEAM SELLNER NOACK. Seit über 17 Jahren arbeitet sie in der Krisenversorgung, hat sechs Jahre Erfahrung in der ambulanten psychosozialen Versorgung und ist seit Juni 2016 auch für famPLUS tätig. „Die Probleme, mit denen sich Angestellte an mich wenden, sind sehr vielseitig. In der Mehrheit sind es aber familiäre Belastungen, wie zum Beispiel eine psychische Erkrankung der Partnerin, ein Kind mit einer körperlichen Behinderung oder ein Todesfall“, erzählt Noack. Ereignisse, die die eigenen Prioritäten verändern und den Job schon mal als eine „Nichtigkeit“ erscheinen lassen. „Nicht selten kommen noch Unsicherheiten im Job hinzu,“ berichtet die Beraterin. Verursacht werden diese zum Beispiel durch eine Fusion oder die Umstellung auf „Open Offices“, in denen die Beschäftigten keine eigenen Schreibtische mehr haben. Die Folge: Anzeichen von Erschöpfung, Gewichtszu- bzw. -abnahme, Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten oder Desinteresse an sozialen Kontakten.

„Vielen Betroffenen hilft in einem solchen Fall schon ein Beratungsgespräch, um eine Entlastung zu erfahren,“ weiß Noack. „Ein Anruf bei famPLUS oder eine Email genügen und wir versuchen, uns noch am selben Tag mit der oder dem Betroffenen in Verbindung zu setzen.“ Die Beraterin und ihre Kolleginnen und Kollegen helfen dann mit Gesprächen, aber auch mit Informationen über Beratungsstellen vor Ort oder über das Prozedere und die Finanzierung einer Therapie bis hin zur Beratung zur geeigneten Therapieform. „Dass ich meinen Arbeitsplatz in München habe, ist für die meisten Betroffenen aber kein Problem. Ein Telefonat ist für viele sogar schneller und einfacher zu koordinieren. Sollte es über das Telefonat hinaus noch Beratungsbedarf geben, bietet das deutschlandweite Beraternetzwerk alle Möglichkeiten,“ sagt Noack.

Selbstverständlich ist zu jeder Zeit die Anonymität gegenüber dem Arbeitgeber gewahrt und gilt die Schweigepflicht. Nur wenn aktive Unterstützung bei der Vernetzung mit einem anderen Berater gewünscht ist, wird eine Schweigepflichtentbindung des oder der Anfragenden erforderlich. Anfragende machen müssen lediglich eine Emailadresse oder eine Telefonnummer sowie den Namen des Arbeitgebers angeben. Selbst bei der Abrechnung der Leistungen mit dem Arbeitgeber werden von Seiten der Berater und famPLUS keine Angaben über die Hilfesuchenden weitergegeben. „Für die Abrechnung geben wir lediglich die Anzahl der beratenen Angestellten weiter, ohne Angaben über Standort und Kontaktdaten,“ erzählt Johannes Winklmair, Fachleiter Elder Care und Family Care bei famPLUS. „Nur im äußersten Notfall können unsere Beraterinnen und Berater von der Schweigepflicht entbunden werden. Wie zum Beispiel im Falle einer akuten suizidalen Absicht. Aber diesen Fall hatten wir noch nicht. In unseren Beratungsgesprächen geht es in erster Linie darum, dass die Betroffenen mal „Dampf ablassen“ können – sich ihre Sorgen von der Seele reden können,“ so Winklmair. „Die steigende Zahl Anrufe zeigt, wie wichtig unsere Arbeit ist und wie groß die Entlastung für die Betroffenen.“

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