Bella Dachner

Bella Dachner betreut zahlreiche virtuelle Kurse bei den Notfallmamas. Sie selbst ist überrascht darüber, wie positiv das Angebot von allen Beteiligten angenommen wird.

Wir haben uns mit ihr unterhalten und einige interessante aber auch wichtige Informationen erhalten.

Was genau bieten Sie in der virtuellen Kinderbetreuung an?

Aktuell biete ich 10 unterschiedliche altersspezifisch konzipiert Onlinebetreuungskurse:

Spiel- und Bewegungskurse, wie z.B. „Kindersportstunde“ oder „Wir spielen Zirkus“ und Bastel- und Malangebote – beispielsweise „Handtiere malen“, „Falttiere basteln“,  gemeinsames Lösen von Knobelaufgaben, sowie Handarbeitsthemen wie Stricken und Weben.

Warum ist virtuelle/digitale Kinderbetreuung etwas ganz anderes als am Computer zu spielen?

Die Angebote sind interaktiv und individuell: Die Kinder turnen nach und kommunizieren miteinander. Haben die Kinder Lust, eine Übung oder Aktion zu vertiefen, kann ich als Betreuerin ganz individuell darauf eingehen und spontan das Angebot darauf anpassen. Ein Computerprogramm/-spiel kann das nicht.

Wie viel Engagement von Seiten der Eltern ist notwendig? 

Die Eltern melden ihre Kinder an und schaffen die technischen Gegebenheiten. Bei einigen Kursen gibt es eine Materialliste, die bereit gelegt sein sollte. Das ist alles. 

Müssen die Eltern während der Betreuung ein Auge auf die Kinder haben?

Meistens sind die Eltern nur kurz anwesend, um zu sehen, dass die technische Seite funktioniert. Es ist aber sinnvoll, wenn die Kinder eine*n Ansprechpartner*in im Haushalt haben. Gerade für sehr kleine Kinder kann es hilfreich sein, wenn ein Elternteil in der Nähe bleibt, bis es sich an die Onlinesituation gewöhnt hat.

Was, wenn sich das Kind weh tut? 

Bisher ist es noch zu keiner Verletzung gekommen. Meine Angebote beinhalten keine gefährdenden Aktionen, sondern sind Bastel- und Bewegungsangebote wie man sie aus der Kindergarten- bzw. Nachmittagsbetreuungen kennt. 

Ich habe aber immer die Kontaktdaten der Eltern, diese müssen bei der Anmeldung mit angegeben werden. Ich kann also immer die Eltern informieren, sollte das Kind es nicht selbst machen.

Die Kinder müssen doch zwischendurch bestimmt auch mal was essen oder trinken oder aufs Klo? Wie ist das geregelt?

Grundsätzlich sind die Angebote freiwillig. Es besteht kein Zwang, die vollen 60 Minuten teilzunehmen. Obwohl die meisten Kinder die komplette Zeit im wahrsten Sinne des Wortes auskosten. 

Muss ein Kind aufs Klo oder Trinken, sagt es kurz Bescheid und kommt danach zurück. Beim gemeinsamen Sporteln, beispielsweise, gibt es aber auch gemeinsame kurze Trink- oder Pipipausen. Den kleinen Snack essen wir beim Malen meistens gemütlich alle zusammen. 

Was machen Sie, wenn das Kind plötzlich buchstäblich „vom Bildschirm verschwindet“?

Je nach Kameraeinstellung kommt dies schon manchmal vor. Da holt das Kind schnell ein Kuscheltier oder einen besonderen Glitzerstift. Ich spreche diese Kinder weiterhin an. Frage nach ihrer Meinung oder ob sie plötzlich „weggezaubert“ wurden. Meistens tauchen sie dann ganz schnell wieder auf.

Kinder sind ungeduldig. Nicht immer klappt alles auf Anhieb. Wie gehen Sie damit um, wenn ein Kind mal gefrustet ist?

Die Angebote sind so konzipiert, dass die Kinder die Betreuung mit einem Erfolgserlebnis verlassen. Klappt es nicht direkt, ist es wie im realen Leben auch: Mut zusprechen, nochmals erklären und gemeinsam eine Lösung finden. Notfalls wird das Angebot spontan für dieses Kind etwas einfacher gestaltet. Vor einiger Zeit wurde spontan aus einem Strickkurs ein „Wollkettenbastel-Kurs“.

Kinder wollen, insbesondere wenn sie noch kleiner sind und die Eltern im Zimmer nebenan, diesen gerne zeigen, was sie gemacht bzw. gelernt haben. Wie kann sichergestellt werden, dass die Eltern tatsächlich während der Betreuungszeit, Zeit für den Job haben? 

Ich versuche die Zeit für die Kinder so spannend und ablenkend wie möglich zu gestalten. Ich spreche mit den Kindern über das, was wir gerade machen. Erzähle Geschichten und stelle Fragen. So lange die Kinder immer wieder aktiv aufgefordert werden, bleiben sie auch am Ball und somit am Bildschirm.Meistens sind die Kinder überrascht, dass die gemeinsame Zeit „schon vorbei“ ist. 

Sind in Ihren Gruppen schon virtuelle Freundschaften entstanden? Wenn ja, wie muss man sich das vorstellen? 

Ob Freundschaften, kann ich nicht sagen. Aber auf jeden Fall Bekanntschaften. Die Kinder kennen sich teilweise von einem Kurs und … „ ach schau, die Lisa ist auch wieder dabei - wie schön!" Das macht natürlich Spaß. Wir können dann an bereits bekannte Geschichten oder gemeinsame Online-Erlebnisse anknüpfen. Manche Kinder kennen sich auch aus der Schule oder dem Kindergarten. Weil sie sich aktuell nicht sehen dürfen, verabreden sie sich zum gleichen Kurs und verbringen dort, verbunden mit einer schönen Aktivität, gemeinsame Zeit.